Mit dem Rhein verbunden

Günter Hurkens mit seinem Proviantboot in Rees auf dem Rhein
(Repro: Dirk Kleinwegen)
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Zum 90. Geburtstag Erinnerung an den letzten Provianter in Rees

Vor wenigen Tagen feierte Maria Bochanski, geborene Hurkens, im Rheincafe Rösen ihren 90. Geburtstag. Bei Kaffee und Kuchen hatte die Jubilarin und ihre Gäste den Rhein sehr gut im Blick. Der Rheinstrom hatte für die Familie schon immer eine ganz besondere Bedeutung. Ihr Vater beispielsweise war der letzte, der die Binnenschiffe in Rees in einem Proviantboot mit Lebensmitteln versorgte.

Bis 1936 versorgte Gerhard Hurkens die Schiffe, die auf dem Rhein an Rees vorbeifuhren, mit Milch, Gemüse, Wurst und mit weiterem Proviant. „Mein Vater ist mit dem Fahrrad zu den Bauern gefahren und hat dort Milch und Gemüse abgeholt“, erinnerte sich Maria Bochanski, „all das hat er vorne auf das Fahrrad und hinten auf einen Anhänger geladen - so voll beladen wäre das heute sicherlich verboten.“ Wurstwaren holte er vom Metzger. Zuhause wurden die Sachen umgepackt, die großen Milchkannen in kleinere Behälter umgeschüttet und dann alles auf das Boot geladen.

Das kleine Boot hatte anfangs nicht mal einen Motor. Mit Muskelkraft ruderte Hurkens, den allen den „grünen Buur“ nannten, an die fahrenden Schiffe heran. Er konnte nur Schiffe beliefern die stromaufwärts fuhren. Schiffe stromabwärts waren zum gefahrlosen Anlegen zu schnell. Ein Seil kam vom großen Schiff, ein Seil warf er zum Schiff hinüber und wurde dann mitgezogen. Besonders die frische Milch, die er mitführte, war bei den Schiffbesatzungen sehr beliebt. Zu dieser Zeit fuhren die kompletten Familien, mit vielen Kleinkinder, auf den Schiffen mit.

Mit den Einnahmen aus den Verkäufen musste die Familie mit sechs Kindern durchgebracht werden. Blieb etwas über, wurde das gespart und reichte später für ein motorbetriebenes Boot.

Bei Hochwasser erweiterte sich das Betätigungsfeld von Gerhard Hurkens, dann wurden auch die vom Wasser eingeschlossenen Bauernhöfe angefahren. Diese wurden mit Lebensmitteln versorgt und auf dem Rückweg wurde die Milch mitgenommen.

1936 erhielt er dann von Constantin Raadts ein Jobangebot als Fährmann. Raadts hatte von der Stadt Rees die Fähre gepachtet. Bis zur Eröffnung der Rheinbrücke 1967 fuhr Gerhard Hurkens Menschen, Fahrzeuge und Tiere von der einen Rheinseite zur anderen.

Die Kinder, Jubilarin Maria Bochanski und ihr Bruder Walter Hurkens sind oft auf der Fähre mitgefahren, haben sogar zwischendurch geholfen und beispielsweise Geld kassiert. Als ihr Vater noch mit dem Proviantboot unterwegs war, waren sie zu klein um mitzufahren. „Das war auch zu gefährlich“, erzählt Walter Hurkens, „wenn das mit dem Anseilen danebengegangen wäre, hätte nur noch ein Sprung in die Fluten helfen können. Dann wäre das Boot weg gewesen, samt Proviant.“

Viele dieser Familiengeschichten wurden auf der Geburtstagsfeier von Maria Bochanski ausgetauscht. Gerade ihr Bruder Walter erzählt gerne Anekdoten von früher. Beispielsweise als er sich mit einem Winkelhaken die neue Hose zerrissen hatte und das seinen Eltern nicht beichten wollte. Seine ältere Schwester konnte gut nähen und musste die Hose schnell wieder flicken. Abends als er die Hose ausziehen sollte, stellte sich heraus, dass versehentlich die Unterhose mit festgenäht wurde. Somit kam die ganze Geschichte doch heraus. Oder als auf der gegenüberliegenden Rheinseite, beim früheren Lokal Sandhövel, ein großer Mercedes vom Fährkopf geradewegs in den Rhein hineinfuhr und in den Fluten versank.

Walter Hurkens ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten und war auch als Binnenschiffer auf dem Rhein unterwegs. Schwester Maria zog es unter anderem nach Burscheid, wo sie bei einem großen Autozulieferer in der Kantine als Köchin arbeitete. 2000 zog es sie dann zurück nach Rees, wo sie erst im alten Amtsgericht wohnte, bis sie dann vor vier Jahren ins Agnesheim zog.

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