Farbe bekennen: Gemälde von Christian Awe am Rupprecht-Haus enthüllt
Ein Bekenntnis zu Freiheit, Farbe und Vision

Gespanntes Warten auf den großen Augenblick!
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Um das Fazit vorweg zu nehmen: Es war ein wunderbarer Abend in der Gevelsberger Innenstadt. Die feierliche Enthüllung des großformatigen und farbenfrohen Kunstwerkes des Künstlers Christian Awe am „Rupprecht-Haus“ wurde zu einem Bekenntnis von Freiheit, Farbe und Mut. Gegen die Stimmen der Oppositionsparteien stimmte der Rat in Gevelsberg mehrheitlich dem Ankauf der Rupprecht-Immobilie durch die Stadt Ende 2019 zu. Für Bürgermeister Claus Jaobi (SPD) ein Schlusspunkt in einer langen Diskussion zur Zukunft des Gebäudes. Für ihn gehört das „Herz der Stadt“ in die Hand der Bürger. Seine Vision, an der Fassade des ehemaligen Kaufhauses mit „herrlicher Kunst in unserer Stadt“ einen neuen optischen Mittelpunkt mit Aussagekraft zu schaffen, wurde jetzt wahr. Gemeinsam mit Sponsoren und einem tatkräftigen Unterstützer-Team und im Schulterschluss mit den Mitarbeitern der Verwaltung gelang ein wunderbares Projekt, das im Rahmen der Corona-Schutzmaßnahmen eine würdige Einweihungsfeier erlebte. Vertreter aller im Rat der Stadt vertretenen Parteien nahmen daran teil.
200 geladene Gäste durften die farbenfrohe Einweihung live verfolgen. Hinzu kamen jene, die rundum an den Fenstern der Häuser standen und Bürger, die hinter der Absperrung das Spektakel verfolgten. Mehr war – Corona geschuldet – nicht erlaubt. Aber es wurde live gestreamt und so konnten noch mehr Menschen dabei sein, als das extra für diesen Anlass gefertigte weiße Enthüllungstuch auch tatsächlich fiel. Passend zum Motto „Farbe bekennen“ waren die umliegenden Gebäudefassaden in buntes Licht getaucht. Die Spielleutevereinigung Gevelsberg bescherten einen stimmungsvollen Auftakt, bevor VHS-Direktor Achim Battenberg das Wort ergriff. Dieser Abend – und das war deutlich spürbar – war ein lang ersehnter Befreiungsschlag in einer herausfordernden Zeit. Die Maske wurde in Kauf genommen, um endlich wieder zusammen sein zu können. Die Verhüllung der unteren Gesichtshälfte war ein „Fliegenschiss“ im Verhältnis zur Enthüllung des 169 Quadratmeter großen Gemäldes von Christian Awe. Immerhin war für die Veranstaltung mit dem Berliner Künstler die Innenstadt im Kreuzungsbereich Wittener Straße/Mittelstraße gesperrt worden. Das passiert ja auch nicht alle Tage. Den Gevelsbergern ist der Streetart-Künstler aus Berlin kein Unbekannter. Im vergangenen Jahr zeigte er seine großformatigen Bilder im Sparkassen-EnnepeFinanzCenter. Seine Bilder sind eine Mischung aus Streetart und abstraktem Expressionismus. Der in Berlin lebende Künstler ist auf der ganzen Welt zuhause. Sein Atelier steht in Berlin-Lichtenberg. Ausstellungen hat er überall auf der Welt. Noch faszinierender sind seine Fassadenbilder – bei Porsche in Hamburg, aber auch in den USA, in Russland, in Österreich und Japan. Und natürlich in Berlin – an der Frankfurter Allee, an der Hauptstraße. Gigantisch und bis 500 Quadratmeter Fläche. Eines seiner Kunstwerke steht im Übrigen auch leihweise im Büro des Gevelsberger Bürgermeisters. Und der macht aus seiner Begeisterung keinen Hehl. Doch um seine Vision für das Gevelsberger Rupprecht-Haus wahr werden zu lassen, musste der Bürgermeister Unterstützer finden. Träger des Projektes ist der Förderverein der Volkshochschule. „Mit Ausnahme des Gerüsts wurde das Projekt jenseits des städtischen Haushaltes finanziert", erklärt Jacobi. Die Ausgaben für das Gerüst seien von dem Geld finanziert worden, das für die Verschönerung und Pflege der Fassade ohnehin vorgesehen war. Eine große Spende kam von einem „Kind der Stadt", dem Unternehmer Axel Vollmann. Der erklärte an diesem Abend launig: „Ja, ich bekam den Anruf von Claus Jacobi in Zeiten, als die Corona-Krise gerade einen deutlichen Umsatzeinbruch bescherte. Aber ein Unternehmer muss ja Optimist sein.“

Wenn eine Vision wahr wird

Weitere Sponsoren und Unterstützer – die örtliche Sparkasse, der Bauverein, Pro City, Tepass & Seitz und viele andere – halfen mit, die Idee umzusetzen. Die Projektleitung hatte Annette vom Bruch von der Malschule „Maldumal“. Die bunte Vielfalt der Unterstützer zeigte sich an diesem Abend immer wieder auch im Programm. Gespräche mit Sponsoren wechselten ab mit musikalischen Beiträgen. Die „Fidelen Vogelanger 2.0“ spielten auf. „Power Africa“ bot mit Gesang, Trommeln und Tanz den Blick über den eigenen Tellerrand. Ganz im Sinne des Künstlers. Sein soziales Engagement ist groß: in Burkina Faso baute er Schule und Krankenhaus. Er engagiert sich für Flüchtlingsprojekte, für die Obdachlosenhilfe und viele weitere soziale Ideen. Hochengagiert und voller Leidenschaft für die Dinge, die er tut.
Dann kam der große Augenblick. Bürgermeister und Künstler griffen beherzt zu und enthüllten eine großformatige Farbenexplosion. Christian Awe sah sein Werk zum ersten Mal „hängen“ und, von Lichtern angestrahlt, war es ein gemaltes Farbenmeer am Gevelsberger Nachthimmel. Und während Besucher der Musik lauschten und sich unterhielten, gönnte sich der Künstler mit Fernglas einen kleinen Moment für einen ganz individuellen Blick auf sein Werk. Dabei ist das Projekt mit diesem Abend nicht beendet. Kulturell interaktiv soll es werden. „Es soll ein Austausch mit und rund um den Künstler Christian Awe entstehen", so Jacobi. Ansässige Kunstschulen, Organisationen, Vereine, die Volkshochschule und vor allem die Bürger sollen in der Zeit, in der das Kunstwerk die Fassade des Rupprecht-Hauses ziert, an dem Gemälde partizipieren und sich mit Aktionen beteiligen. Und weil der Berliner Künstler mindestens im Herzen Gevelsberger ist, erhielt er neben einer eigens gefertigten Laptop-Tasche einen Gevelsberger Mund-Nasen-Schutz mit Aufschrift.
Für die Stadt selbst ist nicht nur das Kunstwerk ein Ausdruck von Optimismus und Zukunft. Über drei Millionen Euro als Fördergelder vom Land NRW für die Sanierung des Vendômer Platzes und dem Umbau des Rupprecht-Hauses werden die Innenstadt verändern. In das ehemalige Kaufhaus im Zentrum kehrt wieder Leben ein. Die Stadt will dort die Bücherei und die Musikschule unterbringen, auch Veranstaltungsräume sind ein Thema. Die dunklen Zeiten des Hauses möchte der Bürgermeister aber nicht vergessen wissen. „So ist es mein Wunsch, an die jüdischen Besitzer Rosenthal zu erinnern, die zwangsenteignet wurden, deren Schicksal aber mit unserer Stadt verbunden bleibt.“ Er könne sich vorstellen, dem Haus in Zukunft im Gedenken an diese Ereignisse den Namen „Rosenthal-Haus“ zu geben.
Farbenfrohe Kunst als Kitt einer bunten Gesellschaft, die mit Mut ihre Zukunft gestalten will – Farbe bekennen in ihrer besten und reinsten Form. Großartig.
(Alle Fotos: Pielorz)

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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