"Auch Täter sind sehr freundlich"

In einem lebendigen Vortrag brachte Kriminalhauptkommissarin Brigitte Niebuhr den Gästen im Dilldorfer Marienheim die Thematik Trickbetrug an Senioren näher.
  • In einem lebendigen Vortrag brachte Kriminalhauptkommissarin Brigitte Niebuhr den Gästen im Dilldorfer Marienheim die Thematik Trickbetrug an Senioren näher.
  • hochgeladen von Melanie Stan

In den vergangenen Wochen vermeldete die Essener Polizei eine ganze Reihe von Trickdiebstählen gleich in mehreren Stadtteilen. Die Opfer waren stets Senioren.

Dabei ist diese Form von Kriminalität bei weitem kein saisonales Phänomen. „Trickdiebstahl bei Senioren hat immer Konjunktur“, weiß Brigitte Niebuhr von der Essener Polizei. Die Kriminalhauptkommissarin ist für einen Vortrag zum Thema „Wie schütze ich mich vor Trickdieben und Trickbetrügern?“ ins Dilldorfer Marienheim gekommen. Zuhörer sind Mitglieder des Dilldorfer Seniorenkreises.
Seit sieben Jahren ist die 55-jährige Kommissarin in der Abteilung „Prävention und Opferschutz“ bei der Essener Polizei tätig und kennt die Maschen der Betrüger. „Lassen Sie keine fremden Menschen in Ihre Wohnung!“ - mit diesem Satz beginnt Niebuhr ihren Vortrag und wiederholt ihn im Laufe desselben noch mehrmals. „Das ist der wichtigste Satz, den kann ich gar nicht oft genug sagen.“
Alte Menschen verbächten im Schnitt 80 Prozent ihrer Zeit zuhause, referiert die Kommissarin. Ein Ort, an dem man sich in der Regel sicher fühlt. Und genau darauf seien die Täter eingestellt. Die Gefahr klopft quasi an die eigenen Wohnungstür und das meist mit einem freundlichen Gesicht. „Auch Täter sind nett und freundlich, sehen ordentlich aus, können reden - schließlich wollen die ja zu Ihnen rein!“, warnt Brigitte Niebuhr. Die Kommissarin schildert die typische Dramaturgie einer Tathandlung: „Ein Senior geht einkaufen. Zurück am Mehrfamilienhaus geht eine fremde Person mit herein, grüßt freundlich. Ist der Senior in der Wohnung, kommt der fremde ‚nette Mensch‘, schellt an, sagt, die Nachbarn seien nicht da, er wolle ihnen eine Nachricht hinterlassen. ‚Können Sie mir einen Zettel rausreichen?‘“ Man will freundlich sein, dem Nachbarn einen Gefallen tun. Kurzum: man macht’s: geht Zettel und Stift holen; lässt dabei die Wohnungstür offen, man will sie dem freundlichen Fremden, der da auf der Fußmatte steht, schließlich nicht vor der Nase zusperren. Brigitte Niebuhr: Die Folge ist, der Täter tritt in den Wohnungsflur, sagt so etwas wie ‚Das Licht ist hier nicht so gut“, man geht z.B. in die Küche. Und durch die Wohnungstür, die der Trickdieb nur angelehnt hat, schleicht ein zweiter Täter in die Wohnung, während der erste das Opfer ablenkt. Die beiden sind über alle Berge, bevor der Diebstahl überhaupt bemerkt wird.“
Der Trick soll auch mit einem Wasserglas „bestens“ funktionieren und ist den meisten durch Zeitungsberichte zumindest oberflächlich geläufig. Und doch passiert’s immer wieder. „So wie Sie hier sitzen, würden Sie doch nie einen Fremden in Ihre Wohnung lassen!“, ruft die Kommissarin für Straftatvorbeugung ihren Zuhörern zu. Zustimmung bei den Gästen.„Das ändert sich in dem Moment, wo e s schellt oder laut an der Wohnungstür klopft!“
Den Tätern kommt vielleicht der Überraschungsmoment zupass. Das Gelesene setzt sich nicht gleich in Handlung um oder man weiß gar nicht, man sich in solch eine Falle richtig verhält. Außerdem wirkt der Fremde nett und ordentlich. Sieht so ein Dieb aus? Und die eigene Höflichkeit. „Unsere anerzogene Höflichkeit sorgt dafür, dass wir dem Fremden die Chance zur Straftat geben.“ Und der wird noch viel zu oft fündig in den Wohnungen von Senioren. „Schmuck, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hat, oder Geld, das daheim aufbewahrt wird. Glauben sie mir, es gibt in einer Anderthalb- bis Dreiraumwohnung kein sicheres Versteck!“ Daher, so die Kommissarin, sei ein Minimum an Sicherheit wichtig: „ein Türspion, ein Kastenriegelschloss, mit dem sich die Tür noch einen Spalt breit öffnen lässt. Den Querriegel sieht man von außen an der Rosette. Der Täter im Hausflur denkt ganz schlicht: eine Tür mit Riegel, eine ohne. Wo bricht er wohl ein?“ Die Kommissarin wird deutlicher: „Bei einer Tür ohne Sicherheitseinrichtung entscheiden nicht Sie, ob Sie jemanden reinlassen. Der andere hat mehr Kraft.“
Oft klopft der Gauner auch als falscher Handwerker, z.B. von den Stadtwerken, an, tritt dabei häufig entschiedener auf als der „nette Fremde“. Eine dringende Reparatur sei nötig. Würde der Zutritt zur Wohnung verweigert, könnte ein Schaden entstehen. „Ein Versuch, dem Opfer die Verantwortung zuzuschieben.“ Sich den Ausweis des vermeintlichen Angestellten zeigen zu lassen, hält Brigitte Niebuhr für weniger hilfreich: „Das Problem ist, man weiß nicht, wie der Ausweis richtig auszusehen hat oder die betreffende Firma oder Behörde sagt einem rein gar nichts.“ Besser - wieder einmal: den Fremden nicht hereinlassen. „Bitten sie die Person, nach draußen vors Haus zu treten und erfragen Sie durchs Fenster seinen Namen. Überprüfen Sie die Angaben per Telefon.“ Auch das Hinzubitten eines Vertrauten kann vor einer Straftat schützen. „Auch wenn die Person unwirsch wird, Sie sind sicher, solange der andere draußen ist. Und wenn der dann vielleicht unablässig schellt, nicht von der Wohnungstür weggeht, sagen Sie laut, Sie rufen die Polizei! Der Typ geht tatsächlich weg, weil er ein Betrüger ist oder er bleibt, weil er keiner ist - dann haben Sie trotzdem alles richtig gemacht!“
Beim Zusammentreffen mit einem Unbekannten, der sich etwa als ehemaliger Arbeitskollege des verstorbenen Mannes ausgibt und gerne auf ein Pläuschchen mit nach Hause kommen würde, rät Brigitte Niebuhr: „Vertrauen sie immer sich, nicht dem Fremden, wenn Sie sicher sind, diesen Menschen nicht zu kennen. Treten Sie selbstsicher auf, sagen Sie „Nein“, gehen Sie weg!“
Eine weitere Eintrittspforte für Verbrecher ist die Telefonleitung. Hier können alle Zuhörer im Saal des Marienheims mitreden. „Lassen sie sich die Festnetz-Telefonnummer und den Namen geben und rufen Sie erst zurück, nachdem Sie die Nummer per Auskunft überprüft haben.“ Ein „Spiel mit der Neugier“ nennt die Kriminalkommissarin die Betrugsmasche, bei der Nummern von in Abwesenheit eingegangenen Anrufen auf den Telefon-Display erscheinen. „Das sind oft ganz lange Zahlen. Ein hoher Prozentsatz ruft zurück und wenn man Pech hat, ist es eine teure Nummer und der Gebührenzähler rattert nur so.“
Gleich mehrere Damen im Saal beklagen, dass die Frau nach dem Tod des Mannes mit Vornamen im Telefonbuch steht - unaufgefordert. „Rufen Sie Ihren Telefonanbieter an und verlangen eine Änderung“, rät Ulrike Niebuhr. Generell gelte: „Geben Sie nie zuviel von sich preis! Vorsicht auch bei Gewinnspielen, wo Name, Adresse und Alter abgefragt werden. Geben sie solche Daten nicht bereitwillig her! Erzählen sie im öffentlichen Raum, z.B. im Bus, bei Gesprächen mit Bekannten nicht zuviel von sich, ein Täter könnte mithören und setzen Sie bei Dienstleistungen wie Reparaturen auf vertraute Unternehmen. Und: Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung!“

Sicherheit für Senioren:
Die Abteilung "Prävention und Opferschutz" im Essener Kriminalkommissariat, Büscherstraße 2-6, bietet kostenlose Vorträge für Seniorengruppen und Sicherheitskurse für Seniorinnen und Senioren an.
Interessierte melden sich bei Brigitte Niebuhr, Tel.: 0201/829-5456, E-Mail: brigitte.niebuhr@polizei.nrw.de oder ihrem Kollegen Jürgen Probst, Tel.: 0201/829-5455, E-Mail: juergen.probst@polizei.nrw.de
Hilfreiche Tipps zum Thema Einbruchsschutz gibt es ebenfalls im Polizeipräsidium an der Büscherstraße 2-6. Dort gibt es einen Schauraum mit Beispielen zur wirksamen Sicherung der eigenen vier Wände. Kontakt unter Tel.: 0201-829 - 54-12/ -13,-19 oder -16.

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