Urkunde wurde falsch interpretiert - Stadtteil feiert trotzdem
Berchum ist keine 850 Jahre alt!

Die Plakate, die überall im Dorf aufgeklebt wurden, weisen auf ein Großereignis hin: Berchum feiert vom 6. bis 8. September sein 850-jähriges Bestehen. Mit einem großem Mittelalterfest will man den runden Geburtstag feiern. "Aber Berchum ist noch gar nicht so alt", sagt nun der Historiker Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach. Und er muss es wissen, hat er doch im Auftrag des Stadtarchivs nachgeforscht.

Lange bevor sich in Berchum ein Festkomitee zur 850-Jahrfeier zusammenfand, meldete sich das Stadtarchiv Hagen zu Wort und tat seine Zweifel ob des Alters Berchums kund. Hagens oberster Stadthistoriker Ralf Blank wandte sich an Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach, seines Zeichens emeretierter Geschichtsprofessor der Technischen Universität Dortmund und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs, sich dieser Angelegenheit einmal anzunehmen. Der ausgewiesene Mittelalterforscher machte sich ans Werk und nahm sich vor allem die Abschrift der Urkunde aus dem Landesarchiv vor, die angeblich beweisen soll, dass es Berchum bereits im Jahr 1169 gab.
"In dieser Urkunde ist die Rede von einem Kloster Sieberg und einem Berchheim und man hat dies irrtümlicher Weise in Verbindung mit Hohensyburg und Berchum gebracht", erklärt Dr. Sollbach. Mit dem in der Urkunde von 1169 genannten „Bercheim“ ist vielmehr das heutige Troisdorf-Bergheim gemeint, das schon seit der Gründung des Klosters Siegburg mit diesem in Verbindung stand. "Es gibt viele Indizien dafür, dass Berchum nicht 850 Jahre alt ist", so Sollbach, "der eindeutige Beweis ist aber, dass es in Hohensyburg niemals ein Kloster gab."
Der Historiker gab seine Erkenntnisse an das zuständige Landesarchiv Rheinland weiter und bekam eine überraschende Antwort: "Mir wurde mitgeteilt, dass meine Erkenntnisse keine neuen seinen", so Dr. Sollbach. Bis 1931 ging man im Landesarchiv davon aus, dass es sich bei dieser Urkunde um das Kloster Siegburg und den Ort Bergheim handelt. Erst durch die ohne Belege aufgestellten Behauptungen des an sich verdienten Heimatforschers Otto Schnettler wurde 1931 der sogenannte Regesteintrag im Landesarchiv ohne Prüfung verändert.
"Meine Stellungnahme wurde nach fachlicher Prüfung vom Landesarchiv Rheinland als sachlich begründet und zutreffend akzeptiert", sagt Prof. Dr. Sollbach, "der Regesteintrag wird jetzt wieder geändert bzw. auf den Ursprungstext zurückgesetzt."
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen gab der Historiker zugleich an die Organisatoren der 850-Jahrfeier in Berchum weiter. "Ich will doch kein Fest vermasseln", so Sollbach, "doch es ist als Wissenschaftler meine Pflicht, meine Erkenntnisse zu vertreten." Dies tat er bei einem Gespräch mit den Festorganisatoren in Hohenlimburg und verärgerte damit zahlreiche von ihnen. Trotz der neuen Erkenntnisse, die eigentlich keine sind, wird es in Berchum also Anfang September eine große 850-Jahrfeier geben. Vielleicht klären die Organisatoren ja in der angekündigten Ausstellungen zur Dorfhistorie die Besucher des Festes über den Irrtum auf.

Autor:

Stephan Faber aus Hagen

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