Schiedsleute - Schlichter statt Richter

Bürgermeister Frank Hasenberg bedankte sich bei den Schiedsleuten Wilfried Konietzko, Inge Holland, Hansjürgen Gräfer und Hans-Otto Rauchschindel für ihr ehrenamtliches Engagement mit einem gemeinsamen Abendessen. | Foto: Stadt Wetter
  • Bürgermeister Frank Hasenberg bedankte sich bei den Schiedsleuten Wilfried Konietzko, Inge Holland, Hansjürgen Gräfer und Hans-Otto Rauchschindel für ihr ehrenamtliches Engagement mit einem gemeinsamen Abendessen.
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Sie engagieren sich ehrenamtlich für ihre Mitbürger und sorgen dafür, dass Streitigkeiten zwischen Nachbarn nicht vor Gericht enden: Inge Holland, Wilfried Konietzko, Hansjürgen Gräfer und Hans-Otto Rauchschindel sind als Schiedsleute in der Harkortstadt aktiv.

Bei der Arbeit der Schiedsleute steht der Mensch für sie immer im Mittelpunkt. „Wir wollen im Gespräch Verständnis zwischen den beiden Parteien herstellen“, erklärt Holland. „Dafür muss man mit den Menschen umgehen können.“ Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen sind Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Schiedsmann. Inge Holland schmunzelt und schiebt nach: „Ein bisschen Autorität kann auch nicht schaden.“ Und eines unterschreiben alle Schiedsleute sofort: Ohne Leidenschaft geht es nicht.“ Leidenschaft für den Menschen und für die Sache.
Wann werden die Schiedsleute aktiv? Der Gesetzgeber hat für bestimmte Arten von Streitigkeiten vorgeschrieben, dass man vor Erhebung einer Klage bei Gericht zunächst den Fall vor einem Schiedsmann verhandeln muss. Anderenfalls wäre die Klage nicht zulässig und würde aus diesem formalen Grunde nicht angenommen. „Das sind in der Regel klassische Streitigkeiten zwischen Nachbarn“, erläutert Gräfer. Wenn ein Streit über das Fällen eines Baumes das ein oder andere Wort zu viel ergibt und schließlich in Beleidigungen endet, finden sich die Nachbarn schließlich vor dem Schiedsmann wieder. Aber auch Fälle von Körperverletzung, Verletzung des Briefgeheimnisses oder Hausfriedensbruch werden hier besprochen.
In der Harkortstadt gibt es drei Schiedsamtsbezirke: Wilfried Konietzko ist für den Alt-Wetter zuständig, Hans-Otto Rauchschindel für Volmarstein und Hansjürgen Gräfer für Esborn und Wengern. Hier ist auch Inge Holland als Stellvertreterin aktiv. Zuständig ist jeweils der Schiedsmann, in dessen Bezirk der „Beklagte“ lebt.
Die Schiedsleute werden vom Rat der Stadt für fünf Jahre gewählt, eine Wiederwahl ist möglich. Juristisches Vorwissen ist nicht erforderlich, die entsprechenden Kenntnisse lernen angehende Schiedsleute in Strafrechts-Lehrgängen und Workshops. Ein bisschen ist es aber auch „learning by doing“, wie Hans-Otto Rauchschindel meint: „Natürlich gibt es auch Dinge, die nicht in den Büchern stehen und die man erst nach und nach lernt.“ Im übrigen gilt, so wichtig die Paragrafen auch sind: „Es geht immer um Zwischenmenschliches“, so Inge Holland, die bereits seit 25 Jahren erfolgreich als Schiedsfrau aktiv ist.
Verhandelt wird an neutraler Stelle und in ruhiger Atmosphäre. So ist von Beginn an klar, dass es hier nicht um eine Gerichtsverhandlung geht. Die Stadt Wetter stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung, zumeist finden die Gespräche im Bürgerhaus Villa Vorsteher statt. „Wenn man vernünftig mit den Leuten spricht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Einigung groß. Wir suchen eine Lösung, mit der beide Seiten gut leben können“, so Gräfer. Kurz gesagt: Erst der Dialog, dann die Einigung.
Ganz wichtig für alle Beteiligten: „Es gibt bei uns keine Verlierer“, so Hansjürgen Gräfer. „Wir wollen ein Einverständnis zwischen den Parteien herstellen.“ Und Inge Holland ergänzt: „Wir sind Schlichter, keine Richter.“ Die Verhandlung endet daher auch nicht mit einem Urteil - als Ergebnis wird der Wunsch der Parteien festgehalten. Kommt es zu keiner Einigung, erhält der Antragsteller eine Bescheinigung, mit der er vor Gericht Klage erheben kann.
Weitere Informationen und Kontaktadressen rund um das Schiedsamt gibt es bei der Stadt Wetter unter Tel. 840105 und auf der Internetseite der Bezirksvereinigung Hagen der Schiedsmänner und Schiedsfrauen unter www.bds-hagen.de.

Autor:

Melanie Giese aus Recklinghausen

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