Welt-AIDS-Tag 2019
HIV und sexuelle Gesundheit - ein Thema für die Jugend?

bunt und vielfältig. Aber vor allem in allen möglichen Größen zu haben
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Am kommenden Sonntag ist  Welt-AIDS-Tag. Manche Jugendliche sind der Meinung, das sei kein Thema für sie – und täuschen sich damit gewaltig.
Es wird wohl noch viele Jahre dauern, bis der Aktionstag an eine ausgestorbene Krankheit erinnern wird. Denn wer glaubt, der HI-Virus sei eine Bedrohung aus den 80er-Jahren, Aids in Deutschland kaum ein Thema mehr, der irrt.
Obwohl eine HIV-Diagnose dank neuester Therapien nicht mehr zwangsläufig den Tod durch Aids bedeutet, ist die Krankheit noch immer unter uns. Die aktuellen Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen einen alarmierenden Trend: Die Zahl der Infizierten steigt weltweit an. Noch immer sind die Staaten im südlichen Afrika am stärksten betroffen, doch auch die Zahlen für Osteuropa und Russland sind erschreckend.
In Deutschland geht die Zahl - das ist die gute Nachricht - seit ca. zwei Jahren - immer wieder leicht zurück.
Auch, wenn man sich vor manchen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) nicht so erfolgreich schützen kann, so sind die meisten heilbar (Syphilis, Tripper, Chlamydien), relativ harmlos (Filzläuse, Krätze oder Pilzinfektionen)  oder auch einfach gut behandelbar (Herpes). Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen). HIV ist gut behandelbar, aber eben nicht heilbar. Unbehandelt führt der Erreger zu einer Zerstörung des Immunsystems und zu schweren Folgeerkrankungen, die im schlimmsten Fall tödlich sein können. Jetzt mal im Ernst, das braucht nun wirklich kein Mensch! 

Es gibt aber mehrere Arten, sich vor einer HIV-Infektion effektiv zu schützen. Neben der Therapie mit Medikamenten, die für Teenager eher unpraktisch und zu aufwendig ist, kann man entweder auf Sexualpraktiken oder Geschlechtsverkehr verzichten, wenn sie HIV übertragen können. Aber Hand aufs Herz - wer will das? Oder es gibt eben die Kondome.
Laut der aktuellen Studienlage benutzen die meisten Jugendlichen - zumindest beim ersten Mal - Kondome. Beruhigend also. Aber diese "Treue" zu Kondomen hört irgendwann auf. Manche Teenager finden sie zu unbequem, manche Jungs bekommen keinen hoch, wenn sie die benutzen sollen. Meistens liegt es daran, dass sie nie das passende Kondom für sich haben finden können. Dabei ist es so einfach. Penis ausmessen (eine Anleitung findest Du hier) und dann in Drogerie oder Supermarkt welche kaufen. So teuer sind die nicht und die Verkäuferinnen sind meistens sehr diskret. Ein kleiner Tipp am Rande. Kauf noch ein paar andere Sachen, dann stechen die Kondome nicht so hervor und Du ersparst Dir doofe Blicke in der Schlange. Aber die meisten Leute im Geschäft haben eh besseres zu tun, als die Waren der anderen zu begutachten.

Entgegen der Annahme, dass Jugendliche besonders gut aufgeklärt seien, legt eine aktuelle Umfrage der ehrenamtlichen Initiative Jugend gegen AIDS und der Dating-App Lovoo, die in sieben europäischen Ländern durchgeführt wurde, Lücken in der sexuellen Bildung junger Menschen auf. Knapp ein Drittel der befragten Jugendlichen gehe sexuelle Beziehungen ein, ohne sicher zu verhüten.  Die Hälfte von ihnen gab als Grund dafür an, dass das Kondom zu unbequem sei. „Junge Leute denken oft, wenn ich die Pille zur Empfängnisverhütung nehme, brauche ich kein Kondom mehr. Nur jeder vierte Jugendliche habe die Fragen zu diesem Thema richtig beantwortet.
Kein Grund, zu dramatisieren oder in Panik zu verfallen, denn das bedeutet ja auch, dass immerhin bereits zwei Drittel eben doch sicher verhüten. Helfen wir also alle, dass das Thema auch das andere Drittel erreicht. Zugleich hält sich die Mehrzahl der Jugendlichen aber für bestens informiert. Die Folge: „Wir haben einen  Anstieg bei Syphilis, Chlamydien und Tripper. Das haben junge Leute beim Thema Verhütung oft nicht auf dem Schirm“ - so unser Youthworker Andreas Rau. HIV und Aids würden manchmal  nicht mehr als schlimme Infektion oder Erkrankung angesehen, sondern seien für Jugendliche eher uninteressant.  „Immer wenn wir mit jungen Menschen darüber sprechen, hören sie sich alles an, denken aber, das betreffe sie nicht. Das Thema für junge Leute wieder relevant zu machen, ist eine Herausforderung, aber zu meistern.“

Youthwork Hagen besucht dafür Festivals und Events und setzt bei seiner Aufklärungsarbeit an Schulen auf Gespräche auf Augenhöhe: Weg vom Frontalunterricht hin zu mehr Authentizität. „Wir sind ein Team verschiedener Leute aus ganz verschiedenen Milieus, die das Thema auf ihre Art und Weise kommunizieren“, so Rau. Der übliche Besuch des "Kondomonkels", der versucht, Schüler mit einem Vortrag zu sensibilisieren, sei zwar nett gemeint, aber nicht mehr zeitgemäß.
Gut, dass wir in Hagen noch nie so gearbeitet haben. Bei uns ist es so, dass die Schüler zu uns in die Einrichtung kommen, keine Lehrer und Mitschüler anderer Klassen dabei sind und dass die Teenager hier Zeit haben, das Thema selbst von vielen Seiten zu betrachten. Es geht immer um ihre eigenen Fragen - nicht um das, was die Erwachsenen wichtig finden. So belegt die Umfrage, dass knapp drei von vier Jugendlichen am liebsten mit ihren Freunden über das Thema Aufklärung sprechen und nur rund jeder fünfte mit den Eltern. Hier bei Youthwork-Hagen (einer Abteilung der Hagener AIDS-Hilfe) können sie das.  Wir verfügen über coole Räume, genügend Spiele und Materialien für Gruppenarbeit und etwas zu trinken oder etwas Süßes kann man hier auch kaufen. Läuft also.
Sogar eine App haben wir, bei der sich Teenager über alles Mögliche rund um Liebe und Sexualität schlaumachen können.  Die stellen wir in den kommenden Wochen um den Jahreswechsel vor. Ebenso bieten wir eine Online-Stadtrallye an, bei der man die Stadt mal aus einer etwas anderen Perspektive erkunden kann.

Der Welt-AIDS-Tag

Ziel des am Sonntag stattfindenden Welt-AIDS-Tags ist es, dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile, Ausgrenzung und Stigma ist.
Außerdem wollen Verantwortliche in Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft weltweit daran erinnert werden, dass Aids noch lange nicht besiegt ist. „Es gibt gute Behandlungsmethoden, aber es gibt bisher keine Heilung von HIV/Aids. Das ist der Grund dafür, das Thema für unsere Zielgruppe wieder relevant zu machen“, sagt Rau.

Laut der Umfrage weisen Jugendliche aus Berlin und Brandenburg deutschlandweit die größten Wissenslücken in der sexuellen Bildung auf.  Na ja, in Hagen ist das  - da bin ich sicher - anders! Darauf würde ich wetten. Denn Youthwork Hagen ist hier seit über 28 Jahren aktiv und arbeitet mit allen Schulen und Jugendzentren zusammen. Wir haben sogar eine eigene Jugendgruppe für queere Jugendliche (LGBTI - Lesben, Schwule, Intersexuelle und Trans- Jugendliche).

Also, wer mit seiner Jugendgruppe, mit der Clique oder seiner Schulklasse mal hier vorbeikommen will, schickt uns einfach eine Message oder ruft an 02331/338833.   An unserer Jugend-Internetpräsenz arbeiten wir gerade. Aber auch das geht schnell. Bis dahin: info@aidshilfe-hagen.de

Autor:

Andreas Rau schreibt für Youthwork-Hagen aus Hagen

Körnerstraße 82, 58095 Hagen
+49 2331 338833
andreas.rau@aidshilfe-hagen.de
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