Bei den Pillendrehern und Giftmischern...

Das Laboratorium | Foto: Marita Gerwin
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Im Apotheken-Museum im Schloss Heidelberg.

Das einzigartige Museum spannt den Bogen aus dem Mittelalter bis zur Neuzeit. Vieles erscheint aus heutiger Sicht kurios und unvorstellbar:

Vor 800 Jahren gab es noch keine Arbeitsteilung zwischen Arzt und Apotheker. Da machte der Arzt das Verordnen und Zubereiten der heilenden Substanzen ganz allein. Erst zwischen 1231 und 1241 entwickelte sich der Beruf eines Apothekers unter der strengen Aufsicht der Ärzte.

Anfangs glichen die Apotheken einem Markstand. Doch schon sehr bald gelangten sie zu Wohlstand und Ansehen. Sie statteten ihre Apotheken zu Laboratorien aus.

Ein Apotheker musste damals ein guter Küchenmeister sein und mit Topf und Feuer umgehen können. Die vom Arzt mündlich angegebenen „Drogen“ wurden grob abgemessen, gewogen, gerieben und dann in einem Mörser und Pistill zerstoßen. Den bitteren Geschmack korrigierten sie mit Honig oder Zucker. Auch tierische „Drogen“ wurden seinerzeit getrocknet, zerstampft, gedampft, pulverisiert und mit Zitronen- und Berberitzensaft versüßt.

Für das Einsammeln der tierischen „Drogen“ als Zutaten für die Arzneien gab es feste Zeiten:
So durfte Hundekot nur im Juli nach Sonnenuntergang, Froschlaich nur drei Tage vor Neumond, Ameisen und Regenwürmer nur im Mai, Menschenblut nur im Frühjahr und Schwalbenkot nur bei zunehmendem Mond eingesammelt werden, um es zu heilenden Substanzen zu verarbeiten.

Viele Apotheken führen aus dieser Tradition heraus, daher heute noch Tiere wie Löwen, Einhorn, Schwanen, Adler, Hirsch, Bären und Pinguine in ihrem Namen. Von diesen Tieren verwendet man in früheren Zeiten fast alle Teile zur Herstellung von Arzneimitteln. Sogar Kröten und Mumienfett wurden verwendet.

Zu den handwerklichen Künsten eines Apothekers im Mittelalter gehörte das Pressen, Zerstoßen, Pulverisieren, Zerstoßen, Schlämmen, Filtrieren, Seien, Kochen, Eindämpfen und Trocknen. Das handwerkliche Kerngeschäft war das Pillendrehen. Es gehörte von eh und je zur Ausübung des Berufes des Apothekers. Ob es sich um die Herstellung von Pillen mit abführender, herzstärkender, blutdrucksenkender oder beruhigender Wirkung handelte. Immer wurden dabei auch stark wirksame Substanzen von wenigen Milligramm verarbeitet.

Erst mit Paracelsus, vor 600 Jahren, hielt die chemische Kunst den Einzug in das Apotheker-Laboratorium. Es kam die Destillation, das Sublimieren, das Glühen und Schmelzen hinzu. Wir hörten von der besonderen Wirkung der asiatischer Pillen, der Fingerhutblätter, der Digitalispillen, der Herstellung von Dragées und vieles mehr. Jetzt weiß ich, warum der Apotheker zu seinem Namen "Pillendreher und Giftmischer" kam.

Sollten Sie einmal in Heidelberg sein, in der wunderschönen Stadt am Neckar, so empfehle ich Ihnen den Besuch im Deutschen Apotheker-Museum des Heidelberger Schlosses.

Autor:

Marita Gerwin aus Arnsberg

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