Wenn Minou Kistenmann und Priester trifft

Mette Jakobsen

Im blauen Zimmer liegt ein gefrierender toter Junge, von Raben bewacht. Priester hält beharrlich Predigten in einer stets leeren Kirche und Kistenmann, ein Zirkuskünstler und leidenschaftlicher Akkordeonspieler, baut hölzerne Behältnisse, die einzig dazu dienen, in ihnen manegentauglich Frauen zu zersägen. Unermüdlich streunt der Hund Namenlos auf einer kleinen Insel, dem man seinen Strickpullover ausziehen muss, wenn er durch Feuerreifen springen soll.
Und dann gibt es in Mette Jakobsens Debüt-Roman „Minous Geschichte“ noch die wunderschöne, sehr exaltierte rothaarige Frau, die plötzlich samt einer Schildkröte verschwindet. Es ist Minous Mutter, von der nur ein Schuh übrig bleibt. Auch ein Jahr nach ihrem Verschwinden glaubt ihre zwölfjährige Tochter, Erzählerin der verwobenen Geschichte, noch daran, dass sie lebt. Schreibt in ihr Tagebuch die Ereignisse des Eilands, damit ihre Mama, kehrt sie denn wie erwartet zurück, genau Bescheid weiß.
Es geht um die absolute Wahrheit und die verzehrende Suche danach (kein Wunder, die Autorin hat Philosophie studiert), um die Sehnsucht nach der großen Liebe, die herrlichen Schwingen der Phantasie, aber auch um Betrug und Verlust, Einsamkeit und Trost.
Minous Vater, Fischer und Philosoph, mit einem gewissen Faible für René Descartes, erklärt seiner sensiblen Tochter gerne, was Philosophen tun: Sie denken darüber nach, wie alles zusammenhängt.
Mette Jakobsen, geboren 1964 in Kopenhagen, heute in Sydney lebend, erzählt uns in einfachen, klaren Worten eine Geschichte, in die wir uns als Leser gerne immer mehr verstricken (lassen) und die wir erst aus der Hand legen mögen, wenn das Geheimnis endgültig gelüftet ist. Die Welt, die sich vor uns auftut, ist so fremd, dass wir sie erkunden möchten. Lassen wir uns also entführen!

Mette Jakobsen, „Minous Geschichte“, aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit, 224 Seiten, Bloomsbury Verlag, Berlin

Autor:

Bernhard W. Pleuser aus Essen-Kettwig

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