Der musikalische Jahresrückblick Teil 2

Zu allererst sei hier der Belgier Stromae genannt, der mit „Alors on danse“ einen der Sommerhits des Jahres lieferte und mit seiner Mischung aus House und Danceelementen mit einem rein französischen Text Abwechslung in den sonstigen Einheitsbrei brachte.

Ebenso Erwähnung sollte Yolanda Be Cool mit „We no speak Americano“ finden, da es sich hier um eine zeitgemäße Version des Klassikers aus dem Jahre 1965 von Renato Carosone handelt, die einfach gute Laune verbreitet.

Wahrscheinlich One Hit Wonder werden Kesha mit ihrem Song „Tik Tok“, die wohl zu recht vom „großen“ Prince aus dem Haus geschmissen wurde, und Keri Hilson mit „I like“ bleiben, denn qualitativ spielen sie bei weitem nicht in der Liga von Rihanna und Lady GaGa, aber wollen sich trotzdem mit diesen messen.

Positiv sticht dieses Jahr hervor, dass die Gewinner von Castingshows kaum noch Beachtung von der breiten Masse erfahren und man hier mal die Radiosender loben sollte, dass sie solche Ramschware nicht unterstützen (auch wenn unser Dieter das anders sieht). Mehrzad Marashi, der Gewinner von DSDS, schaffte mit „I believe“ lediglich einen Top Ten Hit und dürfte ebenso in der Versenkung verschwunden sein, wie das der hessische Nervtöter Mark Medlock.

Zu Tränen gerührt waren die Deutschen von der Geschichte des Israel "IZ" Kamakawiwo'ole, der 10 Jahre nach seinem Tod aufgrund einer Fettsucht auch über die Grenzen von Hawaii mit seinem weichen Interpretation von „Somewhere over the rainbow“ Gehör bekam und seit Wochen die Singlecharts anführt.

Erwähnen sollte man in einem musikalischen Rückblick auch die Wiedervereinigung von Take That, wobei das Album, wie schon mal geschrieben, eher schlecht als recht ist. Die Fantastischen Vier lieferten ebenfalls ein solides neues Album ab und die Schottin Amy MacDonald präsentierte ein grandioses Zweitwerk.

Ein Interpret fehlt jedoch noch, der es schaffte sowohl das erfolgreichste Album als auch die erfolgreichste Single zu präsentieren und das obwohl er so gar nicht dem Mainstream entsprechen mag. Unheilig und sein Protagonist „Der Graf“ erschaffen seit 2000 Musik für die Freunde der dunklen Gothicmusik. In dieser Szene feierten sie mit Songs wie „Sage ja“, „Maschine“, „Freiheit“ oder den Balladen „Mein Stern“ und „Astronaut“ Erfolge. Dies gelang vor allem aufgrund der Fannähe des Grafen.

Dieses Jahr hielt sich sein Album „Grosse Freiheit“ 15 Wochen an der Spitze der Verkaufscharts. Damit überholte der Aachener Herbert Grönemeyer, der Ende der 80er dieses mit „Ö“ 14 Wochen schaffte. Die Single „Geboren um zu leben“ hielt sich monatelang in den Singlecharts und war damit ebenfalls erfolgreicher als „Waka Waka“ oder „Satellite“.

Die „alten“ Fans von Unheilig werfen dem Grafen auch aufgrund seiner medialen Omnipräsenz Ausverkauf vor, wobei die Art der Songs sich zumindest seit dem letzten Werk „Puppenspieler“ kaum geändert haben. Er schafft es emotionale Texte mit melancholischer Musik zu vereinen und sollte lediglich dafür sorgen, dass die Breite Masse ihn nicht auf die Balladen reduziert, sondern auch Songs wie „Für immer“ oder „Unter Feuer“ zu schätzen weiß.

Es bleibt zu hoffen, dass mehr Bands aus dieser Szene den Sprung in den Mainstream schaffen und sich auch dauerhaft dort positionieren. Eventuell tragen die Konzerte von Unheilig mit grandiosen Vorbands wie VNV Nation, Diary of dreams oder Mono Inc. dazu bei. Verdient hätten sie es.

Autor:

Kay Utermark aus Herdecke

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