Notunterkunft startet gegen Ende August

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Die Polizeischule in Bork wird neuer Standort für eine große Unterkunft für Flüchtlinge. (Foto: Magalski)
 
Viele Bürger kamen am Montagabend in die Mensa der Polizeischule. (Foto: Magalski)
 
Vertreter der Stadt Selm und der Behörden beantworteten Fragen. (Foto: Magalski)
Flüchtlinge leben in Kürze in einer großen Notunterkunft auf einem Parkplatz an der Polizeischule in Bork. Die Nachricht sorgte für Unruhe bei vielen Menschen vor Ort. Montagabend gab es in der Mensa auf dem Gelände der Polizei das erste von zwei Info-Treffen für Bürger. Der Lüner Anzeiger berichtet im Ticker.

Ralf Jäger, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, machte den Gerüchten über die Einrichtung eine Flüchtlingsunterkunft in Bork am Montag vergangener Woche ein Ende. Ein Parkplatz des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen in Bork wird, so die Mitteilung aus dem Ministerium in Düsseldorf, Standort für eine vorübergehende Notunterkunft aus Zelthallen für bis zu tausend Menschen. Die Großzelte sind klimatisiert und beheizt, neben der Unterkunft entstehen sanitäre Anlagen und eine Großküche. Laut Bezirksregierung soll die Unterkunft so schnell wie möglich in Betrieb gehen, Betreiber ist das Deutsche Rote Kreuz. Montag standen in der ersten Versammlung dieser Art für Bürger Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg, des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten und der Kreispolizeibehörde Unna für Fragen zur Verfügung. Zweiter Info-Termin für Bürger ist am 19. August um 19 Uhr im Bürgerhaus Selm.

TICKER:

20.47 Uhr: Der Saal leert sich nun, die Veranstaltung ist an ihrem Ende. Das Team des Lüner Anzeigers dankt Ihnen für Ihr Interesse an unserem Ticker und wünscht Ihnen einen schönen Feierabend und eine gute Nacht.

20.46 Uhr: Die Polizei hat gezählt und nennt nun eine Zahl von siebenhundert Zuschauern in der Mensa der Polizeischule.

20.43 Uhr: Der Info-Abend neigt sich dem Ende. "Wir brauchen die Unterkunft, um die Menschen vor Obdachlosigkeit zu bewahren", sagt Volker Milk in seinem Schlusswort und dankt für eine "tolle Diskussionskultur". Michael Frücht, der Direktor des Landesamtes, schlägt in die gleiche Kerbe und wendet sich an die Zuhörer. "Großes Kompliment an sie alle, vielen Dank!"

20.32 Uhr: Eine Anwohnerin macht sich Sorgen um die „Nebenwirkungen“ der Notunterkunft. Regierungsvizepräsident Milk betont noch einmal, dass es keine Gewalt-Kriminalität gebe, auf dem Weg zur Unterkunft komme es aber durchaus zu Müll-Problemen. Diesen Müll könnten die Asylbewerber aber auch als Ein-Euro-Jobber möglicherweise wieder selbst entfernen, dies sei keine Aufgabe der städtischen Müllabfuhr. Die Verrichtung der Notdurft im öffentlichen Raum sei ein weiteres mögliches Problem. Das Rote Kreuz erkläre den Flüchtlingen aber, so Hans-Jürgen Hecker, die Regeln für das Zusammenleben.

20.28 Uhr:Hauptherkunftsland der Flüchtlinge sei laut Milk Syrien, ein weiterer großer Block komme aus Serbien und Afghanistan.

20.10 Uhr: Der Betreiber des Edeka-Marktes Thomaszik in Bork berichtet von Erfahrungen aus Kollegenkreisen – dort gebe es einen Anstieg von Ladendiebstählen, etwa durch Gruppen von mehreren Personen. Die Polizei zu rufen sei jetzt schon im Fall eines Ladendiebstahls sehr schwierig, bis zum Eintreffen eines Streifenwagens dauere es schon jetzt zum Teil eineinhalb Stunden. Leitender Polizeidirektor Hans Dieter Volkmann: „Diese Fälle sind uns natürlich bekannt.“ Seine Empfehlung: „Rufen Sie die Polizei an, wir werden uns darum kümmern.“ Die Zuhörer quittieren diese Aussage mit Gemurmel.

20.06 Uhr: Zwei Bürger bezweifeln nun in ihren Fragen, dass die Polizei die Sicherheit der Bürger gewährleisten könne, denn schon jetzt sei die Polizei überfordert. Volkmann: Meine Zusage, dass wir ihre Sorge und Ängste ernst nehmen, halte ich auch für den Fall, dass es keine Unterstützung vom Land gibt.“ Die Kreispolizeibehörde würde in diesem Fall interne „Umschichtungen“ vornehmen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

20.03 Uhr: Eine Besucherin fragt zur Schulpflicht der Kinder und den Möglichkeiten der Unterstützung für die Bevölkerung. „Die Kinder unterliegen für die Dauer der Unterbringung in der Einrichtung nicht der Schulpflicht, deshalb werden auch in den Schulen der Stadt Selm keine Auffangklassen nötig“, erklärt Volker Milk. Der Regierungsvizepräsident appelliert an die Bürger und bittet um Unterstützung durch freiwillige, ehrenamtliche Helfer. Eine Anlaufstelle für Interessierte gibt es im Moment noch nicht, zunächst müsse man den Betrieb einrichten, gleiches gelte für die Annahme von Spenden. Mario Löhr erzählt, dass ein runder Tisch mit den Flüchtlings-Arbeitskreisen für die Organisation der Hilfe durch Bürger geplant sei.

20.01 Uhr: „Dürfen die Asylanten jederzeit das Gelände verlassen“, fragt ein Bürger. Hans-Jürgen Hecker: „Die Unterkunft ist keine geschlossene Einrichtung, die Menschen dürfen natürlich das Gelände verlassen.“ Ein Sicherheitsdienst habe an den beiden Zugängen Dienst, schon für den Schutz der Bewohner auf dem Gelände. Eine Schranke verhindere das Befahren des Geländes mit Fahrzeugen.

19.51 Uhr: Die Versorgung der Flüchtlinge aus medizinischer Sicht brennt einem Bürger aus Bork unter den Nägeln. „In Bork haben wir zwei Zahnärzte und zwei praktische Ärzte“, schildert der Mann. Für die Zivilbevölkerung sei die medizinische Versorgung schon ein Problem. Regierungsvizepräsident Milk: Die Erstversorgung bei Ankunft sei durch den Betreuungsverband sichergestellt, zur Notversorgung gelte genauso der Notruf der Rettungsdienste. Die Krankenhäuser in der Umgebung seien leistungsfähige Häuser, im Fall der Fälle gebe es Transfers. Die Flüchtlingen werden laut Milk in den ersten Tagen im Rahmen einer Röntgen-Reihenuntersuchung auf Tuberkulose untersucht, häufiger seien Infektionen mit Krankheiten wie etwa Windpocken. Infektionen auf die örtliche Bevölkerung seien nicht bekannt, dies bestätigt auch Hans-Jürgen Hecker vom Roten Kreuz.

19.44 Uhr: Eine Anwohnerin der Straße „Zum Sundern“ erkundigt sich nach der Dauer der Maßnahme. Volker Milk ist auch für diesen Fall der Ansprechpartner. „Eine Aussage über die Dauer wäre sicher ein Blick in die Glaskugel.“ Die Bezirksregierung hoffe aber auf eine Dauer von nicht mehr als einem Jahr. Im Rheinland werde in Kürze eine Vielzahl von Kasernengebäuden frei, auf Dauer wolle man die Menschen etwa dort – also in Steingebäuden – unterbringen.

19.41: Der Zeitplan ist ebenfalls Thema bei den Bürgern. Milk: Unser Zeitplan ist sehr ehrgeizig, weil wir die Menschen so schnell wie möglich unterbringen müssen. Das Land Nordrhein-Westfalen habe noch kurzfristig Ausstattung für die Unterbringung von fünftausend Flüchtlingen im Land sicherstellen können, ab der kommenden Woche beginnen nach Plan die Arbeiten und gegen Ende August gebe es die erste Belegung der Notunterkunft.

19.40 Uhr: Ein Bürger fragt nach den Kosten. Regierungsvizepräsident Volker Milk erklärt, die Übernahme der Kosten sei Sache des Landes. Im Gegenteil: Milk hofft auf einen positiven Effekt für die Wirtschaft vor Ort, etwa beim Einkauf von Lebensmitteln.

19.33 Uhr: Michael Frücht, der Direktor des Landesamtes hat das Wort. „Die Bereitschaft Menschen in Not zu helfen, war für uns sofort ganz klar, denn es ist Aufgabe der Polizei, Menschen in Not zu helfen“, erklärt Frücht und bekommt für diese Aussage spontanen Applaus. In Bork gebe es eine ausgezeichnete Nachbarschaft der Polizei zu den Anwohnern.

19.26 Uhr: Hans Volkmann, der Leitende Polizeidirektor der Kreispolizeibehörde Unna spricht zur Sicherheit. Volkmann zieht einen Vergleich zur Landesstelle in Unna-Massen. In Unna nahe der Landestelle gebe es aus polizeilicher Sicht keinen spürbaren Anstieg der Straftaten. Vor Belegung der Landesstelle habe es in einem Zeitraum von 34 Monaten 1.305 Straftaten gegeben, nach Belegung der Landesstelle im gleichen Zeitraum registrierte die Polizei 1.418 Straftaten. Das Sicherheitskonzept der Polizei sieht mit Aufbau der Zeltstadt in der gesamten Woche im Früh- und Spätdienst einen Streifenwagen für Selm und Bork vor, in der Unterkunft gebe es zudem eine kleine Wache als Ansprechpartner für Bürger und untergebrachte Flüchtlinge.

19.20 Uhr: Hans-Jürgen Hecker vom Deutschen Roten Kreuz nimmt nun Stellung. Die Größe der Einrichtung in Bork sei für Nordrhein-Westfalen etwas Neuland, bisher liege die Größe der Unterkünfte bei etwa fünfhundert Personen. Für Familien plant das Rote Kreuz eigene geschützte Bereiche, zudem gibt es Container für die Verwaltung des Zeltdorfes und die medizinische Versorgung. Der Gesundheitszustand der ankommenden Menschen sei zum Teil „unerfreulich“, so Hecker, deshalb laufen auch Planungen für regelmäßige Sprechstunden. Toiletten und Duschen soll es in ausreichender Menge geben, für tausend Menschen etwa hundert Einheiten. In der Notunterkunft entstehen circa vierzig Arbeitsplätze.

19.11 Uhr: Die Unterbringung der Flüchtlinge sei eine Krisensituation. 6.000 Asylbewerber kamen alleine in der letzten Woche nach Nordrhein-Westfalen, das ist der Jahreszugang von 2007, erklärt Regierungsvizepräsident Volker Milk. Die Bezirksregierung Arnsberg habe ein hohes Maß an Erfahrung in der Unterbringung von Flüchtlingen. Milk: Asylbewerberheime sind kein Ort der Kriminalität, insbesondere nicht der Gewalt-Kriminalität. Die Unterbringung von Flüchtlingen finde im Moment häufig in Gebäuden statt, die nicht als Wohnraum für Menschen gedacht seien, etwa Baumärkten oder auch Turnhallen. „Aus diesem Grund sind wir ganz froh, dass wir hier heute einen Auftakt für eine größere Unterkunft machen können“, erklärt Milk. Die Zahl der Flüchtlinge sei im Vergleich zu Unterkünften in anderen Bundesländern noch gut zu händeln, dort gebe es zum Beispiel Einrichtungen für dreitausend Menschen. Volker Milk sagt etwas zur Beschaffenheit der Unterbringung für Bork. Das Zeltsystem bestehe nicht aus „Flatterzelten“, sondern aus festen Außenzelten mit einer speziellen Beschichtung gegen Hitze und Kälte.

19.06 Uhr: Bürgermeister Mario Löhr hat das Wort und spricht aus Versehen zunächst von einer „Notunterkunft“ mit bis zu 10.000 Flüchtlingen“. Gelächter ist die Folge, jedenfalls im Moment ist die Stimmung gelöst. Löhr wirbt für die Notwendigkeit der Unterbringung von Flüchtlingen. Nach Plan erklären nun eine halbe Stunde die Redner die Situation, danach haben die Bürger etwa eine Stunde Gelegenheit zu Fragen.

19.03 Uhr: Kerstin Lütke moderiert den Abend und begrüßt die Bürger. Lütke stellt nun die Redner vor: Regierungsvizepräsident Volker Milk, Bürgermeister Mario Löhr, den Direktor des Landesamtes Michael Frücht, der Leitende Polizeidirektor Hans Dieter Volkmann und Hans-Jürgen Hecker vom Landesverband Westfalen Lippe des Deutschen Roten Kreuzes. Der Saal ist voll, nach ersten Schätzungen sind es annähernd tausend Besucher.

18.55 Uhr: Die Mensa der Polizei ist bereits gut gefüllt und noch immer strömen Menschen vom Parkplatz zum Ort der ersten Bürgerversammlung. Die Notunterkunft beschäftigt die Menschen in Selm, das spürt man deutlich.

18.30 Uhr: Guten Abend zu unserem Ticker von der ersten Info-Veranstaltung zur neuen Großunterkunft für Flüchtlinge in Bork. Das Interesse scheint groß, denn der Vorraum der Mensa füllt sich deutlich mit Besuchern. Die Polizei zeigt ebenfalls Präsenz und zwar schon vor dem Gelände. Störer haben so mit Sicherheit schlechte Chancen.

Thema "Flüchtlinge" im Lokalkompass:
> Bork wird Standort für Flüchtlings-Zelte
> Zelte für Flüchtlinge auf Gelände der Polizei?
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 11.08.2015 | 16:29  
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