Ein altes Bergmannslied ist wieder komplett - und wird ein Revival haben
Nordseewellen unter Tage

Das Bergmannslied wurde nicht nur im Ruhrgebiet gesungen.
  • Das Bergmannslied wurde nicht nur im Ruhrgebiet gesungen.
  • Foto: Stadtarchiv Bottrop
  • hochgeladen von Bettina Meirose

"Ist ja irre, dass das geklappt hat", freut sich Stadtarchivarin Heike Biskup. Neun Strophen eines Bergmannliedes, das in den 50er Jahren nicht nur in Bottrop gesungen, sondern auch in einem kleinen Ort in Bayern bekannt, inzwischen aber vergessen war, konnten mit Hilfe unserer Leser rekonstruiert werden und es soll ein Revival erfahren.

Die Anfrage kam aus dem Bayrischen Büchlberg. Wie der genaue Text eines Liedes war, das den Tagesablauf eines Bergmanns zum Inhalt hatte und zur Melodie von Lale Andersens "Wo die Nordseewellen trecken an den Strand" gesungen wurden, sollte in Erfahrung gebracht werden. Dieses Lied hatte in den 50er Jahren ein Bayer gesungen, der als Bergmann in Bottrop tätig war, wenn er auf Heimaturlaub war. Sein Bruder wollte diesen Text gerne in Erfahrung bringen und fragte beim Stadtarchiv nach, das die Anfrage an die Ehrengarde Prosper Haniel weitergab, welche ihrerseits den Stadtspiegel um Hilfe bat. Und bald erschien auch bei den Nachbarblättern in Bochum, Wattenscheid, Essen, Castrop-Rauxel, Gladbeck, Duisburg und Dortmund sowie im Lokalkompass ein Aufruf. 
Der ehemalige Bergmann Ralf Kusmierz, Sänger im Ruhrkohle-Chor und ehrenamtlich in der Ehrengarde Prosper-Haniel engagiert, ist vom Ergebnis beeindruckt: "Aus zahlreichen Zuschriften und Telefonaten, die bei allen Beteiligten viel Freude auslösten, konnte das Bergmannslied rekonstruiert werden." Dass diese Ruhrgebietskultur ihren Weg nach Bayern gemacht hat, ist nicht ungewöhnlich: "In den 50er Jahren gab es eine hohe Arbeitslosigkeit in den bayerischen Dörfern", weiß Heike Biskup und ergänzt: "Bergarbeiter, die hier in Bottrop tätig waren, hatten zu diesem Zeitpunkt mindestens zwei Bayernvereine gegründet." Das angefragte Lied war damals in Bottrop sehr bekannt. "Mein Vater kannte auch noch die ersten Zeilen, nicht aber das ganze Lied."
Natürlich wird es ab sofort nicht mehr vergessen werden können und einen Platz im Stadtarchiv bekommen.
Und dieses Lied wird ein Revival erfahren: Beim Zusammenstellen der Informationen reifte bei Ralf Kusmierz die Idee, aus drei Strophen des Liedes „Bergmannsleben“ ein virtuelles Musikstück mit vielen Menschen zu erstellen. "Egal, ob mit Blockflöte, Akkordeon, Gesang, oder was auch immer", so Ralf Kusmierz. Noten und Begleitung können unter hier  runtergeladen werden. Die erstellten „Selfie-Videos“ können per wetransfer.com an t-d-i@gmx.de gemailt werden.

Dieses Bergmannslied wurde zur Melodie von Lale Andersens "Wenn die Nordseewellen" gesungen:

Wenn des morgens früh um 5 der Wecker geht, schnell der Bergmann aus dem Bett aufsteht. Zieht sich an und wäscht sich, nimmt die Knifften mit, mit der Kaffeepulle geht es dann zum Pütt.

Ist er dann auf seiner Zeche angelangt, nimmt er seine Marke von dem Markenstand. Geht dann in die Kaue, kleidet sich dort um, und nimmt seine Lampe, geht zum Förderturm.

Tief im Schacht, am rauen dunklen Kohlenstoß, wo er macht die schwarzen Diamanten los. Wo er hackt und schaufelt, schwer mit starker Hand, das ist seine Arbeit für sein Vaterland.

Wenn der Bergmann fährt nach schwerer Schicht hinauf, wünscht der Kumpel seinem Kameraden ein „Glückauf!" Lebewohl mein Lieber, schlaf dich tüchtig aus, und komm morgen wieder, hol dein Soll heraus.

Nach vollbrachter Arbeit geht er dann nach Haus, und er ruht sich dort noch ein wenig aus. Füttert dann die Tauben und die Bergmannskuh, lässt in seinem Garten Unkraut nicht in Ruh.

Nach getanem Hobby er dann geht zur Ruh, schließt zuvor noch Stallung, Fenster, Türen zu. Denkt kurz an die Arbeit, die er hat vollbracht, und wünscht seinen Lieben eine gute Nacht.

Wenn am Sonntag Glockenläuten rüberweht, eilen Bergleut, Fraun und Kinder zum Gebet. Kommt er nach dem Schoppen heiter dann nach Haus, freun sich Frau und Kinder auf den Mittagsschmaus.

Kündet die Sirene auf dem Pütt „Alarm“, packt der Bergmann fest und ohne Zögern an. Will die Kumpel retten, scheut das Dunkel nicht, bis die Kameraden wieder sind am Licht.

Wenn der Bergmann später wirklich scheiden muss, grüß am Grab ihn stille mit „Glückauf!“ zum Schluss.Ziehe hin in Frieden, lass dein Tagwerk ruhn, deines Bergfürst frommer Diener bist du nun.

Autor:

Bettina Meirose aus Bottrop

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