Endlich 50plus: Kleine Eva, große Eva – ob wir uns wohl mögen würden?

Eva Ihnenfeldt: Manchmal beim Spazierengehen mit dem Hund stelle ich mir vor, wie ich war als kleines Mädchen. Damals, als ich noch Respekt hatte vor Allem und Jedem, als ich noch keine „Existenzberechtigung“ kannte. Damals, als ich noch darauf angewiesen war, dass eine allmächtig große Welt mir wohl gesonnen war.

Dann stelle ich mir vor, ich würde auf meinem Spaziergang diesem kleinen Mädchen begegnen. Zwei oder drei Jahre alt ist sie, schüchtern, vorsichtig. Wir würden uns auf eine Bank setzen und ganz behutsam miteinander ins Gespräch kommen. Was würde sie mich wohl fragen? Was würde ich antworten? Würde sie mir vertrauen? Würde sie mich mögen so wie ich heute bin?

Manchmal stelle ich mir vor, ich würde mir begegnen als junges 17, 18-jähriges Mädchen. Eine junge Frau voller politischer Visionen, voller Enthusiasmus für soziale Gerechtigkeit und das persönliche Recht auf Freiheit. Was würde diese leidenschaftliche Eva wohl sagen, wenn ich ihr von meinem weiteren Leben erzähle, das ja nun mal ihre Zukunft sein wird. Würde sie stolz sein auf mich? Oder erschrecken über die vielen Kompromisse und mich verachten dafür, dass ich nicht einen jungen heldenhaften Tod gestorben bin für die „gute Sache“? Würden wir debattieren über Gerechtigkeit und die Alternative des friedvollen Gönnens? Ach wie gern würde ich mich streiten mit der jungen Eva, die noch unterscheiden konnte zwischen „Gut“ und „Böse“ – ob es mir gelänge sie zu überzeugen, dass es solche wahrhaftigen Urteile gar nicht gibt?

Ich habe keine Ahnung, ob die schüchterne minikleine Eva mit vertrauen würde – und ich habe keine Ahnung, ob die mutige jugendliche Eva mich respektieren könnte. Aber eines weiß ich: ich bin stolz darauf, wie ich als Kind und als junges Mädchen war. Ich bin stolz auf meine Lieblingsmusik, meine Bücher und Fernsehlieblinge, meine Tagebucheinträge und alles andere, was ich von damals noch finden kann. Liebe Eva’s der früheren Jahre, gern würde ich erfüllen, was Ihr in mich an Hoffnungen gesetzt habt. Glaubt mir, ich habe mir Mühe gegeben, und ich werde mir weiter Mühe geben bis zum letzten Atemzug. Ich habe nur einen Wunsch an Euch: Verzeiht mir meine Unzulänglichkeit, und gedenket meiner mit freundlich schmunzelnder Nachsicht.

Eva Ihnenfeldt, Jahrgang 1959, ist geschäftsführende Gesellschafterin bei der Business Academy Ruhr mit Sitz in Dortmund. Sie freut sich sehr wenn noch mehr mitschreiben an der Kolumne "Endlich 50plus"!

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