Novelle: „Fremd in Alaska“ Blick ins Buch ...

Eines der letzten großen Rennen der Welt, das Alaska mehr als eine Woche in Atem hält, und bei dem die Hunde pro Tag und Tier knapp 10.000 Kalorien verputzen, begann für Ruth Anfang März 1990 an der Kreuzung von Fourth Avenue und D-Street in der Innenstadt von Anchorage.
Alljährlich treffen sich hier Männer und Frauen, blutige Anfänger und alte Hasen, die sich auf dem legendären Iditarod-Trail einer Herausforderung stellen, die in der Welt Ihresgleichen sucht.
Da geht es über 1.049 Meilen, knapp 1.680 Kilometer durch die einsame Schneewildnis von Alaska, zwischen Anchorage und Nome.
Extreme Minusgrade, atemlose Aufholjagden, mannshoher Schnee und heulende Stürme, sind die Begleiter dieses über mehr als 10 Tage andauernden Härtetests. Doch mögen es die schnellsten vielleicht in zeh n tagen schaffen, für die meisten Teilnehmer, ist es immer noch ein mehr als Zwölf-Tage-Abenteuer.
Zwischen Taknota und Kaltag nimmt das Rennen auf rund 500 Kilometern jährlich einen anderen Verlauf. (Südroute/Nordroute) Auf dem gemeinsamen Trail gibt es in Abständen von etwa 32 bis 150 Kilometern, Anchorage und Nome eingeschlossen, mehr als 25 Checkpoints, sprich: Kontrollpunkte.
Am Tag des Rennens zeigte das Thermometer Minus 20 Grad. Für die Metropole Anchorage eher ungewöhnlich. Im Winter sacken die Temperaturen im allgemeinen nur zwischen Minus10 Grad und Minus 3 Grad ab. Ein eiskalter scharfer Wind fegte durch die Straßen. Die Luft war erfüllt von Gebell und Wolfsgeheul.
Die angetretenen Teams fieberten dem Start entgegen. Die Schlitten waren beladen, die Ausrüstung kontrolliert, den Hunden das Geschirr angelegt, sie zerrten an den Leinen, waren kaum noch zu halten.
Bis auf die letzten 200 Kilometer nach Nome hatte das Serum-Rennen, rund 65 Jahre früher, mit diesem sportlichen Ereignis nicht viel gemeinsam, ausgenommen, das es heute wie damals, von alle Beteiligten, vom Menschen und Hunden das Letzte forderte.
Ruht ließ sich einstimmen, genoss das farbenprächtige Bild am Start, den Ansturm der Touristen und Journalisten aus aller Welt. Sie hatte Dieter Becker aus dem Sauerland trotz des Trubels, der um sie herum herrschte, in einem Pulk vom Mushern sofort erkannt.
In manchen Wintern in denen Schnee nur spärlich vom Himmel fiel, gab es kaum Trainingsmöglichkeiten vor der Haustür, also im Sauerland. Dagegen kannte Dieter Becker ein profundes Mittel: Er ging jedes Jahr ins Ursprungsland nach Alaska. Suchte sich einen Lehrmeister und bereitete sich schon Monate vorher auf das Rennen vor. Ruth ließ ihr Gespann für einen Moment in der Obhut von Mark Smith und schlängelte sich durch die vielen Menschen. Dieter Becker erkannte Ruth sofort. „Schön, Sie wieder zu sehen.“
Sie schüttelten sich wie alte Bekannte die Hand.
Über seine Schulter hinweg entdeckte Ruth plötzlich Caroline Schwarz mit ihrem Gespann. Sie war von einer Meute Fotografen umringt. Kein Wunder. Sie wurde in diesem Jahr als heiße Favoritin gehandelt. Das Blitzgewitter das von allen Seiten über sie herein brach, störte schien sie nicht im Geringsten zu stören, denn sie lächelte professionell wie ein berühmtes Fotomodell in die surrenden Kameras.
Ruht verspürte plötzlich den Drang, zu ihren Hunden zurückzukehren. Sie verabschiedete sich hastig von Dieter Becker, wünschte ihm einen gelungenen Start und tauchte in der Menge unter.
Ruth hatte, wie all die übrigen Teilnehmer auch, die diesjährigen Rennbedingungen erfüllt: Die Gebühr von 1.750 Dollar war entrichtet, sie war älter als 18 Jahre und sie hatte ein Minimum von 5 Pfund Hundefutter pro Hund vorab an die Checkpoints entlang der Rennstrecke gesandt, wo die Hunde ausruhen mussten.
Die von der Rennleitung geforderte Teilnahme an früheren 500-Meil-Rennen oder zwei anerkannte Rennen von insgesamt 500 Meilen Länge, hatte ihr zuerst großes Kopfzerbrechen bereitet, bis Mark Smith ihr riet, an privaten Rennveranstaltungen und an dem im Januar bis März an jedem Wochenende stattfindenden „Sled Dog Racing“ in Anchorage teilzunehmen,. Was sie dann auch getan hatte, wenn auch mehr oder weniger erfolgreich.
Doch etwas hatte ihr Tag und Nacht Kopfzerbrechen bereitet: Die Beladung des Schlittens. Die Beantwortung der Frage: Wie viel brauch` ich, um wirklich nur das Notwendigste mitzunehmen, was soll ich weglassen, musste sie einem Fachmann wie Mark Smith überlassen, da ihr die Erfahrung fehlte.
Der Start des Rennens stand unmittelbar bevor. Alle am Rennen teilnehmenden Hunde werden elektronisch markiert, damit nicht müde gegen frische ausgetauscht werden. Wer gegen die Regeln verstößt, muss mit Strafen bis zu 1.000 Dollar rechnen. Nur noch Minuten trennten Ruth von dem Augenblick, auf den sie in den letzten Monaten unter dem strengen Auge von Mark hingearbeitet hatte. Die Hunde akzeptierten sie inzwischen als ihre Herrin, aus deren Hand sie Nahrung und Zuneigung erhielten.
Die Teams starteten in zweiminütigen Intervallen. Jedes Gespann bestand aus 12 bis 16 Hunde.
„Fife, four, three, two, one, go“! Die Hunde stemmten sich ins Geschirr, der Schlitten wurde nach vorne gerissen. Schneebrocken wirbelten auf. Das erste Gespann jagte davon. Dann das Nächste und wieder das Nächste. Als Ruth mit der Startnummer zwölf an den Start ging und ihrem Leithund „Frosty“ ein aufmunterndes „Go“ zurief, nahm niemand besonders Notiz von ihr.
Durch Wälder, über Tundren und gewaltige Gebirge führt der Iditarod-Trail. Nebel, Minusgrade, Schneestürme, so heftig, dass man nicht einmal mehr die Schwanzspitze des letzten Hundes vor dem Schlitten sieht, mit diesen Schwierigkeiten hatten Ruth und die anderen Teilnehmer zu kämpfen. Vor ihr und den anderen lagen Tage ohne Schlaf, die gepaart waren mit extremen körperlichen Anstrengungen ….

Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 9783837081794 auch als E- Book erhältlich (s. auch Amazon Libri u. a.)

Autor:

Ursula Hickmann aus Essen-Süd

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