Stadtspiegel-Serie "Blick hinter die Kulissen" - Teil 5 in der Evangelischen Kirchengemeinde Herten
Viel Arbeit vor der Predigt

Pfarrerin Martina Heubach, Monika Burmeister aus dem Mitarbeiterkreis der Gemeinde und Küster Volker Gauss.
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  • Pfarrerin Martina Heubach, Monika Burmeister aus dem Mitarbeiterkreis der Gemeinde und Küster Volker Gauss.
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Bis auf das leise Blättern in den Gesangsbüchern herrscht in der St. Barbara Kirche andächtige Stille. Dann setzt die Orgel ein. "Jesus ist kommen ..." lautet die erste Zeile aus Lied Nummer 66. "Insofern es Ihnen möglich ist, bitte ich Sie jetzt zur Eingangsliturgie aufzustehen", beginnt Martina Heubach den Gottesdienst. Es ist ihr zweiter an diesem Sonntagvormittag.

Von Sara Drees

"Aufgestanden bin ich heute um 7.15 Uhr", überlegt die Pfarrerin. "Nach dem Frühstück habe ich meinen Text gelesen - erst im Stillen, dann noch einmal laut." So gibt sie ihrer Predigt den letzten Schliff. "Tatsächlich nehme ich viele Änderungen praktisch in letzter Minute vor."

In letzter Minute

Während die Gemeindemitglieder mit den Gedanken und Anregungen des Sonntagsgottesdienst in die neue Woche starten, beginnen für die Pfarrerin unmittelbar danach wieder die Vorbereitungen für die kommende Zusammenkunft. "Montags starte ich in der Regel mit der Schriftbetrachtung", erklärt Martina Heubach. Die übergeordneten Themen seien vorgegeben, häufig bestimmt durch das Kirchenjahr: Weihnachten, Drei Könige, Ostern oder die Konfirmation. "Dann sammle ich Ideen, setze die Schrift in einen größeren Zusammenhang, beschäftige mich mit den geschichtlichen Hintergründen und lasse auch persönliche Erlebnisse einfließen." Meist donnerstags oder freitags bringe sie dann den Einstieg und die ersten Zeilen für die Predigt zu Papier. Rund zehn Stunden, so schätzt sie, kosten sie die Vorbereitungen eines Sonntags im Ganzen.

Text kommt per Email

So kurz vor dem Wochenende ist auch die Zeit, wenn sich die anderen Mitarbeiter aus dem Kreis der Gemeinde beginnen, auf ihren "Auftritt" vorzubereiten. Monika Burmeister ist Rentnerin, hat sich wie die meisten ihrer Kollegen aber auch schon neben ihrem Vollzeitjob ehrenamtlich für die Gemeinde engagiert. Neben ihrem Einsatz für Kirchengruppen wie die Frauenhilfe oder der Vorbereitung von Geburtstagen steht das Team der leitenden Pfarrerin oder dem Pfarrer auch im Gottesdienst zur Seite. Im Wechsel, so dass wie an diesem Tag Monika Burmeister und Küster Volker Gauss jeder ein- bis zweimal pro Monat die Lesung übernehmen. Per Email bekommen sie den Text von der Pfarrerin oder dem Pfarrer zugeschickt, um ihn im Vorfeld noch einmal durchzugehen. "Das ist einer unserer festen Programmpunkte für den Gottesdienst", erklärt Kirchenmusikdirektorin und Kreiskantorin Elke Cernysev.
In der sogenannten Gottesdienstordnung ist der Ablauf genau festgehalten: Glockengeläut, Begrüßung und Ankündigungen wie die Einnahmen durch die Kollekten und bevorstehende Termine, dann Stille, Musik zum Eingang, es folgen Gebete, Lieder, die Lesung und Predigt und schließlich (an diesem Tag) das gemeinsame Abendmahl. "Natürlich gibt es bestimmte Abweichungen und Variationen", so starr wie es zunächst klinge, seien die Vorschriften nicht. Sie sollen den Organisatoren lediglich als Grundlage dienen und der Gemeinde eine gewisse Verlässlichkeit bieten. "Allein die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen machen jeden Gottesdienst dann aber doch einzigartig", verspricht Elke Cernysev, "das habe ich heute selbst wieder erlebt".
Ein ehrliches Kompliment an die Pfarrerin, die wie so häufig einen Doppelgottesdienst gehalten hat: zuerst in der Erlöserkirche und keine zwei Stunden später in St. Barbara. Zweimal durch die Kreiskantorin an der Orgel begleitet. Auch sie hat die Auswahl der Stücke zuvor per Email erhalten. "Ich mache das seit 30 Jahren und - trotz aller Erfahrungen und natürlich eines gewissen Grundrepertoires - muss auch ich jede Woche üben", so Elke Cernysev.

"Ich muss jede Woche üben"

Zum Beispiel, wenn sie gemeinsam mit dem Kirchen-, Bläser- oder Gospelchor musiziert. Dann muss sich das Team aber aus dem Gespräch verabschieden, denn es wird noch aufgeräumt. Auf- und abschließen, die Bücher bereit legen, Kerzen anzünden, Kaffee und Kuchen bereit stellen, den Klingelbeutel auszählen - auch das alles sind schließlich Dinge, die sich selbst in einer Kirche nicht von Glauben allein erledigen. 

In dieser Serie bereits veröffentlicht:

1. Copa Ca Backum: Was der Badegast nicht weiß

2. RevuePalast Ruhr: Hier dreht sich alles um die Show

3. Hausnotrufzentrale des DRK: Jeder Anruf ist wichtig

4.  Zu Gast auf dem Wertstoffhof 

Pfarrerin Martina Heubach, Monika Burmeister aus dem Mitarbeiterkreis der Gemeinde und Küster Volker Gauss.
Die Gemeinde St. Barbara ist eine kleine; die rund 15 Besucher hat Pfarrerin Martina Heubach deshalb auch einzeln persönlich begrüßt
Autor:

Thorsten Seiffert aus Herten

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