Seine gestohlenen Jahre

Rudi Schürer

Er war in Litauen, in der Nähe von Moskau, in der Ukraine, im Ural. Er hat im Straßen- und Brückenbau gearbeitet, in einer Papierfabrik, in einer Mühle, in einem Sägewerk, als Schweißer, als Maschinist. Er war Kriegsgefangener. Zehneinhalb Jahre lang.

Heute ist Rudi Schürer 89. Er lebt mit seiner Frau Sigrid in Wesel. Gebürtig kommt er aus Kamp-Lintfort. Das Bedürfnis, ein Buch über seine Erlebnisse in der russischen Kriegsgefangenschaft zu schreiben, kam ihm Anfang 2000, nachdem er sich bei einem Aufruf des Fernsehens gemeldet hatte. MDR und NDR drehten den Dreiteiler „Soldaten hinter Stacheldraht“, in dem Rudi Schürer seine Heimfahrt nach Deutschland schilderte. Danach begann er, seine Erinnerungen zu notieren. Bis heute.

Sein Buch ist druckfrisch und ausschließlich über ihn zu beziehen. Seine Frau, die seine Notizen ins Reine brachte, hilft ihm beim Verkauf. „Ich möchte mit den Leuten, die sich für mein Buch interessieren, persönlich sprechen“, sagt Rudi Schürer. Und seine Frau fügt hinzu, dass sie das Buch unverfälscht veröffentlichen wollten. Ohne Lektor, ohne Verlag dahinter. „Beim Schreiben liefen mir oftmals die Tränen, es hat mich sehr belastet“, sagt sie wieder unter Tränen.

Die Aufzeichnungen sind sehr detailliert. Rudi Schürer erinnert sich an Uhrzeiten, er schildert Abläufe bis ins kleinste Detail. Über 60 Jahre später. Er beschreibt die Zeiten im Karzer, der Arrestzelle, die unzähligen Vernehmungen, warum er vorhatte zu fliehen – was er nie tat – die Arbeitsbedingungen, die Hygieneverhältnisse, die Krankheiten. Er stellt die Transporte dar, wie sie von Lager zu Lager gebracht wurden: „verladen“ und „ausgeladen“.

Das Buch ist zu einem Preis von 19,80 Euro erhältlich über 0281 47363490 oder sigrid.schuerer@t-online.de.

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