Mülheimer Kriminalist will politischen Handlungsdruck aufbauen

Heinz Sprenger mit seinem Buch "KinderLos" (Foto Thomas Emons)
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Der Dümptener Heinz Sprenger hat in seinem Berufsleben als Kriminalkommissar viel gesehen. Doch die brutale Gewalt, die Kinder in ihren Familien erdulden müssen, in denen sie eigentlich geschützt sein sollten, treibt den Pensionär auch im Ruhestand um. Deshalb hat er jetzt ein Buch geschrieben. Sein Titel "KinderLos".

"Ich will mit dem Buch, in dem ich meine Erfahrungen als Kriminalist verarbeitet habe, die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzeigen, wenn es um den Kinderschutz in Deutschland geht und damit den Druck auf die Politik erhöhen", sagt Sprenger. Dass 2017 in Deutschland 143 Kinder durch die Gewalt ihrer Eltern zu Tode gekommen sind, zeigt, wie aktuell Sprengers Buch ist, das für 26 Euro im Buchhandel und für 4,90 Euro als E-Book erhältlich ist.

Sprenger beschreibt die unterschiedliche Gewalt, die erziehungs-unfähige und erziehungs-unwillige Eltern, die er nur "Erzeuger" nennen will. An Heizkörper gefesselte, sexuell missbrauchte, massiv geschlagene, vernachlässigte und verwahrloste oder zu  Tode geschüttelte Kinder. All das musste der zweifache Vater Sprenger in seinem Berufsleben sehen und kriminalistisch untersuchen. Auch seinen heute aktiven Kollegen bleibt diese seelische Belastung nicht erspart.

Konkrete Forderungen

Der Kriminalkommissar a.D. formuliert vor seinem Erfahrungshintergrund konkrete Forderungen an die Politik: "Die Qualität des Kinderschutzes darf nicht von der Kassenlage einer Kommune abhängig sein", fordert Sprenger. Er verlangt verbindliche Obergrenzen bei den Fallzahlen, die die Kinderschützer bei den Jugendämtern bearbeiten dürfen, die Einführung einer Fortbildungspflicht für Familienrichter, die darüber entscheiden, ob das Kindeswohl oder sogar Leib und Leben in einer Familie gefährdet sind. Kinderärzte müssen sich in seinen Augen von ihrer Schweigepflicht lösen können, wenn sie es mit einem Verdachts-Fall von elterlicher Gewalt zu tun haben. Denn nur durch den Informationsaustausch mit den kinderärztlichen Kollegen sieht Sprenger die Chance, "das Ärzte-Hopping" zu unterbinden, das gewalttätige Eltern immer wieder betreiben, um ihre Taten zu verschleiern.

Auch eine Beibehaltung der anonymen Babyklappe, eine elektronische Fallakte, auf die alle Kinderschützer der Jugendämter Zugriff haben, die Wiedereinführung der Datenvorratsspeicherung  und ein unabhängiger Kinderschutzbeauftragter, der die Rechte von Kindern wahrnehmen kann, würden von elterlicher und familiärer Gewalt bedrohten Kindern helfen und potenzielle Täter abschrecken. Frankreich, das Eltern, die sich den Vorsorgeuntersuchungen ihrer Kleinkinder entziehen, das Kindergeld entzieht, empfiehlt Sprenger Deutschland als Vorbild. Außerdem plädiert er "für eine Kultur des Hinsehens", die lieber einmal zuviel als einmal zu wenig Verdachtsfälle elterlicher Gewalt den Jugendämtern oder der Polizei meldet, damit eingeschritten werden kann, ehe es für das betroffene Kind zu spät ist. Mehr Zum Thema unter www.riskid.de Thomas Emons

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