Zeitzeugenbericht aus dem „alten Querenburg“
Zurück zu den Wurzeln

Günter Brakelmann und Norbert Bäcker ordnen in "Die Jugend im alten Querenburg" ihre eigene Lebensgeschichte in den größeren historischen Zusammenhang ein. | Foto: Verlag
  • Günter Brakelmann und Norbert Bäcker ordnen in "Die Jugend im alten Querenburg" ihre eigene Lebensgeschichte in den größeren historischen Zusammenhang ein.
  • Foto: Verlag
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Zeitzeugen, die aus erster Hand über den Nationalsozialismus berichten können, gibt es immer weniger. Von der Kindheit und Jugend in der Nachkriegszeit können dagegen noch einige berichten – und diese autobiographischen Texte sollten auch für kommende Generationen erhalten werden. Ein solches Buch haben nun der bekannte Theologe Günter Brakelmann und Norbert Bäcker vorgelegt. Es trägt den Titel „Die Jugend im alten Querenburg 1945 – 1961“.

Günter Brakelmann, geboren 1931, kam als 13-Jähriger Anfang 1945 nach der Flucht aus Pommern in seine Geburtsstadt Bochum zurück. Er fand mit seiner verwitweten Mutter und seinen Geschwistern Unterschlupf in der Mietwohnung seiner Großeltern und hat die Trümmerbeseitigung und den Wiederaufbau Bochums also bewusst miterlebt. Er schildert ein noch stark ländlich geprägtes Querenburg, in dem der Bergbau von entscheidender Bedeutung war. Die vielen Tagesbrüche erinnern noch heute an den Stellenwert des Bergbaus im voruniversitären Querenburg.
Norbert Bäcker, geboren 1943, absolvierte eine Ausbildung als Technischer Zeichner. Für seine Enkelkinder hat er einen Bericht über seine Kindheit in Querenburg verfasst, in dem er den größeren historischen Kontext stets mitbedenkt. Dieser Text ist Teil des Buches „Die Jugend im alten Querenburg“. Norbert Bäcker zeichnet darin das Bild einer Kindheit und Jugend, die bei allen Entbehrungen auch von Festen und Spielen, Radtouren und Ausflügen geprägt war.

Rundgang auf den Spuren der Vergangenheit

Für Querenburger (und Zugezogene) hat das reich bebilderte Buch besonderen Reiz: Ein Rundgang durch den Stadtteil lädt zur Spurensuche ein. Die Kastanie auf der Straße „Auf dem Aspei“, die auf einem der historischen Fotos zu sehen ist, ist heute ein viel bestauntes Naturdenkmal. Die persönlichen Erinnerungen der beiden Autoren werden stets an die Geschichte des Stadtteils rückgebunden: So erfährt der Leser viel über die Schulen und Vereine, aber auch über das religiöse Leben in Querenburg. Eine Chronik und ein Literaturverzeichnis runden die Darstellung ab.
Die Schilderung 1961 enden zu lassen, hat einen guten Grund: In diesem Jahr beschloss der nordrhein-westfälische Landtag die Errichtung der Ruhr-Universität, die das Gesicht des Stadtteils für immer verändern sollte. Günter Brakelmanns Lebensgeschichte ist mit der Hochschule untrennbar verbunden: Im Jahre 1972 wurde er als erster gebürtiger Querenburger Professor an der Ruhr-Universität. Sein Selbstverständnis als sozial und politisch engagierter Christ wird aus seiner Prägung in Kindheit und Jugend, die er in dem gemeinsam mit Norbert Bäcker verfassten Buch schildert, verständlich.

Ohne Nostalgie

„Die Jugend im alten Querenburg“ bietet Einblicke in die Alltagsgeschichte, die zwar ohne Nostalgie auskommen, aber dennoch die eine oder andere Anekdote bereithalten. Das Buch nimmt den Leser mit in eine Zeit, als ein eigener Telefonanschluss ein seltener Luxus war und man einen Sonnenbrand bedenkenlos in Kauf nahm. Die Geschlechterrollen waren festgefügt und wer, aus einer Bergarbeiterfamilie stammend, eine höhere Bildung anstrebte, lief Gefahr, sich seinem Herkunftsmilieu zu entfremden. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg waren (noch) nicht Gegenstand der öffentlichen und privaten Diskussion.
Das Buch ist Teil der Reihe „Zeitzeugen – Zeitdokumente“, die Geschichte zum Leben erwecken will, indem sie Zeitzeugen unkommentiert zu Wort kommen lässt. Günter Brakelmann und Norbert Bäcker geht es nicht zuletzt darum, ihre Achtung vor den hart arbeitenden Menschen, unter denen sie aufgewachsen sind, zum Ausdruck zu bringen – und auch das nimmt für ihr Buch ein.

Das Buch
Günter Brakelmann und Norbert Bäcker: Die Jugend im alten Querenburg 1945 – 1961. Bochum: Europäischer Universitätsverlag (= Zeitzeugen und Zeitdokumente 40),
ISBN 978-3865154842.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

9 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.