Klartext von Fabian: "Auch wir Spieler leben den VfL!"

Patrick Fabian spricht Klartext. Foto: Molatta
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Der Befreiungsschlag ist dem VfL geglückt, doch Patrick Fabian tritt kräftig auf die Euphoriebremse. Nach dem Sieg gegen Aue mahnt Bochums Innenverteidiger: „Wir dürfen jetzt auf keinen Fall wieder in alte Muster verfallen!“

Der hochverdiente 1:0-Erfolg über Erzgebirge Aue war für den VfL Bochum der erste Heimsieg seit November 2013 und für die von Peter Neururer perfekt eingestellte Mannschaft ein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt. Warum sich Patrick Fabian trotzdem geärgert hat, verrät er im Interview und spricht über Leidenschaft und Tempo, Erleichterung und Anfeindungen.

Patrick Fabian, beim Sieg gegen Aue hat der VfL fast alles richtig gemacht. Die Mannschaft war kaum wieder zu erkennen.
Fabian: Es war von der Leidenschaft der Mannschaft das absolut richtige Signal für alle, dass auch wir Spieler den VfL leben. Wir haben uns selbst sehr in die Pflicht genommen, weil wir mit der Situation vor dem Spiel auch überhaupt nicht zufrieden waren. Man hat gegen Aue gesehen, was in dieser Liga möglich ist, wenn man attackiert und den Gegner konstant unter Druck setzt. Es war ein hoch verdienter Sieg.

Kampf, Leidenschaft, Willen – wie kann es sein, dass der VfL diese Tugenden auf einmal so abrufen konnte?
Fabian: Ich ärgere mich nach diesem Spiel gegen Aue noch mehr über das, was wir teilweise in den Spielen zuvor geboten haben. Hätten wir auch gegen Sandhausen schon mit dieser Leidenschaft gespielt, hätte das Ergebnis anders ausgesehen. Wenn wir vorne mit vollem Tempo attackieren und die gesamte Mannschaft nachschiebt, bekommt jeder Gegner Probleme. Dann werden lange Bälle geschlagen. Und sowohl in der Innenverteidigung als auch im zentralen Mittelfeld mit Latza und Jungwirth sind wir immer in der Lage, die Kopfballduelle zu gewinnen Es ist schade, dass die Mannschaft erst mit dem Rücken zur Wand stehen muss, um dann so eine Leistung zu zeigen. Und wir dürfen jetzt auf gar keinen Fall wieder in alte Muster verfallen.

Wie groß ist trotz dieses Ärgers jetzt die Erleichterung?
Fabian: Es war für uns unheimlich wichtig, gerade auch zuhause mal die Punkte zu behalten. Jetzt ist die Erleichterung groß, aber noch ist gar nichts entschieden. Wir brauchen noch Punkte. Und wir sind gut beraten, möglichst schnell nachzulegen. Am besten schon am Wochenende in Kaiserslautern.

War die Leistung und der Sieg gegen Aue auch ein Vertrauensbeweis für Peter Neururer?
Fabian: Wir spielen für den Verein, dazu gehört der Trainer und dazu gehört die gesamte Mannschaft. Wir standen auch selbst alle sehr in der Schusslinie. Zumindest bei mir persönlich ist es so, dass das Leben in so einer Situation nicht immer einfach ist. Man wird ungenießbar für sein Umfeld. Sich mit berechtigter Kritik, aber auch mit Anfeindungen auseinandersetzen zu müssen, ist nicht immer angenehm. Ich würde auch lieber oben stehen und die Sonne genießen. Aber es ist klar, dass wir auch alle wissen, wie die Mechanismen im Fußballgeschäft funktionieren. Darum sind wir froh, diesen Sieg auch für den Trainer eingefahren zu haben.

Apropos Kritik: Vor dem Spiel gegen Aue hatten Teile der Ultra-Fans die Mannschaft am Hotel abgepasst und mit erheblichem Nachdruck ihre Forderungen kund getan. Wir kam diese Aktion bei Ihnen an?

Fabian: Sie haben das Recht, ihre Meinung zu äußern. Es ist aber ganz gewiss nicht so, das wir mit dem Herzen nicht bei der Sache sind, auch wenn das in den letzten Spielen viel zu wenig rübergekommen ist. Ich bin froh, dass wir das gegen Aue auf dem Platz auch deutlich zeigen konnten. Und man hat auch gesehen, dass die Zuschauer mitgehen und uns komplett unterstützen, wenn wir als Mannschaft die Signale auf dem Platz setzen. Nur so kann es hier für uns und den gesamten Verein weitergehen. Man darf nicht vergessen: Wir haben ein wunderschönes Stadion, sehr gute Fans, eine qualitativ gute Mannschaft. Aber in dieser Zweiten Liga geht es auch nur zusammen. Und ich bin froh, dass alles mit dem Spiel gegen Aue in die richtige Richtung gewendet wurde – und zwar als gesamte Einheit.

Schule machen sollte diese Art von Fan-Auflauf besser nicht, oder?

Fabian: Sie haben das Recht, wir haben es uns auch angehört. Aber das sind natürlich Situationen, die man als Spieler nicht gerne hat. Wir würden auch lieber etwas Positives zusammen mit den Fans erleben. Aber das gehört zum Fußball offenbar dazu, das ist in der 1. Liga ja nicht anders. Da muss man als Spieler danach eben die Arschbacken zusammen kneifen, rausgehen und alles in die Waagschale werfen. Auf jeden Fall haben wir gegen Aue gezeigt, dass wir diesen Verein leben und dass mit dieser Situation keiner zufrieden ist. Ich hoffe, das haben auch die Fans gesehen.

Autor:

Dietmar Nolte aus Dortmund-West

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