Kunstsommer in Arnsberg
"Konvoi spezial" rollt durch die Stadt

Noch bis zum 31. August rollt der "Konvoi spezial" im Rahmen des Arnsberger Kunstsommers durch die Stadt (von links: Jürgen Treptow (Besitzer des frisch beklebten Wagens), Kathrin Brandt vom Kulturbüro Arnsberg und die Künstlerinnen Yala Juchmann und Theresa Kampmeier; Motiv aus den "Tandem" von Yala Juchmann.
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  • Noch bis zum 31. August rollt der "Konvoi spezial" im Rahmen des Arnsberger Kunstsommers durch die Stadt (von links: Jürgen Treptow (Besitzer des frisch beklebten Wagens), Kathrin Brandt vom Kulturbüro Arnsberg und die Künstlerinnen Yala Juchmann und Theresa Kampmeier; Motiv aus den "Tandem" von Yala Juchmann.
  • Foto: Marko Mennekes, DWM Hachen
  • hochgeladen von Lokalkompass Arnsberg-Sundern

Noch bis zum 31. August  rollt der Konvoi spezial durch die Stadt Arnsbeg. Für die mobile Ausstellung entwickelten die Künstlerinnen Yala Juchmann, Theresa Kampmeier und Liska Schwermer-Funke gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern vor Ort künstlerische Arbeiten, die sich mit Arten, Formen, Farben und Konstellationen des öffentlichen Raums auseinandersetzen. Als großformatige Drucke sind die entstandenen Bilder im Konvoi spezial auf Fahrzeugen im Arnsberger Raum mobil zu sehen. Alle sieben Motive werden außerdem zusammen auf einer Schaufensterfläche am Brückenplatz in Arnsberg ausgestellt.

Im Zentrum der Zusammenarbeit von Yala Juchmann und Johannes Brand stand das Kompostwerk Hellefelder Höhe. Auf der Suche nach einer Perspektive auf Arnsberg, die in der Öffentlichkeit selten Aufmerksamkeit erfährt, nahm Yala Juchmann den Kontakt auf. Johannes Brand  arbeitet seit vielen Jahren am Sortierband im Kompostwerk, wo der gesamte Bioabfall der Stadtgebiete Meschede, Sundern und Arnsberg zusammenläuft. Hier wird das nichtorganische vom organischen Material getrennt. Nach verschiedenen Umwandlungsprozessen wird das Material anschließend wieder als Erde und Kompost in den Stadtgebieten verteilt. Als letzte Kontrollinstanz übernimmt Johannes also eine Schlüsselfunktion für die Qualität der Böden unserer Zukunft.

Drei Fotocollagen

Bei der jahrelangen Beobachtung und Bearbeitung des Bioabfalls hat er ein Wissen gesammelt, das bei dem Projekt als Ausgangspunkt für die Entwicklung von drei Fotocollagen dienen konnte. Für zwei der Motive sammelte Johannes eine Woche lang interessante und ungewöhnliche Objekte, zum Beispiel Besteck aller Form. Das dritte Motiv entstand, weil der Arnsberger Bioabfall zwar der sauberste ist, jedoch die größte Anzahl an Steinen beinhaltet. Ähnlich einer Archäologin arrangierte Yala die drei Materialsammlungen Steine, Besteck und Kurioses vor Landschaftsaufnahmen des Kompostwerks.Der Bioabfall, mit dem wir nach dem Gang zur Tonne am liebsten nichts mehr zu tun haben, wird in diesen Arbeiten von zwei Augenpaaren untersucht: Das eine hat jahrelang streng selektiv auf das Gesehene reagiert und probiert nun ein zusätzliches Auswahlkriterium ästhetischer Art aus. Das zweite Augenpaar – bisher nur privat mit Bioabfall in Kontakt, bringt eine jahrelange Erfahrung mit Bildkomposition mit. Zwischen den zwei Sehgewohnheiten werden aus der Problematik des Fremdmaterials im Biomüll die ausgestellten Bilder. So ist schließlich die Zusammenarbeit von Johannes und Yala zu einer respektvollen Anerkennung des Anderen/der Anderen geworden in dem, was sie tun.

Atmosphärische Erkundungen in und um Arnsberg

Die Zusammenarbeit von Theresa Kampmeier und Ramona Schmitt war geprägt durch atmosphärische Erkundungen im und um Arnsberg. Sie beschäftigten sich intensiv mit der alltäglichen Aufenthaltsqualität des öffentlichen, urbanen Raums. Was oder wo genau ist das Zentrum von Arnsberg? Ist das Zentrum am Glockenturm oder ist es vielleicht beim roten Markierungspin im Kreisverkehr? Oder ist es eine diffuse Gegend, die vor dem Altstadttunnel beginnt und erst bei den Ruhrwiesen wieder endet? Wo löst sich der städtische Anspruch auf Urbanität ein?Polarisiert von Altstadt am Berg und Neustadt im Tal zeigte sich im künstlerischen Prozess der beiden jungen Arnsbergerinnen ein Widerspruch zwischen dem urbanen Flair der neuen Stadtraumgestaltung und dem Erhalt der visuellen mittelalterlichen Identität. Die räumlichen Überschneidungen, sozialen Verschmelzungen und planerischen Krieselmomente dieser beiden Aspekte zeichnen die Künstlerinnen besonders deutlich heraus in der geschichteten Anordnung von Verkehrstunnel und Wahrzeichen. In der Arbeit "Tunnelblicke" ruhen die beiden physisch markanten Zeichen des Zentrums wie in einem Kippbild auf den zwei gegenüberliegenden Seiten des Altstadttunnels, der das skulpturale Podest unterwandert und zu einer Schleuse macht. Der Glockenturm fungiert wie der Tunnel auch als Portal. So sind die zwei Elemente aneinander geknotet. Im Bogenschlag zwischen Turm und neuer Kreisverkehrskulptur ist für die beiden Künstlerinnen das Spannungsverhältnis voller Potenzial im Zentrum Arnsbergs spürbar.

Perspektive auf die Stadt

Liska Schwermer-Funke und ihre 19-jährige Tandem-Partnerin trafen sich erstmalig auf einer schiefen Holzbank am Hang eines wild-großen Gartens – zwei junge Frauen, die eine aufgewachsen im Sauerland und dann zwecks Welterkundung und Kunststudium weggezogen, die andere aufgewachsen in der Großstadt und vor einigen Jahren nach Arnsberg gekommen. Im Zentrum der Zusammenarbeit stand die Perspektive der Schülerin auf die Stadt, in der sie lebt: Welche Wege prägen ihren Alltag? Wo verweilt sie? Welche Gebäude und Aussichten lösen Assoziationen aus? Wo gibt es Wohlfühlorte und was macht sie aus? Was fehlt?Mit wachen Sinnen und einer Kamera hat das Duo die Stadt durchstreift, wahrgenommen, aufgenommen und kommentiert. Überall Menschen mit Fahrrädern oder Hunden. Die Arnsbergerin zeigte und beschrieb ihre Lieblingsorte. Hier die Perspektive, aus der das Backhaus am schiefsten aussieht. Hier der beste Aussichtspunkt vom Schloss auf die Stadt. Hier diese eigentümliche Statue. Wäre Arnsberg ein Wohnzimmer, würde rechts der Figur ein rotes Samtsofa stehen. Auch ein Klavier, das Richtung Bergkulisse tönt.

“Arnsberg ist wie die Farbe lila”

“Arnsberg ist wie die Farbe lila”, hat die Schülerin gesagt, weise und ewig  “wie ein Vampir – oder eine Göttin”. Die Partnerinnen transformierten die Eindrücke in Bildideen, mischten im Garagen-Atelier Lila-Töne, zeichneten Fahrräder- und Gebäudeskizzen. Im Austausch entstanden so zwei Malereien, die im Gestus von Wiederholung und Überlagerung Elemente des subjektiven Alltags zu städtischer Struktur verdichten.

"Stadtbesetzung" in Arnsberg

Konvoi spezial findet im Rahmen der „Stadtbesetzung” während des Kunstsommers Arnsberg statt. „Stadtbesetzung” ist ein Förderprojekt des Kultursekretariat NRW Gütersloh. Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Mehr Informationen unter  www.stadtbesetzung.de. Die Organisatorinnen möchten sich ausdrücklich bedanken bei: Marko Mennekes und dem Team von DWM, deren Unterstützung bei der Realisierung der Ausstellung maßgeblich war; den Bürgerinnen und Bürgern, den Technischen Diensten und den Stadtwerken, die mit großem Vertrauen ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellen; den Eigentümern der Ladenlokale am Brückenplatz; Barbara Anneser; und den Jungs vom Kompostwerk Hellefelder Höhe.

Zu den Künstlerinnen

Yala Juchmann (geb. 1984 in Hagen, Westfalen) studierte von 2005 bis 2011 an der Universität der Künste in Berlin, an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York und an der Kuvataideakatemia in Helsinki Bildende Kunst. Seitdem arbeitet Yala Juchmann als freischaffende Künstlerin in Berlin. Beim Kunstsommer Arnsberg richtete sie 2012 den „Salon Juchmann“ ein, einen interaktiven Kunstort für Begegnungen. Im Lichthaus des Klosters Wedinghausen hat sie 2015 für den Kunstverein Arnsberg eine gigantische Rauminstallation aus 6850 leeren Glasflaschen geschaffen. In der Akademie Schwerte zeigte sie 2018 Werke, die sich mit der Wechselbeziehung zwischen Form und Bewegung in der Malerei beschäftigten. Zu Yala Juchmanns künstlerischer Praxis mehr unter www.yalajuchmann.de.

Theresa Kampmeier (geb. 1991 in Arnsberg) studierte von 2010 bis 2016 an der Städelschule in Frankfurt am Main und an der Akademie Valand in Göteburg, Schweden. Seitdem arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Berlin. 2013 hatte sie ihre erste Einzelausstellung im Lichthaus Arnsberg. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich damit, wie Kunst in den ganz normalen Alltag kommt. Zu Theresa Kampmeiers künstlerischer Praxis mehr unter www.theresakampmeier.de.

Liska Schwermer-Funke (geb. 1991 in Olsberg) studierte Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle (Saale) und Frankoromanistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Einjährige Auslandsaufenthalte führten sie nach Valenciennes (Frankreich) und Veliko Tarnovo (Bulgarien). Heute lebt und arbeitet sie in Kassel. Dort betreibt sie seit 2019 das BIOTOP ZACK – Raum für Kunst und Dialog. Sie arbeitet humorvoll an den Schnittstellen von Malerei, Grafik, Installation und Poesie – getrieben von der Freude am Dialog als künstlerischer Haltung gegenüber Mensch und Material. Zu Liska Schwermer-Funkes künstlerischer Praxis mehr unter www.lisaschwermerfunke.com.

Noch bis zum 31. August rollt der "Konvoi spezial" im Rahmen des Arnsberger Kunstsommers durch die Stadt (von links: Jürgen Treptow (Besitzer des frisch beklebten Wagens), Kathrin Brandt vom Kulturbüro Arnsberg und die Künstlerinnen Yala Juchmann und Theresa Kampmeier; Motiv aus den "Tandem" von Yala Juchmann.
"Konvoi spezial" im Rahmen des Arnsberger Kunstsommers: (von links) Marko Mennekes (Chef der Folierung), Theresa Kampmeier, Thomas Gottwald, Marco van Putten (Leiter der Technischen Dienste), M. Graf, Beate Mayer, Yala Juchmann und zwei Mitarbeiter der Technischen Dienste; Motiv aus Yala Juchmanns "Tandem."
Autor:

Lokalkompass Arnsberg-Sundern aus Arnsberg

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