Ratinger Politiker bewilligen 400.000 Euro
Die Westbahn-Planung kommt ins Rollen

Die Städte Duisburg, Ratingen und Düsseldorf möchten das Westbahn-Projekt gemeinsam mit dem Kreis Mettmann und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in Eigenregie vorantreiben. Der Ratinger Hauptausschuss hat die für Ratingen nötigen Finanzmittel dafür bewilligt.
  • Die Städte Duisburg, Ratingen und Düsseldorf möchten das Westbahn-Projekt gemeinsam mit dem Kreis Mettmann und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in Eigenregie vorantreiben. Der Ratinger Hauptausschuss hat die für Ratingen nötigen Finanzmittel dafür bewilligt.
  • Foto: InWest - Standortinitiative Ratingen Tiefenbroich/West e.V.
  • hochgeladen von Thomas Zimmermann

"Nächster Halt: Ratingen-West!" Ob Zugreisende, die von Duisburg nach Düsseldorf fahren, diese Durchsage am Bahnhof Lintorf jemals hören werden? Denn: Dafür müssten beide Bahnhöfe überhaupt erst gebaut werden. Und mehr noch: Auch die Schienenstrecke, auf der bislang nur Güter, aber keine Personen rollen, bräuchte ein aufwendiges Update: "Reaktivierung der Ratinger Weststrecke für den Personenverkehr" heißt das im Verwaltungsdeutsch. Eben diese Reaktivierung ist dank eines Beschlusses des Ratinger Haupt- und Finanzausschusses nun ein Stück näher gerückt. Westbahn-Verfechter bekommen deswegen leuchtende Augen, der Ratinger Planungsdezernent ist begeistert. Nur: Wieso?

"Mit diesem Beschluss findet ein entscheidender Wechsel statt", erklärte Dezernent Jochen Kral auf Nachfrage des Ratinger Wochenblattes. Bislang, so Kral, sei es darum gegangen, ob eine Reaktivierung der Westbahn überhaupt sinnvoll ist. Seit der positiven Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse seit einem Jahr vorliegen, steht das aber außer Zweifel. Und zwar in allen Punkten: Der Ausbau ist machbar, finanzierbar und sinnvoll - so das Fazit der Untersuchung.

"Eine städtebauliche Revolution"

Was sprach also dagegen, das Projekt ins Rollen zu bringen? Vereinfacht gesagt: Die Auslastung der Deutschen Bundesbahn. Denn eigentlich müsste das Staatsunternehmen in die Planung einsteigen. Dafür hat es aber frühestens nach der Realisierung des Rhein-Ruhr-Express (RRX) und dem Ausbau der Strecke Oberhausen-Arnheim Kapazitäten. Sprich: Etwa 2030.

Solange wollen die Anliegerstädte Duisburg, Ratingen und Düsseldorf aber nicht warten. Zuviel versprechen sie sich von dem Streckenausbau. Für einige Flächen in Ratingen, insbesondere in Ratingen-West und in Lintorf, erwartet Jochen Kral nichts weniger als "eine städtebauliche Revolution": "Aus profanem Gewerbegebiet werden dann Grundstücks-Diamanten", sagt er.

Größtes Neubau-Projekt NRWs

Warum, liegt auf der Hand: Wer entlang der neuen Bahnstrecke wohnt, kann die nahe gelegenen Großstädte in wenigen Minuten komfortabel und umweltfreundlich erreichen. Umgekehrt wären Ratinger Gewerbegebiete von Duisburg und Düsseldorf erheblich besser erreichbar. Und in Duisburg wird mit dem Projekt „Sechs-Seen-Wedau“ schon das größte Neubau-Projekt Nordrhein-Westfalens geplant.

Kurz: Die Vorteile auf allen Seiten wären so groß, dass die Städte sich mit dem Kreis Mettmann und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung zusammengerauft haben: Um keine Zeit zu verlieren, wollen sie die ersten Planungsphasen selbst übernehmen. Darauf haben sich die Experten in einem mehrmonatigen Workshop-Prozess geeinigt.

"Erste Bausteine für Reaktivierung"

Wenn alle beteiligten Gebietskörperschaften die nötigen Beschlüsse gefasst haben, wird die Stadt Ratingen zehn Prozent der Kosten übernehmen, das sind knapp 400 000 Euro. Diese Mittel haben die Politiker im Hauptausschuss einstimmig frei gegeben.

"Gemessen daran, was wir für Fahrbahnsanierungen oder neue Kitas ausgeben, ist das eine vergleichsweise überschaubare Summe", betont Jochen Kral, der die neue Qualität der Planung so erklärt: "Alles, was unsere Ingenieure ab jetzt in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn erarbeiten, sind ganz konkrete Grundlagen und erste Bausteine für die Reaktivierung der Strecke."

Eine mutige Vorgehensweise

Über symbolische Aktionen geht der Beschluss des Hauptausschusses also deutlich hinaus. "Das ist ein echter Schritt nach vorne für die Westbahn", betont deshalb Stadtsprecher Egon Schuster, der auch auf den "Modellcharakter" der Vorgehensweise hinweist. Schließlich handeln die beteiligten Partner - anders als üblich - in Eigenregie. Das ist mutig, denn noch gibt es keine Garantie für den Bau der Strecke.

Vorläufig müssen sich die Beteiligten deshalb mit guten Omen begnügen. So bezeichnet es Jochen Kral als "super Zeichen", dass der VRR die Städte bei ihrem Vorgehen organisatorisch unterstützt. Sogar die Übernahme von Kosten hat der Verkehrsverbund signalisiert. Zusätzlich sollen Zuschüsse des Landes beantragt werden.

Langer Atem ist nötig

Trotz des aktuellen Fortschritts werden die Westbahn-Verfechter einen langen Atem brauchen. Stand heute ist ein Ausbau der Strecke vor Ende dieses Jahrzehnts nicht möglich. Denn bis dahin wird die Deutsche Bahn die Verbindung als Umleitung benötigen, weil die Hauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg über Flughafen für den Betrieb des RRX erweitert werden muss.

Auf die eingangs zitierte Durchsage werden wir also noch ein gutes Weilchen warten müssen.

Autor:

Thomas Zimmermann aus Ratingen

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