Erstmals Buch zur Geschichte der Hüstener Kirmes
Tierschau, Jahrmarkt und Pferderennen: Heimatbund veröffentlicht Kirmesbuch

Die Hüstener Kirmes ist fester Bestandteil des Hüstener Jahreskalenders und ein wichtiges Element der Hüstener Identität. Jetzt gibt es erstmals ein Buch zur Geschichte der Hüstener Kirmes. Drei Jahre hat Reiner Ahlborn vom Heimatbund Neheim-Hüsten investiert. Entstanden ist ein 180-seitiges Werk, das nicht nur die Historie der Kirmes abbildet, sondern auch mit Fotos, Zeitungsartikeln, Geschichten und Anekdoten ein buntes Bild des Hüstener Volksfestes zeichnet.

"Ob die Hüstener Kirmes wie angenommen über 1.000 Jahre alt ist und auf die Gründungszeit Hüstens um 800 zurückgeht, lässt sich bis heute leider nicht belegen. Letztlich ist das Alter der Kirmes auch nicht so wichtig wie die Verbundenheit der Bevölkerung aus nah und fern mit ihr", so der Heimatforscher. Nach Recherchen des Autors dürfte die Kirmes auf einen mittelalterlichen Viehmarkt gründen, wie viele andere Jahrmärkte in der Umgebung.

Älteste Urkunde von 1774

Die älteste Urkunde, die Ahlborn bei den Recherchen fand, datiert auf das Jahr 1774: es ist die erste schriftliche Erwähnung eines Jahrmarktes in Hüsten im kurkölnischen Staats- und Landkalender für das Jahr. "Man kann davon ausgehen, dass die Ursprünge der Kirmes in einem Viehmarkt liegen", so Ahlborn weiter. Die erste schriftlich erwähnte Tierschau fand 1841 in Hüsten statt, und bis 1873 fand sie dort regelmäßig statt. 1874 wurde die Tierschau nach Sundern vergeben, 1875 nach Neheim.

Landwirtschaftlicher Lokalverein Hüsten gegründet

"Nach Querelen um die Vergabe der Kirmes traten die Mitglieder der 'Hüstener Fraktion' am 9. Juni 1876 geschlossen aus dem Landwirtschaftlichen Kreisverein Arnsberg aus und gründeten am selben Tag den Landwirtschaftlichen Lokalverein Hüsten", erklärt der Heimatforscher. Und im gleichen Jahr richtete der Verein am 18. September in eigener Regie eine Tierschau mit Jahrmarkt und Pferderennen aus. 1879 wird der rennsportbegeisterte Graf von Fürstenberg Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Lokalvereins. Innerhalb des Lokalvereins wurde ein "Rennclub" gegründet, der Pferderennen veranstaltete, das erste 1893 auf der Klosfuhr (heute in etwa der Bereich zwischen der Straße "Am Solepark", Stadion Große Wiese und Kaufland).

Große Pferderennen

Vier Jahre später wurde ein selbstständiger "Renn-Verein Hüsten" gegründet, der Rennen nach englischem Vorbild organisierte. Die Rennen wurden professioneller und fanden großen Zuspruch, erläuterte der Heimatforscher. "Ich wusste bis dato nicht, dass es in Hüsten diese großen Pferderennen gab. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg besuchten jeweils deutlich mehr als 5.000 Menschen die Pferderennen in Hüsten." Der Erste Weltkrieg bedeutete eine große Zäsur und das Ende der Pferderennen. "Sie wurden auch nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen, von wenigen lokalen Veranstaltungen in den 30-er Jahren und SA-Reiterkämpfen in der Zeit des Nationalsozialismus einmal abgesehen."

Hüstener Kirmesgesellschaft gegründet

1933 musste sich der landwirtschaftliche Lokalverein Hüsten selbst auflösen. "Da die Nationalsozialisten wenig Interesse an der Fortführung der Kirmes in hergebrachter Form hatten, wurde am 27. Februar 1935 die "Hüstener Kirmes-Gesellschaft e.V. Hüsten" gegründet. Sie organisiert auch heute noch Kirmes und Tierschau. "Damit ist die Hüstener Kirmes einer der ganz wenigen Jahrmärkte dieser Größe in Deutschland, die von einem privaten Verein organisiert und durchgeführt wird."

Umzug auf das Kirmesgelände "Hüsten-Ost"

In den 50-er Jahren fanden Kirmes und Tierschau "nach etlichen Schwierigkeiten", wie Reiner Ahlborn erläuterte, zu alter Größe zurück. Da das Gelände an der Riggenweide auf Dauer zu klein wurde, wurde die Tierschau 1958 auf die andere Seite der Ruhr an die Wagenbergstraße verlegt, während der Kirmeszeit wurde eine Notbrücke über die Ruhr geschlagen. 1985 zog die Kirmes dann aufgrund des Baus der Nordtangente auf die gegenüber liegende Seite der Arnsberger Straße, das heutige Kirmesgelände "Hüsten-Ost". Gleichzeitig kehrten der Kram-Markt und die Tierschau an ihren angestammten Platz rund um die St. Petri-Kirche zurück. "Seit den 1990-er Jahren wird das Programm im Festzelt stetig ausgebaut und zu einem weiteren Standbein der Hüstener Kirmes. Mittlerweile besuchen an den fünf Kirmestagen zwischen 300.000 und 350.000 Menschen die Kirmes und am Montag rund 25.000 Menschen die Tierschau. Damit ist die Hüstener Kirmes das größte Volksfest des Sauerlandes und die Tierschau diejenige mit der größten Artenvielfalt in ganz NRW."

Wegen Corona 2020 abgesagt

Dass die Hüstener Kirmes in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann, sei für viele ein Schock gewesen, erklärte der Heimatforscher. Doch "historisch gesehen wurden viele Kirmesse und Tierschauen abgesagt" - häufig aufgrund von Tierseuchen, aber auch wegen Typhus, Diphterie und Cholera.

Termine & Infos

Mit dem Sonderdruck 2020 „Das Kirmesbuch“ legt der Heimatbund Neheim-Hüsten e.V. eine Veröffentlichung zur Geschichte der überregional bekannten Hüstener Kirmes vor. Das Buch, das in einer Auflage von 1.000 Stück gedruckt wurde, ist zum Preis von 12 Euro (8 Euro für Mitglieder des Heimatbundes) erhältlich. Das Kirmesbuch wird an folgenden Terminen verkauft:

  • Freitag, 11. September, 18-20 Uhr, vor der Petri-Kirche in Hüsten beim Hahnaufsetzen der Kirmesgesellschaft
  • Samstag, 12. September, 10-13 Uhr im Fresekenhof (Neheim)
  • Montag, 14. September, 14-17 Uhr im Fresekenhof (Neheim)
  • Donnerstag, 17. September, von 14-17 Uhr im Fresekenhof (Neheim)

Ab dem 14. September ist das Kirmesbuch auch im lokalen Buchhandel erhältlich. Weitere Infos auf www.heimatbund-nh.de.

Autor:

Diana Ranke aus Arnsberg-Neheim

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