Immer mehr junge Frauen werden obdachlos

Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums, und ihre Mitarbeiterinnen Ingrid Scheibe, Nicole Höing und Christina Schulz (v.l.) wünschen sich mehr Unterbringungsmöglichkeiten für obdachlose Frauen.
  • Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums, und ihre Mitarbeiterinnen Ingrid Scheibe, Nicole Höing und Christina Schulz (v.l.) wünschen sich mehr Unterbringungsmöglichkeiten für obdachlose Frauen.
  • hochgeladen von Jörg Stengl

Unna. Sie kommen ohne alles, haben kein Geld zum Leben, sind verschuldet und haben Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Mehr als die Hälfte dieser Frauen sind zwischen 18 und 27 Jahre alt und suchen in der Übernachtungsstelle des Frauenforums ein Dach über dem Kopf.
„Immer öfter haben wir keine Möglichkeit, diese Frauen bei uns aufzunehmen. Die Zahl der Anfragen nimmt zu“, beklagt die Geschäftsführerin des Frauenforums Kreis Unna, Birgit Unger, die Situation.
Im ersten Halbjahr 2012 konnten 15 Frauen wegen Überbelegung keinen Platz in der Übernachtungsstelle finden. Hier stehen sieben Plätze zur Verfügung. „Die Situation setzt uns unter Druck, und wir müssen darüber nachdenken, ob wir nicht eine reine Frauen­übernachtungsstelle ohne Tagesaufenthalt anbieten müssen.“
„Immer mehr Frauen sind verschuldet, haben Schufa-Einträge, halten psychisch die Situation kaum aus, sind oder werden körperlich oder psychisch krank“, berichtet Sozial­arbeiterin Christina Schulz aus ihren Erfahrungen. „Mittlerweile bleibt jede dritte Frau zwischen drei und sechs Monaten in der Übernachtungsstelle, manche noch länger, um in unserem Hilfesystem längerfristig Unterstützung für eine stabile Perspektive in einer neuen, eigenen Mietwohnung finden zu können.“
„Wir versuchen den Frauen einen langfristig sicheren Weg aus der Obdachlosigkeit zu ermöglichen“, erklärt Ingrid Scheibe, Leiterin der Wohnungslosenhilfe im Frauenforum. „Aber es wird immer schwerer für die Frauen, die meist alleinlebend sind, den in Größe und Preis angemessenen und zumutbaren Wohnraum zu finden. Der Markt bietet kleine Wohnungen nicht mehr in ausreichender Zahl an. Für die Hilfe­leistung des Ambulant Betreuten Wohnens z.B. erwartet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als ­Kostenträger jedoch berechtigt eine vorhandene Mietwohnung. Auch so werden Aufenthalte in der Übernachtungsstelle länger, und der Beginn der darauf folgenden Hilfe muss aufgeschoben werden.“

Hintergrund
Das Angebot der Hilfe für wohnungslose Frauen besteht aus drei Teilen. Neben der Übernachtungsstelle gibt es seit zehn Jahren das teilstationäre Angebot der Frauenräume sowie seit Anfang 2010 das Ambulant Betreute Wohnen. Beide Angebote kümmern sich bis zu max. zwei Jahren um die Minderung bzw. Beseitigung der besonderen sozialen Schwierigkeiten der Frauen, begleiten zu Behörden, sichern die finanziellen Grundlagen, bereiten Schuldnerberatungen vor, versuchen in das soziale Umfeld und evtl. noch vorhandene familiäre Zusammenhänge zu integrieren und begleiten mögliche Wege in Ausbildung und Beruf.

Autor:

Jörg Stengl aus Unna

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