Corona-Krise: Katholische Kirche bietet geistigen Beistand und praktische Hilfe im Alltag
„Das Gottvertrauen nicht verlieren“ - Solidarität zeigen

Bei allen Negativmeldungen in der Corona-Krise sollte man das in den Blick nehmen, was positiv ist, meint der kommissarische Stadtdechant Pfarrer Frank Heidkamp.
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Keine Gottesdienste bis Karfreitag, keine Veranstaltungen in den Pfarrgemeinden und nun die Absage aller Erstkommunionfeiern, Firmungen und bischöflichen Visitationen bis zum 1. Mai – das kirchliche Leben findet in der Öffentlichkeit nicht mehr statt. Bei allen Negativmeldungen in der Corona-Krise sollte man das in den Blick nehmen, was positiv ist, meint der kommissarische Stadtdechant Pfarrer Frank Heidkamp.

Wie erleben Sie als Seelsorger die derzeitige Situation?
So etwas habe ich so noch nicht erlebt und es macht mich sehr traurig, dass keine Heiligen Messen mehr stattfinden. Viele Menschen erleben den Zusammenbruch ihres bisherigen Alltagslebens und das ist für sie absolut negativ. Kindergärten und Schulen sind geschlossen, unsere Pfarrzentren sind zu und darüber hinaus alles, was für das soziale Leben wichtig ist. Unsere Bewegungsfreiheit wird immer mehr eingeschränkt. Das hat es noch nie gegeben. Es sind bei den Menschen ganz viele Sorgen und Fragen da. Ich erlebe aber auch eine hohe Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit, die mit Kirche verbunden wird.

Wie kann Kirche in dieser Zeit dieser Sehnsucht gerecht werden?
Es ist ganz wichtig, dass die Kirchen weiterhin offen sind, zum Gebet oder zum Entzünden einer Kerze für alle, die einem wichtig sind und am Herzen liegen. In vielen Kirchen liegen auch Fürbittbücher aus. Dort können die Menschen ihre Bitten reinschreiben, die dann in die privaten Messen der Priester mit hineingenommen werden.
Das heißt, es werden weiterhin Gottesdienste gefeiert. Wie erleben Sie diese?
Als Priester sind wir verpflichtet, regelmäßig die Heilige Messe zu feiern. Die privaten Messen folgen dem ganz normalen Ablauf – nur ohne Gemeinde. Die Heilige Messe ist ein Dialog zwischen Gott und dem Priester, aber auch zwischen Priester und Gemeinde. Da fehlt im Moment etwas und das tut weh.

Erstkommunion und Firmung sind abgesagt. Was ist mit Beerdigungen, Taufen und Trauungen?
Beerdigungen finden noch statt, aber nur im engsten Familienkreis. Exequien, also eine Messe für den Verstorbenen, gibt es zurzeit nicht und ich gehe davon aus, dass die Friedhofskapellen ebenfalls bald geschlossen werden. Dafür liegt die Entscheidung beim Gartenamt. Für Taufen und Trauungen warten wir noch auf Anweisung vom Erzbistum Köln. Aber viele Paare und Eltern haben die Feiern bereits von sich aus abgesagt.

Was kann Kirche in Zeiten der Corona-Krise für die Menschen tun?
Momentan ist es wichtig, Dinge in den Blick zu nehmen, die positiv sind. Die Kirchen sind weiterhin für das persönliche Gebet geöffnet. Wir Seelsorger und Seelsorgerinnen stehen jederzeit für Gespräche zur Verfügung. Das Angebot an gestreamten Gottesdiensten ist ausgebaut worden, so dass die Gläubigen Gottesdienste am Bildschirm verfolgen können. Die Sterbesakramente und die Krankensalbung werden weiterhin gespendet. Es werden jeden Abend um 19.30 Uhr die Kirchenglocken läuten, um die Menschen zum Innenhalten und zum Gebet einzuladen. Ganz entscheidend ist aber auch die Solidarität untereinander.

Wie kann diese Solidarität aussehen?
Ganz einfach: Für andere da sein. Sei es im Gebet oder in praktischer Nächstenliebe. Ältere Menschen einfach mal anrufen, für sie einkaufen und sie im Alltag unterstützen. Auch da helfen wir Seelsorger weiter. Es gibt vom Caritasverband für uns eine Hotline, die 24 Stunden besetzt ist, und worüber wir Hilfsangebote anfordern können. Wer also praktische Hilfe im Alltag benötigt, kann sich an die Seelsorger vor Ort wenden.

Was ist Ihrer Meinung nach in den kommenden Wochen wichtig?
Es ist wichtig, mit viel Gelassenheit an die Corona-Krise zu gehen, auf die Experten zu hören, entsprechend zu reagieren und vor allem nicht in Panik zu geraten. Hamsterkäufe bringen nichts. Man sollte auch nicht nur an sich denken. Es ist jetzt angesagt, wertschätzend und in Solidarität an das Problem heranzugehen. Die Einschränkungen sind notwendig und müssen so gelebt werden. Es wird auch wieder eine andere Zeit kommen. Wir als Christen sollten eins nicht vergessen: Wir haben einen Gott, der in Höhen und Tiefen bei uns ist. Es ist jetzt ganz wichtig, dass Gottvertrauen nicht zu verlieren.

Bei allen Negativmeldungen in der Corona-Krise sollte man das in den Blick nehmen, was positiv ist, meint der kommissarische Stadtdechant Pfarrer Frank Heidkamp.
Pfarrer Frank Heidkamp.
Autor:

Andrea Becker aus Essen-Borbeck

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