Bauhistorisch korrektes Pflaster
Untere Soester Straße in Alt-Arnsberg saniert und eingeweiht

Ein Grund zur Freude: der Akt der Eröffnung.
  • Ein Grund zur Freude: der Akt der Eröffnung.
  • Foto: Peter Benedickt
  • hochgeladen von Diana Ranke

Das Durchschneiden des Bandes bei der offiziellen Eröffnung der sanierten „Unteren Soester Straße“ in der Arnsberger Altstadt ging so fix vonstatten, dass einige Fotografen noch mal um eine Wiederholung baten.
Kein Wunder, dass es Bürgermeister Ralf Paul Bittner, Stadtplaner Thomas Vielhaber und Co. so eilig hatten, denn das sie stolz auf die historische Neugestaltung der Straße waren, war auf den Gesichtern deutlich abzulesen. Sie wollten mit den Gästen einfach nur ein weiteres gelungenes Stück Alt-Arnsberg feiern.

Gasse entsprach nicht mehr den Anforderungen

Die Maßnahmen mussten durchgeführt werden, weil die 1848 entstandene Gasse nicht mehr den Anforderungen entsprach: „Damals für Fußgänger und Handkarren gedacht, sind die Fahrzeuge heute doch ein anderes Kaliber.“
„Oft werden Straßen so gestaltet, wie wir uns denken, wie das im Mittelalter üblich war“, erklärte der Rathauschef. „Doch meist entspricht unser Empfinden nicht den Tatsachen.“ Dies wäre bei der „Unteren Soester Straße“ anders, hier spiegelt sich die damalige Zeit wieder, hier wurde jetzt nach alten Handwerkstechniken gepflastert. „Es ist toll, dass wir in unserer Stadt Betriebe haben, die dieses Verfahren noch beherrscht“, staunte der erste Bürger.

Spezialisten nötig

Firmeninhaber Volker Hilgenhaus bestätigte, dass für diese Gestaltung Spezialisten benötigt werden: „Neben der Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer werden noch besondere Lehrgänge absolviert, um Natursteinpflaster, hier Ruhrkiesel, verlegen zu können.“
Zu Beginn wurde das alte Pflaster aufgenommen, sortiert und gelagert. Um die Maßnahme nachhaltig zu gestalten, musste auch der Untergrund sowie die Kanalisation neu angelegt werden: „Hier nach modernen Erkenntnissen.“ Bisher war beispielsweise die Dachentwässerung einfach über den Weg geleitet worden, nun verläuft die Entsorgung in geordneten „Bahnen.
Die zu beiden Seiten angelegten Rinnen stützen und stabilisieren die Straße. Gleichzeitig nehmen sie das Oberflächenwasser auf, welches durch die gewölbte Form der Straße, ganz nach historischem Vorbild, seitlich abläuft.
„Leider konnten wir nicht alle aufgenommenen Steine wieder verwenden, weil beispielsweise einige gebrochen waren“, erläuterte der Fachmann. „Woher nun Ersatz bekommen?“

Extra-Baggerschaufel eingesetzt

Da kam den Experten die Renaturierung der Ruhr entgegen. Der Aushub war deponiert worden und konnte auf entsprechendes Material untersucht werden. „Dabei haben wir eine Extra-Baggerschaufel eingesetzt, die Erde aussortiert und Steine zurückhält“, beschreibt Hilgenhaus. Hört sich einfach an, ist aber zeitraubend: „Pro Schaufel blieben acht bis zehn Steine hängen, wir benötigten tausende.“ Doch die Aktion hat sich gelohnt, bestätigte Ralf Paul Bittner beim Betrachten des neuen „Straßenbelags“ Vorarbeiter Stefan Schulte-Stratmann und dessen Leuten. Rund vier Wochen dauerten die Maßnahmen, die die Altstadt wieder ein wenig attraktiver machen.

Anlieger beteiligt

Auch die Anwohner, die zur Einweihung eingeladen waren, freuten sich über ihre „neue“ Straße. Auch wenn leiser Unmut über die Anliegerbeteiligung in Höhe von 40.000 Euro aufkam: „Die sollte abgeschafft werden.“ „Leider müssen wir die Abgabe einfordern“, bedauerte Stadtplanerin Michaela Röbke. „Aber 80 Prozent der Kosten wurden gefördert.“ Zu den 175.000 Euro für die Sanierung kommen noch 55.000 Euro für den Kanalbau. „Erwähnt werden sollte auch, dass wir die Beleuchtung ergänzt haben“, so Röbke.
„Die Altstadt hat einen hohen Stellenwert in unserer Stadt und deshalb haben wir uns der besonderen Herausforderung mit besonderer Sorgfalt gestellt“, beschreibt Thomas Vielhaber. „Nun müssen wir auch pfleglich mit unseren Werten umgehen, um nicht bald schon wieder eine Sanierung der Sanierung vornehmen zu müssen.“ Sprach‘s und vertiefte sich gemeinsam mit dem Bürgermeister und den Rathausmitarbeitern in die Gespräche mit den Bürgern.

Autor:

Diana Ranke aus Arnsberg-Neheim

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