Selbstversuch Hockey oder "Wenn der Rasen so richtig geschrubbt wird"

Sicherheitshalber hinter Gittern: STADTSPIEGEL-Redakteur Christoph Schulte
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Ich erinnere mich noch genau: Schon vor mehr als 40 Jahren hatte ich einen Riesenspaß, mit ein paar Kumpels bei uns in der Straße selbstgebaute Tore aufzustellen und den damaligen Helden des ECD nachzueifern, allerdings eben nicht auf dem Eis, sondern auf Asphalt. Schlittschuhlaufen habe ich bis heute nicht gelernt, aber der Spaß an Schläger und Ball ist geblieben. Was lag also näher, als "zurück zu den Wurzeln" - und einmal im Rahmen unserer Serie "Weniger bekannte Sportarten - mal selbst ausprobiert" Hockey auszuprobieren.

Von Christoph Schulte

Iserlohn.Gesagt, getan. Schnell war der Kontakt zu Hans-Jürgen-Becker, dem Verantwortlichen der Hockey-Abteilung im TuS Iserlohn, geknüpft und eine Verabredung auf dem Kunstrasen-Nebenplatz am Hemberg-Nordhang gemacht, wo gerade der Trainingsbetrieb des TuS-Nachwuchses stattfand.
Ich hatte kaum die ersten Schritte auf den grünen Belag getan, da bekam ich prompt schon meinen Schläger in die Hand gedrückt - gleichzeitig die erste Überraschung. Denn der hatte nichts mit einem Eishockeyschläger gemein. "Feldhockeyschläger sind quasi Einheitsware", erläuterte Hans-Jürgen Becker, "unten mit einer gewölbten rechten und einer flachen linken Seite, mit der der Ball ausschließlich gespielt werden darf." Und dann war da noch die Länge vom maximal 36,5 cm. Beim Gedanken an einen Zwei-Meter-Riesen waren mir meine ganzen 170 cm plötzlich wieder richtig sympathisch.
Und es ging erstaunlich gut weiter, denn die ersten Pass- und Stoppversuche (aus kurzer Distanz) mit Jugendtrainerin Nele, die sich um mich kümmerte, verliefen durchaus erfolgversprechend. "Und jetzt kannst Du mal versuchen richtig zu schrubben", war meine nächste Aufgabe. Wie bitte? Was sollte ich? "Schrubben"? Kannte ich bisher nur im Zusammenhang mit Bodenreinigung. Als Nele die Fragezeichen in meinem Gesicht bemerkte, folgte die Aufklärung. "Schrubben nennen wir das Schwungholen bei weiten Pässen, bei dem der Schläger direkt über den Kunstrasen 'schrappt'." Aha. Und wieder was gelernt. Aber auch das klappte ganz gut. Und so stand einem munteren Trainingsspielchen mit dem 12- bis 15-jährigen Nachwuchs ja wohl nichts mehr im Weg. Na ja, mein gerade gestiegenes Selbstbewusstsein bekam spätestens nach rund fünf Minuten einen kleinen Knacks, als sich doch kleinere vorhandene Konditionsdefizite bemerkbar machten.
Dann folgten individuelle Technikübungen. Den Ball mit Vor- und Rückhand durch einen Hütchenparcours dirigieren, über im Weg liegende Röhren lupfen oder mit dem Schläger tippend in der Luft halten und gleichzeitig über Mini-Hürden spazieren. Persönliches Fazit: Für nen absoluten Neuling gar nicht sooo schlecht, aber noch meilenweit vom Können eines jedem anderen Trainingsteilnehmers entfernt.
Aber mein absolutes Highlight sollte ja erst noch folgen: ich wollte unbedingt mal in den "Kasten", sprich in die Torwart-Rolle, schlüpfen. Und schon trat wieder Hans-Jürgen Becker auf den Plan, der extra eine Riesensporttasche aus der Hemberghalle für mich herangeschafft hatte. Inhalt: die notwendige Schutzausrüstung, denn ohne die geht es verständlicherweise nicht. Also auspacken und anziehen: Tiefschutz, gepolsterte Hose, Torwartschienen, die "Kicker" (Schutz für die Schuhe), Ellbogen- und Unterarmschutz, Brustpanzer, Torwart-Handschutz, ein leichtes Trikot und natürlich der Helm mit einem Gesichtsgitter. Nach einer gefühlten Ewigkeit und bereits schweißgebadet war es dank der Hilfe von Nachwuchskeeper Max geschafft: ich kam mir zwar irgendwie vor wie eine ziemlich unbewegliche Schildkröte, aber sah zumindest äußerlich aus wie ein echter Hockeytorwart! Als mutig rein ins Tor und Max abgelöst als Zielscheibe beim Torschusstraining der anderen Jungs. Und tatsächlich bekomme ich das eine oder andere Mal meinen Fuß, den Schläger oder meine "Torwartpranke" an die Hartplastikkugel und kann den Einschlag verhindern. "Gar nicht so schlecht", denke ich mir und gehe zum Abschluss aufs Ganze: Jetzt sollen es auch noch 7 Meter sein. Auge in Auge mit dem Schützen - das klassische Duell! Und das verliere ich erwartungsgemäß mit Pauken und Trompeten. Keine Chance. Die Bälle fliegen mir nur so um die Ohren und ins Tor. "Das A und O eines guten Torwartes ist seine Beweglichkeit", bringt es Hans-Jürgen Becker mit einem Schmunzeln auf den Punkt, "einige unserer Nachwuchskeeper betreiben nebenher z. B. deshalb noch Judo oder Turnen". Außerdem begännen die meisten mit dem Hockey bereits im Alter von acht bis zehn Jahren. Das ist ja tröstlich, denke ich mir, als ich mich glücklich wieder von meinem Schildkrötendasein verabschiedet habe. Eines bleibt aber als Fazit: Spaß gemacht hat der Ausflug in die Hockeywelt auf alle Fälle, und wer Schläger und Bälle liebt, braucht nicht unbedingt auch noch Eis und Schlittschuhe dazu!

Kontakt: 

Kontakt:
Hans-Jürgen Becker,
Telefon: 0173 / 1679238
E-Mail: Hockey@TuS-Iserlohn.de
Online: www.hockey.tus-iserlohn.de

Autor:

Christoph Schulte aus Hemer

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