Dr. Klassen aus dem Südsudan

Nairobi, den 29.11.2017 - Es geht wieder los, in den Südsudan. Es ist das vierte Mal, dass ich mich in dieser unwirtlichen Gegend bewege: 2005 in Darfur ein Flüchtlingslager, 2015 ein funktionierendes Krankenhaus in Gidel, im Februar 2017 eine menschenleere Gegend um Kajo-Keji. Jetzt geht es nach Turalei im Norden des Südsudan, Twic State, ganz an der Grenze zum ölreichen Abyei aus dem Sudan. Es sollen wohl 250.000 Menschen in dieser Gegend leben, plus etwa 50.000 Flüchtlinge und etwa genau so viel Rückkehrer. Das Mother Teresa Hospital versorgt diese Menschen und dem geht es nicht gut (dem Krankenhaus; den Menschen sowieso nicht). Seit 2003 gibt es dort eine medizinische Einrichtung, die nach und nach zu einem größeren Krankenhaus gewachsen ist. Die „Bishop Gassis Relief and Rescue Foundation“ hat hier das Gelände vorbereitet und die Gebäude erstellt, das „Comitato Collaborazione Medica“, eine kirchliche Organisation aus Italien, ist für den Betrieb zuständig. Die Versorgung der Bewohner könnte dadurch eigentlich gesichert sein, wenn alles gut laufen würde. Tut es aber nicht.

Es liegt sicherlich auch an der Regierung, die viel dafür bezahlt haben will, dass man helfen DARF; an den Witterungs- und Straßenbedingungen, die – wie jedes Jahr – einen Transport der Medikamente zeitweise unmöglich machen; an der Gebermoral der großen Organisationen, die kirchliche Häuser erheblich benachteiligen und deshalb viele lokale Fachkräfte, die tagein tagaus ihren Dienst schieben, nicht bezahlt werden können. Und auch an Freiwilligen, die ihre Freizeit lieber anderswo verbringen. Mein Freund Reinhard Micheel, Emeritus der Aktion Canchanabury aus Bochum, war im März mit dem Bischof dort und nun hat dieser mich eingeladen, für ein paar Wochen das Krankenhaus zu unterstützen. Derzeit ist kein richtiger Arzt dort. Der Service wird von Clinical Officers und Registerd Nurses durchgeführt (übliches professionelles Vorgehen), aber die Notfallversorgung – gerade auch im bei schwierigen Geburten oder größeren Verletzungen - funktioniert halt nicht. Außerdem ist die Stimmung mau, da Veruntreuung von Geld vermutet wird und der aktuelle Stammeskonflikt zwischen Dinka und Nuer (die zwei sich bekriegenden Stämme des aktuellen Bürgerkrieges) irgendwie mitten durch die Angestellten geht.

Gestern Abend habe ich den 79jährigen Bischof zum ersten Mal getroffen. Er ist zwar emeritiert (macht man so mit 75 als leitender Funktionär der katholischen Kirche), hat aber alle Zügel noch fest in der Hand. Heute nach der wöchentlichen „Hauspflichtmesse“ der Projekt-, Büro- und Hausangestellten mit ihm gefrühstückt, 2 – 3 Stunden Projektbesprechung, ein längeres Gespräch mit einem deutschen Arzt aus Neuss, der in Australien lebt und in den Sudan fährt, um seinen Freund Dr. Tom Catena in Gidel zu besuchen, und dann geht es morgen weiter bis Juba. Wenn alles klappt, am Freitag weiter bis Agok und Turalei, vielleicht das letzte Stück erst am Samstag. Das ist die Hinreise. Am 18.12. gibt es den Weihnachtsbesuch des Bischofs in Turalei. Das ist ein Flieger voll mit Hilfsgütern + Bischof, fast wie bei uns - allerdings ohne Schlitten und Rentier -, und am Abend fliege ich mit, direkt nach Nairobi, am nächsten Tag weiter nach Bochum.

Weihnachten zu Hause, Adventszeit im Sudan. Schon jetzt weiß ich, dass ich wieder geerdet zurückkommen werde, mich nicht über alles beschweren werde, wenn was nicht klappt (wenigstens für kurze Zeit!) Wir leben schon irgendwie auf einer Insel. Kann man dort überhaupt helfen? Selbstverständlich. Gestern habe ich auf dem Flug und nachher beim Schlangestehen nochmals ein kleines Buch gelesen (Bruce Wilkinson: The Prayer of Jabez) und da heißt es: Meine Bereitschaft und Schwachheit + Gottes Wille und Seine übernatürliche Kraft = unglaubliche Wirkung/expanding territory. Mit den ersten beiden Faktoren kann ich dienen.

Dazu vielleicht noch ein paar Worte in eigener Sache. Die 3 Wochen Abwesenheit sind Freizeitausgleich für bereits geleistete Überstunden. Meine Oberarztkollegen im EvK Hattingen decken zwischenzeitlich alle Dienste ab. Vielen Dank dafür. Die Reise ist noch nicht bezahlt, d.h. ich habe sie ausgelegt. Über die Aktion Canchanabury in Bochum können Sie sich allerdings beteiligen und sogar eine Spendenquittung dafür erhalten. Vielleicht können wir gemeinsam auch etwas Längerfristiges daraus machen. Kooperationen, vielleicht auch mit Krankenhäusern, halten länger als einmalige Projekte.

Aktion Canchanabury IBAN DE 39430500010034300046 Vermerk: Dr. Klassen Südsudan

In Paraguay: Dr. Alfred Klassen Kto Fernheim 42820-07 Südsudan

Gott befohlen und bis zur nächsten Mail (wenn Netz/Strom/Computer funktioniert)

a.klassen

Autor:

Eberhard Franken aus Bochum

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