Adventskalender reißt Berliner Mauer ein

Die beliebten Adventskalender sind kleine Spiegelbilder unserer Gesellschaft. Eine wunderbare Ausstellung im Rittersaal von Schloss Strünkede zeigt über 100 von ihnen.
Tina Peschel (rechts) vom Museum Europäischer Kulturen hat die Schau konzipiert. Dr. Oliver Doetzer-Berweger, Leiter des Emschertal-Museums, freut sich über die fruchtbare Kooperation. Alle Fotos: Erler
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  • Die beliebten Adventskalender sind kleine Spiegelbilder unserer Gesellschaft. Eine wunderbare Ausstellung im Rittersaal von Schloss Strünkede zeigt über 100 von ihnen.
    Tina Peschel (rechts) vom Museum Europäischer Kulturen hat die Schau konzipiert. Dr. Oliver Doetzer-Berweger, Leiter des Emschertal-Museums, freut sich über die fruchtbare Kooperation. Alle Fotos: Erler
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Der erste bekannte Adventskalender von 1902 war gar keiner, sondern eine Adventsuhr mit zwölf Feldern, die erst am 12. 12. lostickte. 1903 schnitten die Jungen und Mädchen jeden Tag Bildchen aus, die sich schließlich zu einem großen Bild zusammenfügten. Erst in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts befüllte man die Kalender mit Schokolade. Gerhard Lang (1881-1974) kam auf die Idee, weill er gute Kontakte zur Firma Stollwerck pflegte. Er gilt als der eigentliche Vater der Adventskalender.
Die 100-jährige Geschichte der Freuden-Verkünder aus Pappe, Papier und Farbe kann man bis zum 15. Januar 2012 im Rittersaal des Schlosses Strünkede Revue passieren lassen. Präsentiert wird die Schau vom Museum Europäischer Kulturen/Staatliche Museen zu Berlin. Dem Emschertal-Museum zur Verfügung gestellt hat sie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Kuratorin ist Tina Peschel.
Der Besucher staunt über Adventskalender der Ex-DDR, die kein Christkind schmückte, denn christliche Symbole waren des Teufels. Und er freut sich (wenn er ein Mann ist) über den ersten (sich selbst so nennenden) „anständigen“ Türchen-Kalender, eher ein dicker Karton, der 24 Dosen Tuborg-Pils enthielt.
Doch auch der Adventskalender ist nicht frei von Ideologie: Die Nationalsozialisten schalteten um auf Propaganda: Hitler-Jungen und -Mädchen standen salutierend vor dem Christkind. Der Soldat erstrahlte im Kerzen-Glanz.
Die EX-DDR setzte auf Technik und Weltgeltung mit ihrem Raumfahrtkalender aus den 70-er Jahren. Bereits in den Fünfzigern hängte man im deutschen Osten eine Weltkugel an die Wand, hinter deren Türchen befreundete Staaten zum Vorschein kamen. Damals gehörten auch noch die USA dazu – es war vor dem Mauerbau.
Apropos: Ein besonders originelles Stück ist der Mauerkalender, der 1989 vor allem in Berliner Kneipen verkauft wurde. Er verfügt über Türen auf beiden Seiten. Öfnet man die östlichen, blickt man auf den Westen – und umgekehrt. Wenn man die Türchen ganz wegreißt, verschwindet auch die Mauer.
Die Ausstellung ist Di bis Fr von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Sa von 14 bis 17 und So von 11 bis 17 Uhr. Vom 24. Dezember bis zum 1. Januar 2012 ist sie geschlossen.
Kinder ab sechs Jahren gestalten 3-D-Adventskalender am 28., 29. und 30. November, jeweils von 15 bis 18 Uhr. Anmeldungen bitte unter Tel.: 02323/16 26 11.
Wir verabschieden uns mit der Himmelsleiter, auf der ein Engel jeden Tag ein Feld höher klettert und wünschen einen schönen 1. Advent.

Autor:

Bernhard W. Pleuser aus Essen-Kettwig

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