Nur für Fußgänger: Eine erste Brücke über die Lenne bei (Hagen-)Halden

Die Haldener Fahrbrücke über die Lenne, kolorierte Postkartenaufnahme um 1890. Die Holzbrücke wurde erst 1904 durch einen Steinbau ersetzt.
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  • Die Haldener Fahrbrücke über die Lenne, kolorierte Postkartenaufnahme um 1890. Die Holzbrücke wurde erst 1904 durch einen Steinbau ersetzt.
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Noch vor acht Generationen gab es bei (Hagen-)Halden keine Brücke über die Lenne. Wer hier an das andere, nördliche Lenneufer wollte, musste sich entweder in einem Kahn übersetzen lassen oder durch den Fluss waten. Beides konnte aber nur bei ruhigem Wetter und niedrigem Wasserstand geschehen.

Von Gerhard E. Sollbach

Das war besonders misslich für die Haldener Bauern, die am nördlichen Lenneufer Weiden und Wiesen hatten. Auf den Weiden ließen sie im Sommer ihre Milchkühe grasen und auf den Wiesen machten sie Heu. Die Milchkühe mussten aber zweimal am Tag, morgens und abends, gemolken werden, und mit den Heuwagen musste durch den Fluss gefahren werden. Dabei war es in der Vergangenheit aber schon mehrmals zu Unfällen gekommen. 1789 beantragten die Haldener Bauern daher bei der Regierung die Genehmigung, auf eigene Kosten wenigstens eine Fußbrücke über die Lenne anlegen zu dürfen.

Adliger Einspruch

Die daraufhin erbaute – hölzerne – Fußgängerbrücke bestand bis zum Frühjahr 1803, als sie nach einem überaus strengen Winter und anschließendem Tauwetter durch Hochwasser und Eisgang weggerissen wurde. Die Notwendigkeit, eine neue Brücke bauen zu müssen, nutzten die Haldener Eingesessenen, um bei der Regierung nunmehr die Genehmigung zum Bau einer Fahr- statt eine Fußbrücke zu beantragen. Das rief aber den damaligen Besitzer des Hauses Busch und der Brücke Am Kabel, den Freiherrn Johann Philipp Gisbert von Syberg, auf den Plan. Dieser befürchtete, dass durch die neue Brücke seine Kabeler Brückengeldeinnahmen geschmälert würden, weshalb er durch eine entsprechende Eingabe bei der Regierung den Brückenbau zu verhindern suchte. Allerdings hatte er damit keinen Erfolg. Die Regierung genehmigte den Bau der Fahrbrücke bei Halden. Doch kam sie dem Freiherrn insofern entgegen, als die Genehmigung mit der Einschränkung verbunden war, dass die Brücke nicht dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung stehen dürfe und ausschließlich von den Haldener Landbesitzern dazu benutzt werden dürfe, zu ihren am nördlichen Lenneufer gelegenen Ländereien zu gelangen. Diese erste befahrbare private Lennebrücke bei Halden ist anschließend von der Bauerschaft Halden wiederum auf eigene Kosten und ganz aus Holz erbaut worden.

Langwierige Verhandlung

Sie bestand bis zum Winter 1829/1830, als sie durch ein neuerliches Hochwasser gänzlich zerstört wurde. Der nun anstehende Brückenneubau sollte sich aber über ein Jahrzehnt hinziehen. Die Haldener wünschten jetzt nämlich, dass die neue Brücke eine öffentliche Fahrbrücke sein sollte. Diesen Wunsch hatten auch die jenseits der Lenne gelegenen Dörfer, vor allem Berchum und Ergste. So konnte man von Berchum aus bei Benutzung der Haldener Brücke die Stadt Hagen mit ihrem regional bedeutenden Markt in 1¼ Stunden erreichen. Dahingegen dauerte es jeweils 3 Stunden, wenn man den Umweg über die [Hohen-]Limburger oder Kabeler Brücke nehmen musste. Doch das Vorhaben drohte daran zu scheitern, dass die Regierung die Erhebung von Brückenzoll auch von Fußgängern ganz generell nicht genehmigen wollte, die Haldener aus Sorge um die Finanzierung der Brückenbau- und -unterhaltungskosten aber ebenso hartnäckig darauf bestanden. Da die Regierung schließlich kategorisch erklärte, dass es ohne den Verzicht auf den Brückenzoll für Fußgänger keine Genehmigung zum Bau der Fahrbrücke gebe, mussten die Haldener nach endlosem Hin und Her schließlich nachgeben. Am 10. April 1841 erfolgte daraufhin die staatliche Genehmigung zum Brückenbau. Am 1. Oktober 1842 konnte dann die erste öffentliche Fahrbrücke über die Lenne bei Halden eröffnet werden.

Die Haldener Fahrbrücke über die Lenne, kolorierte Postkartenaufnahme um 1890. Die Holzbrücke wurde erst 1904 durch einen Steinbau ersetzt.
Die Haldener Fahrbrücke über die Lenne, kolorierte Postkartenaufnahme um 1890. Die Holzbrücke wurde erst 1904 durch einen Steinbau ersetzt.
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