Propst Manthey: "Zölibat darf nicht an Wertschätzung verlieren"

Propst Alfred Manthey stand Rede und Antwort. | Foto: Kreitz
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Die katholische Kirche kennt derzeit nur ein Thema. Die Meldungen zu früheren Missbrauchsvorwürfen häufen sich. Wie steht die Xantener katholische Kirche dazu? Der Xantener befragte die Propsteigemeinde St. Viktor, wie sie die Thematik nach bekanntwerden aufgenommen hat. Propst Alfred Manthey stand dem Xantener Rede und Antwort.

Der Xantener: Wie hat die katholische Kirche Xanten die Nachrichten von den Missbrauchsfällen aufgenommen?

Propst Alfred Manthey: Es gibt keine Befragung der katholischen Kirchenmitglieder in Xanten zu den Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche, so dass ich nicht sagen kann, wie diese Meldungen in Xanten aufgenommen werden. Aber ich vermute, dass bei der überwiegenden Zahl der Gemeindemitglieder eine gleich große Betroffenheit über die beschämenden Vorgänge herrscht wie bei den Priestern und Ordenschristen in unserer Stadt. Alle sind seit dem Bekanntwerden sehr bedrückt und fassungslos und leiden an unserer Kirche.

Der Xantener: Hat sich seitdem im Umgang mit der Gemeinde im Bereich Xanten etwas verändert?

Propst Alfred Manthey: Was soll sich ändern im kirchlichen Alltag vor Ort? Wir sind Seelsorger. Wir haben unseren Dienst zu tun. Und Ostern zu feiern, das ist eine anspruchsvolle Aufgabe in den alltäglichen Erfahrungen von Schuld und Versagen, von Leid und Gewalt, von Krankheit und Tod, von Vergebung und Befreiung, von Frieden und Versöhnung, von Hoffnung und Neubeginn, von Auferstehung. Wir spüren bis heute keinen Verlust des Vertrauens gegenüber unserem Dienst. Einzelne mag es geben, die die Missbrauchsvorwürfe zum Anlass nehmen, der Kirche den Rücken zu kehren. Aber das tun Christinnen und Christen schon seit längerer Zeit ohne aktuellen Bezug, weil sie sich längst der Kirche entfremdet haben.

Der Xantener: Wie äußern Sie sich persönlich zu dem Thema?

Propst Alfred Manthey: Wie ich persönlich zu den Vorgängen stehe, habe ich bereits in den vorangegangenen Fragestellungen beantwortet. Da Sie mich nach meiner Meinung zum Zölibat fragen, möchte ich als erstes darauf hinweisen, dass alle Fachleute einen Zusammenhang der zölibatären Lebensform mit der pädophilen Veranlagung bestreiten. Pädophilie hat mit dem Zölibat nichts zu tun. 90 Prozent der Missbräuche, so sagen die Fachleute, ereignen sich in Familien. Dass durch die Missbrauchsvorwürfe auch die priesterliche Lebensform befragt wird, kann ich verstehen. Der Zölibat wird schon seit längerer Zeit von vielen Menschen nicht mehr verstanden. Das bedauere ich sehr, weil es den Verlust an geistlichem Bewusstsein anzeigt. Diesen Verlust erfahre ich im Gemeindealltag allerdings auch in anderen zentralen Kirchenverständnissen und Glaubensinhalten. Wir als Kirche haben immer die Aufgabe, nach zeitgemäßen Ausdrucksformen für unseren Glauben zu suchen, die uns helfen „Volk Gottes auf dem Weg“ und in der „Nachfolge Jesu“ sein zu können. Das müssen wir tun, damit wir ein erkennbares Profil haben, um uns von der Welt unterscheiden zu können. Anders können wir der Welt keine Hilfe sein. Darum glaube ich, dass die Öffnung des priesterlichen Amtes auch für verheiratete Männer eine glaubwürdige Ausdrucksform der Christusnachfolge heute sein könnte. Zugleich dürfte der Zölibat nicht an Wertschätzung verlieren. Es muss ihn weiterhin in unserer Kirche geben. Für völlig verfehlt halte ich die Meinung, die Frage nach der ehelosen Lebensform der Priester, jetzt, also im unmittelbaren Ausfluss der derzeitigen Problemthemen, anzugehen. Dann bestünde die Gefahr, dass viel an Wertschätzung des Zölibates unwiederbringlich verloren ginge. Der Zölibat ist überdies eine gesamtkirchliche Angelegenheit. Ob man außerhalb des säkularisierten Europas und einiger Erdregionen mit westlichen Lebensstandards den Zölibat ebenso infrage stellt, bezweifle ich.

Propst Alfred Manthey stand Rede und Antwort. | Foto: Kreitz
Die Dämonen sind Schuld. | Foto: Pries
Autor:

Michael Hoch aus Düsseldorf

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