Tennis-Talent Hanna auf dem Weg nach oben

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Wenn sie Tennis-Star Maria Sharapova stöhnen hört, schaltet Hanna Landener nach kurzer Zeit den Fernseher aus: „Das Schreien ertrage ich nicht“, stellt die blonde 18-Jährige fest, die sich nach der Mittleren Reife entschieden hat, als Profi-Spielerin Karriere zu machen. Ihre Vorbilder kommen nicht aus Russland, sondern aus China und Australien, heißen Li Na und Samantha Stosur. Ihr angepeiltes Ziel: Spätestens 2015 an einem Grand-Slam-Turnier teilnehmen zu können.

Doch bis dahin ist es noch ein steiniger Weg für das junge Tennis-Talent des Wanne-Eickeler TC Parkhaus. „In diesem Jahr will ich erst mal locker bei Weltranglisten-Turnieren aufschlagen“, sagt sie lächelnd und wiegt den Schläger in ihrer Hand. „Um bei den Australian Open, US-Open oder in Wimbledon mitmischen zu können, muss ich unter die Top 200 der Weltrangliste kommen.“ Im Moment rangiert sie auf Platz 1158 – und die Konkurrenz schläft nicht: „Es gibt etwa 10.000 Spielerinnen, die das profimäßig versuchen.“
Am 27. Februar fliegt sie für zwei Wochen nach Ägypten, um in Sharm El Sheikh zwei 10.000-$-Turniere der WTA (Women’s Tennis Association) zu bestreiten. Der Siegerin winken maximal 1250 Dollar Preisgeld, „aber allein für Flug und Unterkunft werden einige tausend Euro fällig“.
In jedem Fall ein Verlustgeschäft, das man nur durchstehen kann mit einem Sponsor, der absolut an einen glaubt. „Das ist meine Patentante Elisabeth Laskewitz“, verrät Hanna Landener. „Auch meine Eltern stehen hinter mir, und mein Onkel Frank gehört zum Team. Er joggt regelmäßig mit mir.“
Mit dem Joggen ist es natürlich längst nicht getan: Die zielstrebige Hanna trainiert 25 bis 30 Stunden pro Woche mit Mariusz Zielinski und Dieter Davidsen. Für die Konditions-Übungen – Sprints, Ausdauer-und Konditions-Training – ist Saskia Menzel zuständig.
Ein bisschen Zeit fürs Privatleben bleibt, die sie vor allem ihren Freundinnen und ihrem Hund Toni, einem Labrador-Retriever, widmet. Um Kondition und Gesundheit zu erhalten, gilt allerdings: keine Zigaretten, kein Alkohol und keine Partys.
Die Ernährung ist abgestimmt auf eine Sportlerin: „Müsli, Nudeln (wegen der Kohlehydrate), Salat, Puten- oder Hähnchenfleisch, Wasser und ganz wenig Cola“, zählt sie die Elemente ihres Speisezettels auf. „Schnitzel gibt es eher selten.“
Im zarten Alter von fünf Jahren hat sie beim TC Parkhaus Tennis für sich entdeckt: „Ich wollte was anderes machen als mein fußballbegeisterter Bruder. Ich suchte den Kick bei diesem Einzelsport: Schnelle Aktion und Reaktion, gute Reflexe, kraftvolle Schläge.“
Mit sechs wechselte sie zum TC Blau-Weiß Wanne-Eickel und mit zwölf zum TC Mülheim-Dümpten, „weil da die Trainingsmöglichkeiten besser waren. Die haben sich intensiver um einen gekümmert und sich mit den Schwächen auseinandergesetzt“. Doch das blieb wohl nicht so: Seit Mitte 2012 schlägt Hanna wieder für den TC Parkhaus auf . „Ich bin hier wegen der beiden Trainer Mariusz und Dieter. Das Umfeld passt, wir gehen kollegial, eher freundschaftlich, miteinander um, und die Mädels verstehen sich super.“
Wenn man Hanna nach Titeln fragt, die für sie große Bedeutung haben, nennt sie: „Deutsche Vize-Meisterin, Europameisterin Team Deutschland (Doppel und Einzel) und das Erreichen der WM-Endrunde“ (jeweils in ihrer Altersklasse).
Sie zieht ihre Stirn in Falten und rechnet kurz nach: „Seit ich zwölf bin habe ich von 500 Spielen 400 gewonnen.“ Ein Jahr ist sie ausgefallen und fast verzweifelt: „ Ich hatte eine Zyste im Knie, die auf eine Sehne drückte, und musste zwei Mal operiert werden. Der Grund war ein Unfall, den ich als Kind erlitten hatte.“ Ein Jahr nicht spielen zu dürfen – der Horror für einen Profi.
Aber Hanna hat sich nicht beirren lassen: Sie steht bei den deutschen Tennis-Damen derzeit auf Rang 44, hat die Nummer 9 und die Nummer 12 Mitte vergangenen Jahres geschlagen und setzt lächelnd auf ihre Stärken: „Meine wohldosierten Schläge, das offensive, druckvolle Spiel, der platzierte Aufschlag. Meine Rückhand sticht besonders heraus – und ich spiele schneller als andere.“ Gibt es auch Schwächen? „Na ja, Beinarbeit und Taktik. Aber daran arbeite ich.“
Das hätte niemand bezweifelt, denn Einhand-Spielerin Hanna strahlt unerschütterliches Selbstbewusstsein und hohen Siegeswillen aus. Sie liebt ihren Sport über alles, ist eine starke Kämpfernatur, dabei sehr überzeugend, klar, offen und erfrischend locker drauf.
Und jetzt beenden wir das Gespräch – sie muss weiter hart trainieren, denn sie hat ihr Ziel, das Grand-Slam-Turnier, stets fest vor Augen.

Autor:

Bernhard W. Pleuser aus Essen-Kettwig

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