Mal was ganz Anderes: Wie ein Film über eine Band, die ich nicht sonderlich mag, trotzdem auf mich wirkte.
Depeche Mode - "Spirits in the Forest": Sechs Menschen und der heilende Einfluss von Popmusik

Damit eins vorab klar ist: Ich mag Depeche Mode nicht besonders. Diese Band wird meiner Ansicht nach maßlos überschätzt und ihre Songs langweilen mich, je öfter ich sie höre. Trotzdem ist das regelmäßig der Fall, da meine Volleyballgruppe anderer Meinung ist als ich und wir beim Spielen immer Musik laufen lassen.

Und dann ist da ja noch mein Herzblatt. Sie schwört seit Jahrzehnten auf Depeche Mode und sprang förmlich im Dreieck, als vor einigen Wochen der Film "Spirits in the Forest" angekündigt wurde. Ob ich denn wohl mit ins Kino gehen wolle, fragte sie mich trotz meiner Ressentiments. In der Hoffnung auf zwei ruhige Stündchen mit Option auf ein gemütliches Nickerchen sagte ich zu.

Das Kinodrom in Bocholt war das Kino unserer Wahl. Als Landei im Raum Hamminkeln geht man mangels Alternativen halt dort hin. Das stolze Eintrittsgeld von 15 Euro pro Kopf wirkte sich nicht eben günstig auf meine ohnehin starken Bedenken aus. Meine Nachfrage, ob das der Preis für vier (oder gar sechs) statt der von mir benötigten zwei Plätze sei, konterte der Mann hinter der Glasscheibe schulterzuckend mit dem Satz: "Das ist ein besonderer Film!" Sein geringes Alter von etwa 25 Jahren machte es mir leicht, diese Aussage als vollkommen haltlos einzustufen. Wie soll so ein musikalisches Greenhorn sowas beurteilen können, werte ich innerlich seine Info - zugegeben etwas hochnäsig.

Tja, und was soll ich sagen - der Typ hatte tatsächlich Recht! Schon im Laufe der ersten zehn Minuten wird klar: dies ist keine schnöde Hommage! Es kommt dem Regisseur weiten Teils auf ganz andere Dinge an, als auf die filmische Darstellung einer Band. Erzählt werden vor allem die Geschichten von sechs Menschen mit besonders Schicksalen: eine junge Mongolin, die im asiatischen Outback zum Depeche Mode-Fan wird. Ein junger Brasilianer, der in Berlin einer neue Heimat fand und die Texte der Band bewundert. Eine Amerikanerin, die durch die Musik der Briten die Kraft zum Kampf gegen den Krebs schöpfte.
Ein Vater aus Argentinien, der seine beiden Kinder nach der Trennung von seiner Frau nur selten sieht und die Zusammentreffen umso mehr genießt (und coole DMK-Videos dreht). Ein Rumäne, der im verbotsträchtigen Ostblock Wege findet, um in den Besitz von Depeche Mode-Alben zu gelangen. Und eine Französin, die durch einen Kollaps ihr Gedächtnis verlor und mit 25 Jahren ein komplett neues Leben beginnen musste.

Diese sechs Menschen führt der Film im Stil einer 37 Grad-Reportage (ZDF) zusammen: Sie erleben das Konzert von Depeche Mode im Juli 2018 auf der Berliner Waldbühne mit - die "andere Seite" des Films. Und nach rund 90 stimmungsvollen Minuten (unterm Strich recht kurz für 15 Euro!) ergibt sich für mich ein neues Bild dieser Band:
Dave Gahan, Martin Gore, Andy Fletcher (und die beiden Begleitmusiker) sind ganz bestimmt nicht die genialen Performer, als die sie zumeist dargestellt werden. Aber sie treffen mit ihren Songs den Geist und die Gefühle von Millionen und präsentieren sich live auf der Bühne um Längen besser als auf Tonträger. 

"Spirits in the Forest" - ein sehenswerter Film.
Zahlt das Geld und schaut ihn Euch an!
- - - - - - - - 
Ein Trailer zum Film!

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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