Sonntags auf dem Flohmarkt an der Messe Essen:
Das Trödel-Duo im Einsatz

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Essen. Der Keller quillt über mit Müllsäcken voller Kleidung, Schuhen und Gedönz. Es ist mal wieder Zeit für den Gang auf den Flohmarkt, ob frau will oder nicht. Also, Augen zu und durch: Am Sonntag wird an der Messe Essen getrödelt, Aktion von Mutter und Tochter im Doppelpack.

Sonntagmorgen, halb sechs:
Der Wecker klingelt, also, raus dem Bett, ab ins Bad. Ein Blick nach draußen zeigt, dass es auch in der Nacht geregnet hat, 16 Grad, schattig, na, das kann ja heute heiter werden, denke ich. Fünf Minuten später kommt auch die Tochter verschlafen aus dem Zimmer. Getreu dem Slogan: Gemeinsames Leid ist halbes Leid, trinken wir einen Kaffee, schmieren Stullen und ab geht es im voll bepackten Auto in Richtung Messe Essen. "Da passt kein Blatt mehr rein ...", sind wir uns einig.
Wer denkt, morgens um halb sieben ist die Welt im Essener Süden noch in Ordnung, der irrt. Auf dem Parkgelände am Giradet-Haus ist schon richtig Stimmung: Da wird in den Autos der Trödler gehupt und geflucht, obwohl die Ordner alles bestens im Griff haben. Aber, der Druck, nicht den "besten Platz" zu bekommen, ähnelt dem der Liegen-Reservierer im Urlaub am frühen Morgen. Die Sorgen sind jedoch unbegründet, jeder bekommt seinen Stand zugeteilt. Der Vorteil: Wir dürfen mit dem Auto aufs Gelände und müssen unsere Sachen nicht schleppen, ein Segen. Die Lage wird kurz gecheckt, dann kommt der Tapeziertisch zum Einsatz, links und rechts werden noch zwei Decken drapiert, um die Ware zu präsentieren. Drei Meter reines Shopping-Vergnügen! Das Auspacken erweist sich jedoch als schwierig, denn die ersten Schnäppchensammler und Händler sind schon unterwegs. "Hast Du Handys, Computerspiele, Schmuck oder Pelze?", lautet die am meisten gestellte Frage. Hier wird alles geduzt, Zeit ist Geld. Ok, mit einem der gewünschten Stücke kann ich dienen. Heißt Säcke aufmachen und suchen ... Kaum gefunden, wird gefeilscht wie auf dem Bazar. Der Deal steht und die erste "Kohle" kommt in die Kasse. Weiter gehts mit dem Auspacken. "Hat sich wirklich soviel angesammelt? Unglaublich!", denke ich mir. Auch die Tochter kann sich ein Lachen nicht verkneifen: So manch ein Teil weckt Erinnerungen oder verleitet zum Kopfschütteln: Fehlkauf oder glatte Geschmacksverirrung!? Egal, wir packen beherzt aus und um halb acht steht die Kür beziehungsweise der Stand in voller Pracht. Und nun heißt es warten: Die ersten Händler haben ihre "Beute" im Sack, es wird ruhiger. Noch lassen sich die Kunden Zeit, noch. Zeit, um "Studie" zu betreiben, was sich als äußerst interessant erweist. 

Halb zehn Uhr: Nun beginnt die Wühlerei. Wer es ordentlich liebt, ist hier fehl am Platz. Im Duo legen wir unsere Waren stets liebevoll zusammen. Eine Sisyphus-Arbeit wie sich im Laufe des Tages zeigen wird. Zudem scheinen die Preise dem einen oder anderen Standbesucher nicht zu passen. Flohmarkt heißt in der Regel feilschen. Hier ist das Prinzip eher: Augenkontakt vermeiden, wortlos weiter gehen oder alles für einen Euro schnappen. Tja, man lernt nie aus.
Die Premium-Stücke, unsere Highlights, stets gut im Blick, werden mittig postiert. Sicher ist sicher, wie wir schnell erfahren: "Pack die Sachen in die Tasche und hole sie nur auf Anfrage raus, man kann nie wissen ...", lautet die Ansage verschiedener Händler. Danke für den Tipp!

Zwölf Uhr: Die Zeit vergeht nicht im Fluge, die Geschäfte laufen gut, aber nur schubweise, als ob im Viertelstunden-Takt ein Bus ankommt. Der fliegende Händler verkauft derweil Brezel für vier Euro (!), kein Schnapper, aber der Hunger treibts rein. "Vier Euro, dafür müssen wir schon wieder zwei Shirts verkaufen", so das Fazit der Tochter. Stimmt, bei den Einnahmen fängt man an, die Preisgestaltung mit einem anderen Blick zu sehen. Gleiches gilt für die Standgebühr: Zehn Euro pro laufender Meter sind ok, dazu zehn Euro Müll-Gebühr, die man jedoch zurückerstattet bekommt, wenn der Platz anständig hinterlassen wird. Dazu kommen neun (!) Euro Standgebühr, die sich uns nicht erschließen (?), macht 49 Euro. Die muss der kleine Trödler erstmal wieder einnehmen ...

14 Uhr:
Die Sonne knallt auf den Asphalt, es wird lecker warm. Die Kundschaft wühlt sich glücklich durch das Sortiment, wir haben alle Hände voll zu tun. Um uns herum wird ebenfalls gehandelt. Die junge Truppe von gegenüber hält sich mit Mucke und guten Sprüchen bei Laune. Ein Blick nach links und rechts lässt erahnen, wie lange manch ein Keller nicht mehr entmistet wurde ...

15 Uhr: Die Besucherzahl lässt langsam nach, die Müdigkeit nimmt ihren Lauf. Nicht gähnen, ist schlecht fürs Geschäft.

15.45 Uhr: Der Trödelbedarf ist gedeckt, die Kasse stimmt. Ab 16 Uhr hat man die Möglichkeit, den Platz zu verlassen. Also wird alles, was nicht verkauft wurde, wieder eingepackt, ins Auto verstaut und ab geht es nach Hause. Doch vorher wird dem Altkleider-Container noch ein Besuch abgestattet. Vorläufig kommt nix mehr in den Keller, versprochen!
Fazit: Ein schöner, aber anstengender Mutter-Tochter-Ausflug, der jedoch für die nächsten zwei Jahre nicht wiederholt wird ...

Nur die harten Trödler kommen in den Garten: Sonntagsmorgens um sieben Uhr am Stand.
Autor:

Andrea Becker aus Essen-Borbeck

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