Merk und Metzelder bei Schiedsrichtercamp für hämophile Kinder

Markus Merk (mi.) gab den Nachwuchs-Referees mit Blick auf das Schiedsrichter-Starterset dafür noch mit auf den Weg: "Ich wünsche euch, dass ihr die Gelben und Roten Karten nicht so oft braucht." Fotos: Carsten Kobow
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  • Markus Merk (mi.) gab den Nachwuchs-Referees mit Blick auf das Schiedsrichter-Starterset dafür noch mit auf den Weg: "Ich wünsche euch, dass ihr die Gelben und Roten Karten nicht so oft braucht." Fotos: Carsten Kobow
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Haltern. Am Ende kam es zur Rudelbildung. 17 Jungen umringten im Vereinsheim des TuS Haltern den früheren FIFA-Schiedsrichter Markus Merk, um sich auf Roten und Gelben Karten Autogramme abzuholen. Als auch der letzte Wunsch erfüllt war, hatte der 55-Jährige für die Neun- bis 13-Jährigen eine Überraschung parat: ein Schiedsrichter-Starterset – mit zwei Pfeifen, Karten, Platzwahlmünze und vielem mehr. Die Start-Ausrüstung hatte die Egidius-Braun-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Verfügung gestellt.

"Ich wünsche euch unheimlich viel Spaß beim Schiedsrichter werden", sagte Markus Merk zum Referee-Nachwuchs. Eine Woche lang hatte die Gruppe unter der Leitung des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) und der Interessengemeinschaft Hämophiler (IGH) ein Schiedsrichtercamp in Haltern am See absolviert. Nicht irgendeins, sondern speziell für Kinder mit der seltenen Bluterkrankheit. Wegen des Verletzungsrisikos dürfen die Jungen selbst keinen Wettkampfsport ausüben – als Schiedsrichter können sie trotz Hämophilie am Fußball teilhaben."Mir ist wichtig, dass sie ihren Platz in der Fußballfamilie bekommen", sagte Fabian Habur vom Berliner Fußball-Verband. Der 30-Jährige, der das Schiedsrichtercamp gemeinsam mit IGH-Geschäftsführer Christian Schepperle leitete, trainiert viele Camp-Teilnehmer einmal monatlich im Leistungszentrum Wannsee. Ein weiterer Teil kam aus dem Großraum Stuttgart sowie aus ganz Deutschland. "Die Woche war toll", fand Lasse aus Meerbusch. "Am Schiedsrichtersein finde ich cool, dass man Entscheidungen treffen darf und dass man das sehr lange ausüben kann", sagte der Zehnjährige. Für ihn steht der Entschluss fest: Ich will Schiedsrichter werden.

Von Mutters Bluse in die Schiri-Weltspitze

Die Fragerunde mit Markus Merk und dem früheren Nationalspieler Christoph Metzelder bestärkte ihn in seinem Vorhaben. Die beiden prominenten TV-Experten ließen keine Frage des wissbegierigen Nachwuchses unbeantwortet. "Als Schiedsrichter habt ihr eine der wichtigsten Aufgaben im Fußball", sagte Merk, der in seiner Karriere 339 Bundesligaspiele als Unparteiischer leitete. Angefangen hatte für den Kaiserslauterer alles am 21. September 1974. "Da war ich zwölf Jahre alt. Eigentlich sollte ich erst drei Monate später mein erstes Spiel pfeifen, doch es wurde kurzfristig jemand gebraucht", erzählte Merk. So pfiff er mit einer Sondergenehmigung in Kaiserslautern die Partie zweier E-Jugend-Teams – in einer kurzfristig umfunktionierten und mit einem Wappen versehenen schwarzen Bluse seiner Mutter, weil "es für so kleine Menschen wie mich damals keine Schiedsrichteruniform gab". Weil der kleine Markus seine Sache so gut gemacht hatte, durfte er nach seiner Premiere gleich im Anschluss das folgende D-Jugend-Spiel pfeifen, zu dem der Schiri nicht gekommen war.
Christoph Metzelder berichtete, dass er als Aktiver mit den Schiedsrichtern immer wenig zu tun gehabt habe. "Ich bin eigentlich nie mit Schiedsrichtern aneinandergeraten. Das war ein Teil des Spiels, das für mich irrelevant war", sagte der 36-Jährige. Markus Merk, der Metzelder wiederholt auf dem Platz begegnet war, konnte das bestätigen. Für sein Fairplay spricht auch, dass "Metze" weder als Jugendlicher noch als Profi eine Rote Karte gesehen hat. "Diese Einstellung versuche ich auch meinen Spielern in der U 19 zu vermitteln", sagte Metzelder, der beim TuS Haltern Trainer der Landesliga-A-Junioren sowie erster Vorsitzender des ambitionierten Oberligisten ist.
Der frühere Nationalspieler begrüßte die Initiative von BFV und IGH ausdrücklich. Durch so ein Camp könne man dringend benötigten Schiedsrichternachwuchs gewinnen, meinte Metzelder nach der Fragerunde im Gespräch mit DFB.de. Bisher hatte es 2013 und 2017 vom Badischen Fußballverband (BFV) einen Schiedsrichter-Wochenend-Lehrgang für hämophile Kinder gegeben, ebenso schon einmal vom Berliner Verband. "Diese einwöchige Reise nach Haltern ist für uns ein Meilenstein", meinte Verbandstrainer Fabian Habur. Bei der Planung hatten sich Berliner und Stuttgarter auf ein Reiseziel irgendwo in der Mitte beider Städten geeinigt – so landeten sie im westfälischen Haltern am See.

Unterstützung durch DFB-Stiftung Egidius Braun

Regelkunde, Fitnessübungen und Spielformen standen an den sieben Tagen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund oder eine Spielbeobachtung beim TuS Haltern. Sieben Betreuer inklusive Physiotherapeutin und Ärztin zählten dabei zur Reisegruppe. "Für die Jungs bedeutet diese Woche eine wahnsinnige Weiterentwicklung, sie haben das toll gemacht", bilanzierte Fabian Habur. Auch Tobias Wrzesinki lobte die außergewöhnliche Aktion. "Das ist für uns von hoher Bedeutung", erklärte der Geschäftsführer der DFB-Stiftung Egidius Braun, die das Camp mit einer Zuwendung in Höhe von 2500 Euro unterstützte. "Genau solche ehrenamtlichen Projekte wollen wir mit unserer Initiative Kinderträume, die wir gemeinsam mit der A-Nationalmannschaft der Männer finanzieren, fördern", sagte Wrzesinski.
Dank der einzigartigen Aktion haben die Kinder in ihren jeweiligen Fußballvereinen nun eine Perspektive im Schiedsrichterwesen. Markus Merk gab den Nachwuchs-Referees mit Blick auf das Schiedsrichter-Starterset dafür noch mit auf den Weg: "Ich wünsche euch, dass ihr die Gelben und Roten Karten nicht so oft braucht."

Autor:

Michael Menzebach aus Haltern

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