"Straße ohne Eltern": Die Charlottenstraße bei Tag und Nacht – ein himmelweiter Unterschied

Die Einrichtungen „Knackpunkt“, „Knackpunkt 27“ und die Drogenberatungsstelle „komm-pass“ luden zur Finissage der Ausstellung „Charlottenstraße bei Tag und Nacht, von schwarz zu grau“ sowie zum Straßenfrühstück ein.
  • Die Einrichtungen „Knackpunkt“, „Knackpunkt 27“ und die Drogenberatungsstelle „komm-pass“ luden zur Finissage der Ausstellung „Charlottenstraße bei Tag und Nacht, von schwarz zu grau“ sowie zum Straßenfrühstück ein.
  • Foto: Oleksandr Voskresenskyi
  • hochgeladen von Kirstin von Schlabrendorf-Engelbracht

Eigentlich ist die Charlottenstraße eine schöne Allee mit alten Platanen, Geschäften, Restaurants und hübschen Altbauten – und das mitten in der Innenstadt. Tagsüber sieht man hier Geschäftsleute, Rentner und Mütter mit Kinderwagen.Abends und nachts macht sich hier jedoch die Drogenszene breit, und Abschnitte der Charlottenstraße, die hin und wieder auch „Straße ohne Eltern“ genannt wird, verwandeln sich zum Straßenstrich.

„Charlottenstraße bei Tag und Nacht, von schwarz zu grau“ heißt eine Ausstellung, die kürzlich in den Einrichtungen „Knackpunkt“, „Knackpunkt 27“ und der Drogenberatungsstelle „komm-pass“ zu Ende ging. Seit März 2014 waren hier Bilder der Frauen zu sehen, für die die Charlottenstraße eine Art „Zuhause“ ist, die hier leben und in späteren Abendstunden „arbeiten“ (müssen). Sie zeigen aus ihrer Sicht Schönes, Bewegendes und alltägliche Dinge, die ihnen wichtig sind. Des Weiteren hat die Fotodesignstudentin Monika Gillessen genau diese Frauen begleitet und fotografiert. Bei einem Straßenfrühstück hatten interessierte Düsseldorfer zudem die Möglichkeit, sich über die Arbeit des Fachbereiches Drogenhilfe des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer Düsseldorf (SKFM) zu informieren und die Einrichtungen zu besuchen.

Erste Notschlaftstelle in der Stadt

„Knackpunkt ist die erste und einzige Notschlafstelle in der Stadt für Mädchen und junge Frauen bis 27 Jahren, die quasi auf der Straße leben, größtenteils drogenabhängig sind und der Beschaffungsprostitution nachgehen“, erklärt Birgit Schmitz, Leitung Fachbereich Drogenhilfe beim SKFM. „Sie kommen zum ,KnacKPunkt‘ zum Übernachten, um einen Kaffee zu trinken, Wäsche zu waschen oder sich aufzuhalten und einfach nur zu reden. Auch neue Kleidung können sie hier bekommen. “ Die Einrichtung auf der Grupellostraße mit bis zu zwölf Schlafplätzen ist eine erste Anlauf- und Kontaktstelle, in der Mädchen und junge Frauen zur Ruhe kommen, erste Hilfen und Beratung erfahren können, ohne – wenn gewünscht – dabei ihre Anonymität aufgeben zu müssen. Darüber hinaus werden die so genannten Klienten durch tägliche, abendliche Straßensozialarbeit in ihrem Lebensumfeld betreut. „Knackpunkt 27“ hilft und unterstützt Frauen ab dem 27. Lebensjahr, die illegale Drogen konsumieren, wohnungslos sind und der Beschaffungsprostitution nachgehen.

Die ambulante Beratungsstelle „komm-pass“ auf der Charlottenstraße 30 ist zudem „szenenah“ angesiedelt und deckt mit der Information und Beratung Drogenabhängiger bis hin zu Streetwork ein breites Hilfespektrum ab. Birgit Schmitz: „Junge Kiffer, langjährige Heroinabhängige sowie Eltern und Verwandte Suchtgefährdeter suchen bei uns das Gespräch und Hilfe. Schulden, Wohnung verloren, Frau und Kinder aufgrund des Drogenkonsums abgehauen – die Themen sind breit gefächert und der Gesprächsbedarf enorm. Viele Klienten brauchen eine psychosoziale Betreuung neben ihrer Drogentherapie.“ Die abstinenzgesteuerte Einrichtung begleite seine Klienten und Klientinnen und motiviere sie. Die psychosoziale Betreuung ist für Birgit Schmitz dabei das Wesentliche. Insgesamt werden hier pro Jahr rund 830 Menschen betreut, davon etwa 500 im Rahmen der psychosozialen Begleitbetreuung bei Substitution.

Mit Einwegkameras selbst fotografiert

„Das Projekt ,Charlottenstraße bei Tag und Nacht, von schwarz zu grau‘ ist eine Ausstellung unserer Klienten aus dem gesamten Fachbereich“, sagt sie. „Zum einen begleitetet die Fotodesignstudentin Monika Gillessen unsere Frauen, die wir betreuen. Zum anderen haben sich unsere Klientinnen mit Einwegkameras auch selber fotografiert.“ Wie sich die Straße nachts verwandelt, das werde durch die Bilder gut deutlich. Ein Buch, Zigaretten, kleine Stofftiere, ein Hund, die eigenen Füße, ein Rucksack – liebevoll mit kleinen Accessoires verziert -, Löffel und Spritzen auf einer spießigen Häkeldecke: „Die Mädchen waren mutig und haben sehr viel gezeigt. Viele Botschaften sind in ihren Fotos versteckt.“
Wer es nicht zur Ausstellung geschafft hat, hat die Möglichkeit, die Bilder Ende des Jahres noch einmal zu sehen. Denn diese werden nun in einem Fotobuch zusammengefasst, das am 11. Dezember um 18.30 Uhr im Derendorfer Familienzentrum, Metzerstraße 20, ausgelegt ist. Anschließend wird es im „komm-pass“ und im „Knackpunkt“ zu finden sein.

Hintergrund

„Knackpunkt“ in der Grupellostraße 29 + 33 nimmt gut erhaltene Frauenkleider für seine Klientinnen gerne entgegen. Gerade Unterwäsche und BHs, aber auch Socken und wärmere Kleidung und Schuhe werden immer benötigt.

Öffnungszeiten für Kleiderspenden: So, Di, Do, Fr: 21.30 -bis 10 Uhr, Mo, Mi, Sa, Feiertag 21.30 bis 9 Uhr (Nachtruhe von 1 bis 7 Uhr) oder aber im SKFM Düsseldorf auf der Ulmenstraße 67 von 9 bis 17 Uhr. Weitere Infos: Tel.: 359243.

Autor:

Kirstin von Schlabrendorf-Engelbracht aus Düsseldorf

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