Scheitern an Ortskunde - Taxi-Fahrer verzweifelt gesucht
Arbeitskreis sucht Lösungen - Qualifiziertes Training erleichtert Einstieg

Große Probleme neue Taxifahrer zu finden hat auch Rüdiger Steinweg, der seit 15 Jahren in der Personenbeförderung tätig ist.
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Kontakt mit Menschen, unterwegs in der Umgebung und nicht sehr körperlich anstrengend ist der Beruf des Taxifahrers. Einst gefragter Job leidet die Branche der privat-gewerblichen Personenbeförderung unter dem leer gefegten Arbeitsmarkt. In einer Gesprächsrunde erörterten hiesige Fuhrunternehmer mit Vertretern des Verbandes und dem FB Straßenverkehr jetzt Lösungsmöglichkeiten. Der Erwerb der Lizenz könnte künftig vereinfacht werden.

„Zum Schloss Schwansbell musste ich nie jemanden fahren“, ruft eine Taxiunternehmerin in die Runde. Und kommt direkt zum Beginn der Diskussion, an der über 30 von insgesamt 69 Personenbeförderungsunternehmen teilnahmen, auf den wohl wichtigsten Punkt. Erforderlich zum Erwerb der Taxilizenz ist die amtlich abgenommene Ortskundeprüfung. In rund 20 Fragen werden exakte Wegbeschreibungen innerhalb des Kreis Unna erfragt. Die Fragen werden auch nach Bildern gestellt, „Schwansbell“ hat da nicht jeder vor Augen. „Viele Kandidaten fliegen genau an dem Punkt aus der Prüfung“, erklärt Rüdiger Steinweg. Er kutschiert seit 15 Jahren Fahrgäste und beklagt massiv die Personalsituation. Seine Ehefrau Nicole übernahm das Fuhrunternehmen Arnold, konnte sich anfangs um Zentrale und Administration kümmern. „Manches bleibt jetzt liegen, weil sie auch fahren muss“, erklärt er. Fünf Fahrer sind für den Betrieb unterwegs, alle in Festanstellung. „Das ist im Kreis Unna weitgehend üblich bei den Unternehmen.“ Der Lohn entspricht meist einer Teilzeitstelle, viele müssen hinzuverdienen. „Das Trinkgeld erhöht den Lohn aber nicht unwesentlich“, räumt Nicole Steinberg ein. Trotzdem herrsche Mangel. Sofort würde sie neue Fahrer einstellen.
Teils liege es an den Kosten für die Lizenz. Wer den Personenbeförderungsschein hat unterzieht sich einem Sehtest und legt die Ortskundeprüfung ab. Darauf sind offenkundig, so Bilanz der Diskussion, viele Kandidaten schlecht vorbereitet. Das könnte ein neues Angebot eines Bildungsträgers jetzt ändern. „Wir wollen durch gezielte Vorbereitung den Kandidaten eine bessere Chance zum Erwerb des Scheins geben“, erklärt Peter Steckel, Chef des Logistik-AusbildungsZentrum NRW in Holzwickede. Der Taxisektor sei ein wichtiger Faktor des städtischen Mobilitätskonzeptes. Das örtliche Wissen im Straßenverkehr, Wege und Tourenplanung könnten Interessenten dann in rund 50 Unterrichtstunden á 45 Minuten erwerben. Das Taxifahrer-Training umfasst zudem Module zu Sicherheit, Ergonomie, Dienstleistungsorientierung bis hin zum Konfliktmanagement und Umweltfreundlichkeit. Bei der Vorstellung des Ausbildungsprogramms erhielt das Logistik-AusbildungsZentrum viel Zustimmung.
Qualität
Die Forderung nach Aktualisierung der Ortskundeprüfung fand auch bei  Christoph Funke, Leiter Gewerblicher Kraftverkehr Kreis Unna,  ein offenes Ohr. „Über die Feinjustierung können wir reden.“ Trotz Navigation und schneller Routenplanung per Handy wolle man aber nicht von dieser Prüfungsform lassen. „Das ist eine Frage der Qualität“, appellierte Jörg Beer, Geschäftsführer Verband privat-gewerblicher Personenbeförderer. „Private Konkurrenzunternehmen kassieren sonst das Taxigewerbe, das geht über enorme Geldmittel ganz schnell.“ Wie das Beispiel Hamburg zeige. Nur ein Fuhrangebot auf qualitativ hohem Niveau sei überlebensfähig. Ein Navi könne das nicht ersetzen.
Arbeitskreis
Zum Abschluss der Diskussion wurde ein Arbeitskreis gegründet, in dem Vertreter der Fuhrunternehmen, aus Verwaltung und Verband gemeinsam mit dem Bildungsträger die Planungen für ein Trainingsprogramm entwickeln. „Dabei geht es um Inhalte und Anerkennung als förderungsfähiger Lehrgang“, so Peter Steckel. Das Training könnte nach einer Zertifizierung und Genehmigung durch die Arbeitsagentur gefördert werden. Kosten in Höhe von rund 350 Euro, die bislang die Teilnehmer aufbringen müssen, könnten dann von der Arbeitsagentur übernommen werden. „Denn viele können diese 350 Euro nicht aufbringen“, weiß Rüdiger Steinberg aus Erfahrung.
Tipp: Wer sich für den Beruf des Taxifahrers interessiert nimmt Kontakt auf mit dem LAZ 02301-914727 oder Nicole Steinberg  02301-8555.

Autor:

Stefan Reimet aus Holzwickede

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