Landgericht
Angeklagten angegriffen – Zuhörerin verhaftet - Zwischenfall beim Elfringhauser-Taxi-Raub-Prozess

Die Angeklagten des Elfringhausener-Taxi-Raub-Prozesses mit ihren Rechtsanwälten Salewski (hinten), Wülfing (v.re.) und Kaps (v.li.).
  • Die Angeklagten des Elfringhausener-Taxi-Raub-Prozesses mit ihren Rechtsanwälten Salewski (hinten), Wülfing (v.re.) und Kaps (v.li.).
  • hochgeladen von Hans-Georg Höffken

Beim ersten Verhandlungstag des Elfringhauser-Taxi-Raub-Prozesses kam es heute in einer Verhandlungspause im Flur vor dem Sitzungssaal im Landgericht Essen zu einem Zwischenfall. Als Folge wurde eine Zuhörerin bei der Fortsetzung der Hauptverhandlung festgenommen und erhielt eine sofort vollziehbare dreitägige Ordnungshaft.

Der 29-jährige Angeklagte, der als einziger der drei Angeklagten nicht in Haft ist, soll, so berichteten es Zeugen der VII. Großen Strafkammer, während einer kurzen Verhandlungsunterbrechung auf dem Flur von einer Zuhörerin mit der Hand geschlagen, gegen eine Wand gedrückt und beleidigt worden sein.

Nachdem mehrere Zeugen diesen Vorfall Richter Feldhaus bestätigten, stellte er die Personalien der Angreiferin fest. Danach verhängte er gegen die Zuhörerin eine sofort vollziehbare dreitägige Ordnungshaft und ließ diese, total überrascht von dieser Sanktion, von den Justizwachtmeistern in die JVA abführen. Selbst beim Abführen beleidigte sie dann noch den 29-jährigen Angeklagten. Staatsanwalt Ohls kündigte an, die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens gegen die Störerin zu prüfen, zumal der Vorwurf geäußert wurde, die Störerin hätte auch mit ihrem Handy im Gerichtssaal Tonaufzeichnungen vorgenommen.

Der 29-jährige Angeklagte ließ durch seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Tim Salewski, seine Version der Tathandlung verlesen. Er gestand, mit den beiden 26 und 28 Jahre alten Mitangeklagten am 12.11.2017 eine Taxifahrt von Wuppertal nach Elfringhausen vorgenommen zu haben.

In Höhe der Bushaltestelle Zur Blume an der Felderbachstraße baten sie den Fahrer zum Anhalten. Dann kam es zu einem räuberischen Angriff auf den Taxifahrer, bei dem dessen Geldtasche mit 200 Euro geraubt wurde. Er sei vorher in den Tatplan nicht eingeweiht gewesen, sagte der 29-jährige; sei allerdings von einem der Mittäter aufgefordert worden, die Hand des Taxifahrers während des Überfalles kurz festzuhalten, was er auch getan habe.

Alle drei Angeklagte haben nach eigenen Angaben am Tattag und davor regelmäßig Alkohol und Betäubungsmittel konsumiert. Die anderen beiden Angeklagten, die sich zur Zeit in Untersuchungshaft bzw. in einer geschlossenen Landesklinik befinden, haben aufgrund des Konsums von Betäubungsmitteln keine Erinnerung mehr an den Tattag, konnten die Taten vor Gericht weder bestätigen noch bestreiten.

Taxifahrer hatte Todesangst – Beklemmende Stille im Gerichtssaal
Als der überfallene 51-jährige Taxifahrer dann im Zeugenstand seine Erlebnisse schilderte, herrschte beklemmende Stille im vollbesetzten Gerichtssaal.

Bei dem von einem seiner Fahrgäste Mitte November 2017 geforderten Halt in Elfringhausen wurde ihm von hinten ein Strick um den Hals gelegt und zugezogen. Mit letzter Kraft konnte er eine Hand unter den Strick halten, will nach eigenen Angaben schon unter Sauerstoffmangel gelitten haben. Ihm wurde seine Geldbörse mit 200 Euro gestohlen, er wurde geschlagen und ein Messer wurde ihm an den Hals gehalten. Er will mit dem Tode bedroht worden sein, leidet noch heute unter den Folgen.

Mit einem der drei Täter auf der Rückbank startete er in Todesangst panikartig sein Taxi. Kurze Zeit später kam er rechts von der Fahrbahn ab und prallte gegen ein Verkehrsschild und eine Leitplanke. Die von ihm alarmierte Polizei traf dann später in Elfringhausen ein.

Mehrere Wochen war der Taxifahrer nach dem Überfall arbeitsunfähig. Selbst die ihm geraubten 200 Euro musste er seinem Arbeitgeber ersetzen. Sein Taxi erlitt bei dem Unfall Totalschaden. Aufgrund der Tathandlung in dunkler Nacht und weil alle Angeklagten Kapuzen trugen, konnte der Taxifahrer nicht bestimmen, welcher der drei Täter beim Überfall welche Tathandlung begangen hatte.

Der Prozess beim Landgericht wird am 19.03.2019 fortgesetzt. Der STADTSPIEGEL berichtet weiterhin.

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