Interview
"Kein grenzenloses Wachstum zu Lasten der Natur."

Hanno Bremer kandidiert im Wahlkreis 27 (Ludenberg-Nord, Grafenberg, Knittkuhl, Hubbelrath) für die CDU. Seit mehr als 40 Jahren prägt Hanno Bremer die Kommunalpolitik im Stadtbezirk 7. Der 75-jährige Grafenberger hat einen Sohn im Teenageralter und ist überzeugter ÖPNV-Nutzer sowie gerne mit dem Rad unterwegs. Bremer ist Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Grafenberg, bis zur letzten Kommunalwahl 2014 stand er als Bezirksvorsteher (heute Bezirksbürgermeister) im Stadtbezirk 7 an der Spitze des Stadtteilparlaments, in das er 1979 einzog. In der laufenden Wahlperiode ist er stellvertretender Bezirksbürgermeister und noch lange nicht politikmüde. Deshalb kandidiert er jetzt für den Stadtrat. Hier spricht er über seine Pläne für den Bezirk, die er im Stadtrat gerne umsetzen möchte.

Ihr Wahlslogan "Für unsere Heimat, für unsere Zukunft" klingt etwas altbacken, manche würden sogar sagen deutschtümelnd. Wie wollen Sie damit junge Wähler ansprechen?

BREMER Für mich ist die Heimat ein Zugehörigkeitsgefühl zu meinem Stadtbezirk, meinem Viertel, in dem ich zuhause bin. Zur Heimat gehören für mich die Natur, die Vereine, die Menschen, die hier bei uns leben. Brauchtum, unsere Kultur und unsere Geschichte gehören genauso dazu, wie die Kneipe um die Ecke, wie auch unsere Dorfläden und Landwirte. Und auch junge Menschen zeigen immer mehr Engagement für ihre Umwelt und für ihre Heimat, wie wir ja bei der FFF-Bewegung sehen.

Was möchten Sie denn für die Jugend tun?

BREMER Das Motto durchgehend für meine gesamte politische Tätigkeit war und ist der Kampf gegen Kinderarmut im Stadtbezirk 7. Der Ausbau von Spielplätzen und Kindergärten ist ein weiteres Thema, das mir wichtig ist. Dazu brauchen wir im Zuge des Klimawandels auch mehr Wasserspielplätze und Verschattungen von Spielflächen. Die Ganztagsbetreuung und Hausaufgabenbetreuung an den Schulen muss ausgebaut werden, unter Beteiligung der Sportvereine für den Sportbereich. Das Sportangebot sollte vielfältiger werden je nach den Interessen der Schüler.
Jeder Schüler sollte ein Tablet, Laptop oder Notebook gestellt erhalten als unabdingbares Arbeitsgerät des modernen Unterrichts. Für jeden Jugendlichen einen Studien- beziehungsweise Ausbildungsplatz als politische Zielrichtung. Das Unterrichtsfach Wirtschaft sollte stärker auf das Berufsleben vorbereiten.

Sie sind passionierter Radfahrer und ÖPNV-Nutzer. Da müssen Sie doch ein Fan der Umweltspuren sein?

BREMER Die Umweltspuren gehören abgeschafft. Damit erreicht man gar nichts, außer Stau. Gut ausgebaute Radwege und neue Radschnellwege sind da wesentlich effektiver. Das Aufpinseln ist purer Aktionismus und reine Geldverschwendung.

Die Rheinbahn wird immer wieder kritisiert. Verspätungen und zu wenig Fahrer. Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?

BREMER Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rheinbahn leisten hervorragende Arbeit. Sie müssen für die Fehlentscheidungen der Geschäftsführung ihren Kopf hinhalten, und sich die Beschwerden anhören. Gerechtere Entlohnung und mehr Personal wäre da hilfreich. Hier hat OB Geisel als Aufsichtsratschef, der unbedingt Clausecker als Vorstandschef haben wollte, der dann nach nur einem Jahr gefeuert wurde, leider kein gutes Bild abgegeben.

In Knittkuhl planen SPD und FDP auf dem Gelände der Bergischen Kaserne eine neue Trabantenstadt. Frau Strack-Zimmermann und Geisel sprechen sogar von einem neuen 51. Stadtteil zwischen Ludenberg und Hubbelrath mit mindestens 5.000 Wohneinheiten. Sie plädieren dagegen für eine maßvolle Bebauung.

BREMER
Eine Trabantenstadt und die Bebauung unserer landwirtschaftlichen Flächen kommen für mich nicht in Frage. Der Erhalt unserer Natur, des Grafenberger Waldes, des Aaper Waldes und unserer Naherholungsgebiete ist eines meiner wichtigsten Anliegen. Eine moderate Bebauung, auch mit Einfamilienhäusern und Reihenhäusern, ist meine politische Zielrichtung. Das Ausmaß an Zerstörung dieser ländlichen Kulturlandschaft durch FDP und SPD zeigt nur zu deutlich, wie wenig heimatverbunden diese Parteien sind, und wie wenig sie sich um die Belange und die Mentalität der Bürgerinnen und Bürger im Düsseldorfer Osten scheren.

Wie stellen Sie sich eine Verkehrsanbindung an das Bergische Viertel vor?

BREMER Seit Jahren kämpfe ich dafür, die B7 in einen Tunnel zu legen. Am Staufenplatz könnte die Straße unter den Wald gelegt werden, und damit den Staufenplatz und den Pöhlenweg entlasten. Auch für neue Ideen, wie beispielsweise eine Seilbahn bin ich offen. Dieses moderne Verkehrsmittel ist in vielen Ländern im Gespräch und auch schon umgesetzt. Die Weiterführung der Stadtbahn von der Wendeschleife am Gerresheimer Krankenhaus bis Hubbelrath oder Mettmann, um dort die Pendler abzufangen und zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen, wäre natürlich am besten, dauert allerdings auch einige Jahre bis zur Umsetzung. Alle Lösungen können nur mit Beteiligung der Bevölkerung umgesetzt werden.

Es fehlt in Düsseldorf preisgünstiger Wohnraum. Wie wollen Sie das Problem lösen, wenn Sie andererseits eine maßvolle Bebauung in Knittkuhl fordern?

BREMER Die CDU hat das Handlungskonzept Wohnen eingeführt. Das Monopolyspiel mit Grundstücken muss endlich aufhören und die Stadtplanung sollte mehr an die Bürgerinnen und Bürger denken, für die sie eigentlich da ist. Häuserabstände von vier Metern und das Zusammenpferchen von Menschen halte ich für unerträglich. Da werden an der Ernst-Poensgen-Allee 80 hochwertige Wohnungen gebaut, die nach dem Handlungskonzept erforderlichen preisgedämpften in Flingern. Also, keine erschwingliche Wohnung für unsere Grafenberger Bevölkerung. Das ist unerträglich.

Der Staufenplatz ist ein Schandfleck in den Augen vieler Grafenberger. Wie sind Ihre Pläne zur Umgestaltung?

BREMER Zusammen mit dem Bürgerverein Grafenberg gibt es schon seit Jahren Überlegungen, wie man den Staufenplatz schöner gestalten kann. Die Funktionen als P+R-Platz, Parkplatz für Veranstaltungen und die rechtliche Zuordnung zu den Vereinen müssen natürlich unter einen Hut gebracht werden. Ferner die Einpassung in eine mögliche Tunnellösung oder eine Seilbahnstation. Ich stelle mir da einen Gestaltungswettbewerb vor.

Für die Anwohner am Ostpark ist der Bahnlärm ein großes Ärgernis.

BREMER An diesem Thema müssen wir dranbleiben und auch heftig Lärm machen bei der DB, damit da endlich etwas passiert. Die Bahn kann sich nicht nur auf den Bestandsschutz berufen. Ich werde nicht aufgeben und für Lösungen kämpfen, wie zum Beispiel eine Einhausung.

Sie haben sich vehement für die Sanierung des Ostparks eingesetzt.

BREMER Seit Jahren setze ich mich für den Ostparkweiher ein. Diesem Grundwasserweiher muss genügend Frischwasser zugeführt werden, damit die Fische überleben und die Wasserqualität erhalten bleibt. In der Sommerhitze sinkt der Wasserstand bedrohlich, so dass im vergangenen Jahr die Feuerwehr für eine Wasserzufuhr und Belüftung des Sees sorgen musste. Die Anbindung an die Düssel wäre eine Option. Ferner fände ich auch eine oder zwei Fontänen schön.

Was wollen Sie gegen den Klimawandel und häufigere Hitzeperioden tun?

BREMER Wer aus der Innenstadt bei heißem Wetter nach Hubbelrath fährt, spürt den klimatischen Unterschied deutlich. Es darf nicht jeder Flecken versiegelt werden. Ersatzpflanzungen von Bäumen müssen bei uns erfolgen und nicht in Solingen oder anderswo. Die Ampelkoalition will allen Menschen, die nach Düsseldorf ziehen wollen, eine Wohnung anbieten. Das ist utopisch und völlig unüberlegt! Ich fühle mich den Menschen verpflichtet, die hier in unserer Stadt leben. Unsere gemeinsame Lebensqualität steht für mich an erster Stelle. Die Stadt muss nicht bis ins Unendliche wachsen, man darf durchaus auch Grenzen des Wachstums setzen. Ich denke nicht, dass wir da Köln nacheifern müssen, um Millionenstadt zu werden. Ein grenzenloses Wachstum würde unserer schönen Heimatstadt nur schaden. Aber wie soll man von einem zugereisten OB schon Feingefühl erwarten können? Geisel hat leider nicht das Heimatgefühl und die Lebensart der Düsseldorfer in sich aufgenommen.

Das Gespräch führte Norbert Opfermann.

Siehe auch das Porträt über Hanno Bremer.

Autor:

Norbert Opfermann aus Düsseldorf

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