Klimakrise
Der löschende Bürgermeister (CDU)

Wie wichtig es ist, gerade vor Ort in unserer Lebenswirklichkeit, über den Klimawandel zu reden, zeigen die aktuellen Ereignisse der Überschwemmungen. Ortsteile werden einfach weggespült. Häuser, die 400/500 Jahre überdauert haben, verschwinden plötzlich an einem Tag im 21. Jahrhundert. Also wagte ich mich, diesbezüglich in Kontakt mit Herrn Wewers, dem Bürgermeister von Oer-Erkenschwick zu treten.

Wir befinden uns auf seiner privaten Facebookseite. Den Beitrag, den er geteilt hat, hielt er öffentlich. Geteilt wurde folgender Beitrag von seiner „Bürgermeister Carsten Wewers“-Seite: 

„Zur Unterstützung sind Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr in den frühen Morgenstunden aus dem Kreis Recklinghausen nach Wuppertal ausgerückt. Von den insgesamt 150 Kräften kommen 13 aus Oer-Erkenschwick. Alle 3 Löschzüge sind beteiligt. Danke für den überörtlichen Einsatz. Kommt alle gesund zurück!“

So weit, so gut. Hilfe ist akut notwendig und gut, dass man sich untereinander unterstützt. Gerade in der Corona Zeit wurde Solidarität an manchen Stellen schwer vermisst. Aber Hilfsbereitschaft scheint ja noch da zu sein. Darauf kann man aufbauen.

Es scheint so, dass Herr Wewers das Bündnis ´90/ Die Grünen nicht so mag. Man trug es mir so zu. Manchmal liest man aber auch diesbezüglich was auf seiner Facebookseite. Wobei auch hier so manch geteilte Fakenews wohl gelöscht wurde. Man findet sie nicht mehr. Erkenntnis und sich korrigieren ist schon mal ein Weg in die richtige Richtung.

Also kommentierte ich seinen o. g. Beitrag:

„Blöd, wenn die Grünen mit ihrer Klimapolitik doch irgendwo recht behalten.“

Was dann geschah, ist recht kurios.

Herr Wewers antwortete als öffentliche Person mit „Bürgermeister Carsten Wewers“. Er antwortete also nicht als Privatperson. Und der Inhalt seines Kommentares war einer öffentlichen Person nicht würdig. Es beschämte mich, dass der Vertreter einer Stadt sich so unflätig äußerte. Aber er schien dies zu merken oder wurde darauf von jemandem aufmerksam gemacht, und löschte diesen Beitrag wieder. So weit so gut. Das ist sein gutes Recht. Aber ich habe es gelesen und es ist halt zu erkennen, dass eine öffentliche Person die Meinung der Privatperson mitschleppt. Da würde ich mir doch mehr Professionalität wünschen.

Dennoch erlaubte ich mir, Herrn Wewers zu fragen, welche Klimapolitik die CDU denn macht. Ich wüsste das, ob er das auch wüsste? Diese Frage blieb leider unbeantwortet. Aber es wurden Links zu den Grünen gepostet, die sich mit dem Thema der Vielfliegerei und das Fahren von SUVs befassten. Auch das ist völlig in Ordnung. Herr Wewers kommentierte wieder mit seinem öffentlichen „Bürgermeister Carsten Wewers“-Profil. Ja, lasst uns darüber diskutieren. Prima.

Nun ist es jedoch so, dass in Oer-Erkenschwick die Idee kursiert, es solle ein Gewächshaus gebaut werden. Recht innenstadtnah will die FAKT AG aus Essen eine Fläche in der Größe von etwa 36 Fußballfeldern durch das Gewächshaus versiegeln. Manch einer glaubt, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Dahinter stehen jedoch Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich und würden wahrscheinlich nicht mal für das Zahlen einer Mietwohnung reichen. Denn die Mieten steigen in Oer-Erkenschwick zusehends. Aber das ist erst mal ein anders Thema. 

Zu diesem Thema hat sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen „BI Ewald Fortsetzung“ gegründet.  Nach dem Starkregen der letzten Tage kam hier die Frage auf:

„Wenn wir jetzt künftig mal nicht so Glück haben hier in OE und auch bei uns kommen 150 l/qm Regen runter, wo gehen dann eigentlich die gesammelten und gebündelten 15 MILLIONEN LITER Regenwasser vom Dach des geplanten Gewächshauses hin?“

Diese Frage hatte ich auch, als ich nach draußen auf die Wand von Wasser schaute. Also frage ich Herrn Wewers zu dem bereits genannten Beitrag mit den entsendeten Löschfahrzeugen:

"Und was macht die CDU für eine Klimapolitik? Was haben Sie sich überlegt, wohin das ganze Wasser abfließen soll, wenn das FAKT-AG-Gewächshaus steht? Auch wenn scheinbar noch kein Bauantrag gestellt wurde, macht es dennoch Sinn, sich mit diesem Thema zu befassen."

In der Stimberg Zeitung war zu lesen:

„Die Stadt ist erst dann im Boot, wenn ein Bauantrag gestellt wird“, erläutert Bürgermeister Carsten Wewers. „Ein solcher Antrag liegt uns allerdings noch nicht vor.“

Es kam keine Antwort mehr von Herrn Wewers. Es ist nicht so, dass dies nicht erwartbar war. Es wäre aber seine Chance gewesen zu zeigen, dass er sich mit diesem Thema beschäftigt. Denn auch wenn Oer-Erkenschwick diesmal davonkam, wer will ausschließen, dass nach Versiegelung der Fläche, die Oer-Erkenschwicker Innenstadt nicht auch im Chaos versinkt. Wo soll das ganze Wasser hin?

Natürlich kamen FB-Freunde von Herrn Wewers um die Ecke, die sich nicht freundlich verhielten. Auch das war erwartbar. Die Filterblase wurde sichtbar. Wenn man sich nur mit Menschen umgibt, die sich so äußern, wie die, die mir den Mund verbieten wollten, dann kann man sich auch leider nicht inhaltlich weiterentwickeln. Dabei wäre mehr Wissen über Klimapolitik bei der CDU sehr wohl angebracht.

Es mag ja einen Grund haben, wieso Herr Wewers nicht auf akute Fragen eine Antwort zu haben scheint. Ist es dann nicht eher recht auffrischend, wenn sich jemand meldet, der diskussionsbereit ist, Lösungsansätze liefern könnte, Quellen und Links anbieten könnte, um sich in diesem Thema dem Wissen zuzuwenden? Aber Facebook Freunde, die versuchen unliebsame Diskutanten wegzubeißen, schützen.

Letztendlich hat Herr Wewers diese Diskussion auf seiner privaten Seite gelöscht. Was ist nun mit seinen Aussagen als öffentliche Person, die er als Bürgermeister tätigte? Alles gelöscht, weg.

Da bleibt man doch staunend vor dem Rechner sitzen und wundert sich, wie sich ein öffentlicher Amtsträger einer Stadt verhält. Die CDU scheint zum Thema Klimawandel keinen Beitrag liefern zu wollen. Eine Diskussion über aktuelle kommunale Ereignisse scheint nicht gewünscht, ist aber megawichtig für die Sicherheit dieser Stadt. Die Löschung als Solche muss man akzeptieren und ich gehe auch nicht auf die direkten Inhalte ein. Aber diese Situation zu beschreiben, halte ich dennoch für wichtig, wenn künftig Gespräche und Lösungen für die Stadt notwendig werden. Wie sollen wir da miteinander umgehen?

Was sagt das über einen Bürgermeister aus? Wieso löscht er seine eigenen Kommentare, die er dann wieder postet? Wieso löscht er dann darauf die ganze Diskussion? Eine Diskussion, die wichtig ist und geführt werden muss. Das ist Lichtschalterpolitik: An/aus/an/aus…..

Es sind nicht alleine die Inhalte, die einen Menschen zeigen. Es ist das Verhalten. Und das ist leider sehr schwach und zeigt nicht, dass Herr Wewers dem Thema gewachsen scheint. Man kann ihm für die Zukunft nur wünschen, dass Oer-Erkenschwick durch Auswirkungen des Klimawandels verschont bleibt. Und uns auch.

Autor:

Sandra Stoffers aus Recklinghausen

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