Herz schlägt für das Schwarze Gold: Bergbauexperte Joachim Huske feierte 80. Geburtstag

Erinnerungen an den Bergbau im Ruhrrevier füllen das Arbeitszimmer von Joachim Huske.
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Bereits die Vorfahren des in Berlin aufgewachsenen Ingenieur verdienten ihren Lebensunterhalt unter Tage und im Braunkohlenbergbau etwa in der Lausitz. Allerdings unter Arbeitsbedingungen, an deren Verbesserung Joachim Huske maßgeblich beteiligt war. Licht im Stollen, Wärme statt Minusgrade beim Vortrieb, Wandel und Fortschritte bei der Arbeitssicherheit erlebte der Akademiker mit.

Doch zunächst kam er 1951 nach dem Abitur als Neubergmann unter Tage auf die Zeche Emscher-Lippe. Dem angestrebten Studium der Bergbautechnik stand ein hoher Numerus Clausus im Wege. Da Österreich darauf verzichtete, zog es ihn zum Studium dorthin. „Das haben viele damals gemacht.“ Im Bergenland lernte er 1957 seine Ehefrau Melanie kennen. In der Vereinigung der Leoben kommen rund 150 Paare mit ähnlicher Vorgeschichte aus dem ganzen Ruhrgebiet noch heute zu gemeinsamen Unternehmungen zusammen. Als Dipl.-Ing. für Bergbautechnik stellte ihn 1958 die Mannesmann- Essener Steinkohle ein, die gut zehn Jahre später in der Ruhrkohle-AG (RAG) aufging. Die Mechanisierung unter Tage und Sicherheit bildeten sein Aufgabengebiet. Bei der RAG wechselte er zu Forschung und Entwicklung im Arbeitsschutz. Umstritten, aber technisch erforderlich war etwa der Einsatz radioaktiver Strahler im Messwesen. Noch zur Gründung der RAG waren die Stollen und Schächte kaum beleuchtet. „Lampen dienten nur als Signalgeber.“ Doch um angemessene Ausleuchtung musste gekämpft werden. Waren früher nur alle 21 Meter Leuchten installiert, wurden jetzt alle sechs Meter ausgeleuchtet. Elektrische Lampen mit Akkus waren mit 8-9 Kilo schwer. „An stationäre Beleuchtung hatte keiner gedacht.“ Die Kumpel waren Minusgraden ausgesetzt, der Lufteinzug in den Schächten war biterkalt. „Beheizte Kabinen waren Neuerungen damals.“ Gern erinnert er sich an die Zusammenarbeit mit den Chinesen, die stillgelegte Bergbau- und Hüttenweerke aufkauften, demontierten und in China wieder in Betrieb nahmen. Nach zwei Stunden Besichtigung im Schacht seien die Asiaten „kaputt“ gewesen. Doch über Tage kam die Verwandlung. Nach kurzer Ruhephase setzten sie sich zusammen und waren wieder fit. Von der RAG wechselte Joachim Huske schließlich zur Bergbau AG. Schon bevor er 1989 mit 57 Jahren in den Vorruhestand wechselte, hatten ihn bergbauhistorische Zeitzeugen fasziniert. Sein Chef engagierte sich im Muttenthal bei Witten. Als die Stadt bei der Förderung einen Rückzieher machte, gründeten sie 1982 den Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier, der seitdem bergbauliche Relikte erhält. Joachim Huske sagte: „Da mache ich mit.“ Als Vorsitzender des Arbeitskreis im Kreis Unna ist Joachim Huske bis heute und seit 30 Jahren für den Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier aktiv.

Ihren Wohnort hatte die Familie Huske bereits 1972 von Essen nach Dortmund verlegt, erwarb über die Bergmannswohnstätten ein Grundstück auf einem aufgelassenen Hof in Opherdicke. In Dortmund hörte er von Zechen, die ihm bis dato unbekannt waren. In Holzwickede war der Bergbauexperte von der Vielfalt bergbautechnischer Relikte fasziniert. „Tiefbergbau, Wasser, oberflächennaher Bergbau, hier ist alles vertreten.“ Er ging ins Bergbau-Archiv und durchstöberte alte Bücher nach den Zechen. Heraus kam 1987 ein Lexikon mit Beschreibungen von rund 3000 Stollen und Zechen im Ruhrrevier, in Fachkreisen „Bibel der Zechen“ genannt. Einen Überblick zum Ruhrbergbau „Der Steinkohlenbergbau im Ruhrrevier von seine Anfängen bis 2000 legte er Anfang 2000 vor. Den Fokus auf Holzwickede legt sein drittes Buch. Zwar hatten Heimatkundler Willy Timm und Pfarrer Geilenberg bereits über den hiesigen Bergbau geschrieben. Auffallend für Huske waren aber einige Mißverständnisse und Unwissenheit, mit denen er in der Dokumentation "Der ehemalige Bergbau im Raum Holzwickede" aufräumt.
Mit Stolz blickt Joachim Huske auf seinen wohl größten Erfolg, die Eröffnung des Caroline-Erbstollen im Juni 1995. Vier Jahre hatte der Arbeitskreis den Vorbau des Mundlochs hergerichtet. Bei der Übergabe durch die damalige Bürgermeisterin Margarethe Mader sollte traditionell der Bergmannschnaps gereicht werden. Ehefrau Melanie hatte den Klaren besorgt. Als die Schnäpse ausgeteilt wurden, tuschelten einige Frauen in Bergmannuniformen: „Der hat ja nur 32 Umdrehungen.“ Gewöhnlich hat der Bergmannschnaps über 40 Prozent.

Zeit für aufwendige Hobbys fand Joachim Huske nicht. Vom Skifahren in Österreich blieb Langlauf im Sauerland. Golf spielt er und freute sich zum Geburtstag auch mit seinen Kindern Barbara und Wolfgang sowie seinen fünf Enkeln.

Erinnerungen an den Bergbau im Ruhrrevier füllen das Arbeitszimmer von Joachim Huske.
Bergbauexperte und Buchautor Joachim Huske feierte seinen 80. Geburtstag

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