Das Ende einer Buchdruck-Ära

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28 Jahre lang führte der bekannte Neukirchen-Vluyner Fritz van Rechtern die Offsetdruckerei auf der Niederrheinallee. Zum Jahresende war Schluss mit der „Schwarzen Kunst“.

Gedankenverloren streicht Fritz van Rechtern über die nun leeren Setzkästen, in denen einmal zahlreiche Bleilettern lagen. Lettern – das täglich Brot von Buchdruckern. So wundert es auch nicht, dass van Rechtern mit Wehmut erzählt: „Ich hatte alles einer Firma aus Indien verkauft. Da dort andere Temperaturen herrschen als hier sollten die Lettern eingeschmolzen werden. An zwei Tagen kamen die Arbeiter und nahmen alles mit. Am dritten Tag, an dem auch bezahlt werden sollte, kamen sie dann nicht mehr.“ Das Geld, die eine Sache, um die der Buchdrucker traurig ist, die nun leeren Setzkästen, die Andere: „Bei dem Gedanken, das alle Bleilettern eingeschmolzen werden, blutete mein Buchdruckerherz“, so van Rechtern.

Das Unternehmen, das van Rechtern am 1. Januar 1989 übernommen hatte, hatte damals schon eine fast über 100-jährige Geschichte hinter sich: Gegründet wurde die Buchdruckerei 1895 von Heinrich Mandel junior. Damals noch auf der Lindenstraße in Neukirchen-Vluyn. In den weiteren Jahren führten verschiedene Inhaber das Unternehmen und van Rechtern weiß zu allen etwas zu erzählen: „Nach Heinrich Mandel übernahm Heinrich Schlayer die Druckerei“, so der Neukirchen-Vluyner, „das war ein echter Schweizer Degen.“ Schweizer Degen ist der Begriff für Menschen, die sowohl Schriftsetzer als auch Buchdrucker sind, erklärt van Rechtern. Seine zahlreichen Anekdoten und Witze sorgten über die Jahre dafür, dass die Offsetdruckerei nicht nur ein Unternehmen war, sondern viel mehr eine „Kommunikationszentrum“, wie van Rechtern berichtet: „Oftmals kamen Kunden auch einfach nur zum Quatschen vorbei. Da hat meine Frau dann ab und zu mal geschimpft, dass ich auch ans Geld verdienen denken muss“, so der Buchdrucker schmunzelnd. Aber gerade aus der Einstellung heraus, das van Rechterns Tür immer offen stand, habe er auch viele Kunden gewonnen: „Auch wenn jemand nur zehn Einladungskarten haben wollte, habe ich das gemacht“, so van Rechtern.

Erlebniswelt Buchdruckmuseum als neues Projekt

Ans Aufhören hat der 62-Jährige schon länger gedacht, bislang aber gehofft, einen Nachfolger für die Neukirchen-Vluyner Traditionsdruckerei zu finden: „Leider hat sich das zerschlagen“, so van Rechtern. Nachdem seine Frau im letzten Jahr schwer erkrankt ist, war für den Buchdrucker aber klar: Jetzt ist Schluss. Zumindest mit der aktiven Arbeit in seiner geliebten Offizin. Stattdessen wird sich van Rechtern nach seinem Umzug nach Soltau einem neuen Projekt widmen: „Wir wollen ein Buchdruckmuseum in der Lüneburger Heide eröffnen“, erzählt van Rechtern von seinen neuen Plänen. Zudem sei der begeisterte Texteschreiber, der auch stets als Bürgerreporter auf der Internetseite des Wochen-Magazins aktiv war, schon auf eine freie Tätigkeit als Journalist angesprochen worden. Langweilig wird es für den 62-Jährigen also auch in Soltau mit Sicherheit nicht werden.

Fotos: Heike Cervellera

Autor:

Sarah Dickel aus Moers

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