Tierschützer treffen sich zum Krisengespräch
Arbeitskreis „Katzenschutz Haltern“ berät zur Katzenproblematik in der Seestadt

v.l.n.r. Martha Reichl, Christa Radtke, Irina Oberpichler, Jaqueline Kaminski, Silvia Berger-Bergedick, Tina Franzgrote

Zu einem Tierschutz-Krisengespräch trafen sich am vergangen Wochenende aktive Katzenschützer aus der Seestadt auf dem Gelände der Aktiven Tierhilfe e.V. in Haltern-Lippramsdorf. Grund hierfür ist unter anderem die aktuell verhängte Arbeitspause des „Streunerkatzen-Projekt Haltern am See“. Das private Projekt musste seine Arbeit mangels finanzieller Mittel vor einigen Tagen vorerst einstellen.
„Ich bin absolut überrascht über die Wellen, die die Verkündung meiner Zwangspause in den sozialen Netzwerken geschlagen hat“, so Tina Franzgrote, Gründerin des Hilfsprojektes für Seestadt-Streuner. „Mir war gar nicht bewusst, dass mein kleines Projekt schon eine richtige Institution und für die Bürger so wichtig geworden ist. Mein Postfach ist in den letzten Tagen übergelaufen!“.

Finanzielle Mittel fehlen

Grund genug, sich mit ihren Kollegen von der Aktiven Tierhilfe zusammenzusetzen, denn genau wie sie, arbeitet auch die junge Frau ehrenamtlich und ohne jegliche Unterstützung aus kommunaler Hand. Sie ist ansprechbar, wenn es um die Sichtung herrenloser Katzen im Stadtgebiet geht. Dann folgt nach einer Ortsbegehung und Einschätzung der Situation in den meisten Fällen eine Fangaktion, bei der die Tiere kastriert werden, um eine Weitervermehrung zu verhindern. Dies ist oft der einzige Ausweg, die Population der verwilderten Streuner zu stoppen. Dass die Kasse dabei schon mal ganz schön gebeutelt werden kann, erlebt Franzgrote immer öfter: „Ich habe in diesem Jahr bereits etliche Katzen gefangen und kastrieren lassen. Das alles kostet Geld; so schnell kann ich die dafür benötigten Spenden gar nicht zusammensammeln! Momentan bin ich schlichtweg abgebrannt und muss eingehende Hilferufe ablehnen.“

Auch bei den Mitarbeitern der Aktiven Tierhilfe und des angeschlossenen Gnadenhofes regnet es jede Woche Anfragen. „Wir sind oft die erste oder letzte Anlaufstelle für hilfesuchende Katzenfreunde“, sagt Jaqueline Kaminski, Schriftführerin des Vereines. „Viele Halterner Bürger kommen früher oder später mit uns in Kontakt. Entweder, weil sie ihr eigenes Tier vermissen oder weil sie eine oder mehrere vermeidlich herrenlose Katzen gefunden haben. Anscheinend wird von überall her immer auf uns verwiesen.“ Schon längst ist der Gnadenhof daher nicht mehr nur Zufluchtsort für alte und kranke Katzen, sondern wird vermehrt auch mit jungen Tieren konfrontiert, die in Haltern gefunden werden. Auch trächtige Tiere und Katzenkinder werden abgegeben, aber auch schwer verletzte Tiere, deren Behandlung dann immense Kosten verursacht.

Bürger müssen aufgeklärt werden

Ein Umstand, der besorgniserregend klingt. Denn die Flut an gefundenen Katzen ist für die Tierschützerinnen langfristig nicht mehr allein zu stemmen. „Es kann nicht sein, dass eine handvoll Ehrenamtlicher sich um die Katzenproblematik einer 40.000 Einwohnerstadt kümmert. Und das, ohne jegliche Hilfe aus öffentlicher Hand“, so Martha Reichl, Gründungsmitglied der Aktiven Tierhilfe und seit über 40 Jahren für die Samtpfoten im Einsatz. „Irgendwann sind auch unsere räumlichen und finanziellen Kapazitäten ausgeschöpft.“

Scheinbar fehlt es vor allem auch an Aufklärung der Bevölkerung. Denn die meisten Bürger wissen gar nicht, dass auch ihr eigenes Tier im Falle des Entlaufens keinen Anspruch auf Hilfe hat, wenn es nicht gekennzeichnet ist. Laut Stadtverordnung wird ein Tier von der Kommune nur dann als Fundtier anerkannt, wenn es eine Kennzeichnung, beispielsweise eine Tätowierung oder einen implantierten Microchip hat. Nur in diesen Fällen darf es an das für Haltern zuständige Tierheim im 60 Kilometer entfernten Ahaus weitergegeben und versorgt werden. Denn mit diesem hat die Stadt Haltern am See im Jahr 2005 einen Betreuungsvertrag für Fundtiere geschlossen. Alle anderen Tiere gelten als herrenlos und fallen damit aus dem Zuständigkeitsbereich der Kommune. Auch, wenn sie eigentlich einen Besitzer haben. Meist landen sie dann am Ende doch bei den Katzenschützern. „Kümmern tun wir uns dann meist eben doch. Weil wir nicht wegsehen wollen und die Leute sonst nicht wissen, wohin mit den Tieren“, berichtet Irina Oberpichler, ebenfalls ehrenamtliche Mitarbeiterin am Gnadenhof. "Aber auf Dauer können wir nicht jede gefundene Katze annehmen."

Katzen ohne Kennzeichnung gelten als herrenlos

Die fehlende Kennzeichnung bringt allerdings noch ein weiteres Problem mit sich: Menschen, die ihre Katzen nicht mehr haben möchten, lassen sie einfach frei. Werden sie dann gefunden und haben keine Kennzeichnung, gelten auch sie automatisch als herrenlos. „Das Kennzeichnen von Katzen ist in Haltern wenig verbreitet“, so Silvia Berger-Bergedick, ihres Zeichens Kassiererin bei der Aktiven Tierhilfe. „Genau das wird aber zu einem echten Problem, denn es ist nichts einfacher, als sein Tier auf diese Weise loszuwerden. Andersherum können Katzen, die ein Zuhause haben, ohne Kennzeichnung und Anmeldung beim Haustierregister ihre Besitzer nur schwer wiederfinden. Wir versuchen diese Informationen seit Jahren mit Öffentlichkeitsarbeit zu verbreiten, jedoch gibt es in Haltern immer noch genügend nicht gekennzeichnete Katzen und viele von ihnen landen irgendwann bei uns“.

Gespräche mit der Stadtverwaltung geplant

Auch Christa Radtke ist an diesem Tag mit dabei. Die Sythenerin ist die ehemalige 1. Vorsitzende des Marler Tierheimes und wohl das bekannteste Gesicht des Arbeitskreises. Radtke hat bereits mehrfach mit ihrem Begehren in Sachen Katzenschutz im Rathaus vorgesprochen. „Ich freue mich, dass nun eine neue Generation Tierschützer da ist, die unseren Tierschutzgedanken progressiv fortführt. Jedoch werden wir absehbar erneut das Gespräch mit der Stadtverwaltung suchen müssen“, so die resolute Frau. „In den vergangenen Jahren haben wir nie eine für alle zufriedenstellende Lösung finden können. Das möchten wir nun in Zusammenarbeit mit der Stadt ändern. Denn wir sehen immer öfter, dass der Bedarf in Haltern wächst und den Bürgern der Tierschutz am Herzen liegt.“

Bleibt abzuwarten, ob die sechs Frauen die Verantwortlichen im Rathaus überzeugen können.

Autor:

Streunerkatzen-Projekt Haltern am See aus Haltern

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