Mein Lieblingsbuch

Da ich ein großer Fussballfan bin, schenkten mir meine Eltern an Heiligabend unter anderem das Buch „fußball bekloppt“, geschrieben vom ehemaligen Bundesliga Manager Reiner Calmund. Bekannt als der liebe, dicke „Calli“ war er Jahrzehnte lang im Management von Bayer 04 Leverkusen tätig und erlebte mit diesem Verein einen der größten sportlichen Aufstiege in der Bundesliga Historie. Als er in der Saison 1976/1977 von Ex-Bundesliga Spieler und damaligem Trainer von Bayer 04, Willibert Kremer, engagiert wurde, dümpelte der kleine, unbekannte Club aus Leverkusen im unteren Mittelfeld der zweiten Bundesliga. Calmund bekam zunächst einen festen Job in der Personalabteilung des Weltkonzerns Bayer.
Er war er das „Mädchen für alles“ und erledigte ausschließlich die „Drecksarbeit“. Durch den hohen Aufwand den er betrieb schaffte Calmund seinen persönlichen Aufstieg und gehörte schon bald zu den „hohen Tieren“ in Leverkusen. Der sportliche Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Im Sommer 1979 machte Leverkusen die Sensation perfekt und stieg mit einer zusammengewürfelten Mannschaft in die erste Bundesliga auf. Kurz danach wurde „Calli“ zum 2.Vorsitzenden der Fußball-Abteilung mit dem Schwerpunkt Nachwuchs, Sichtung und Organisation gewählt. Nach harten Jahren in der Bundesliga, gewann Bayer 04 1988 den Uefa-Cup gegen Espanyol Barcelona. Reiner Calmund war inzwischen auch für die Scouting-Abteilung und das transferieren von Spielern zuständig und entwickelte sich zu den schlausten und auch hinterlistigsten Männern der Bundesliga. Als im Jahre 1989 die Mauer fiel, verging nicht viel Zeit, da ist Calli jedem Verein zuvor gekommen und hat die Top-Stürmer der DDR, Andreas Thom und Ulf Kirsten, verpflichtet. Der sportliche Aufstieg ging weiter und Bayer 04 gewann 1993 den DFB-Pokal. Der Verein aus der winzigen Stadt am Rhein etablierte sich an der Spitze Deutschlands und Europas. Nach unglücklichen Jahren folgte wieder ein gutes Jahr. Da der Mutterkonzern Bayer nun auch mehr Geld in den Verein investierte, wurde das Scouting in anderen Ländern möglich gemacht. Reiner Calmund spezialisierte sich auf Brasilien. Er stellte Kontakte her und flog regelmäßig zum Zuckerhut, um nach Talenten Ausschau zu halten. Nach vielen Turbulenzen und lustigen Geschichten, die in dem Buch breit und witzig erklärt und geschildert werden, kam es meistens zu der Verpflichtung eines jungen Brasilianers, welcher meistens auch den gewünschten Erfolg brachte. Viele erfolgreiche und mehrere unglückliche Jahre folgten. Abgestiegen ist Leverkusen jedoch bis heute nicht. Dann kam das Jahr 2002. Das Jahr der „besten Leverkusener Mannschaft aller Zeiten“, meint Calmund. Unter Klaus Toppmöller schaffte es die Mannschaft ins Finale der Champions-League, des DFB-Pokals und auf Platz 2 der Bundesliga. Alle Finalspiele gingen verloren und die Meisterschaft wurde verpasst. Trotzdem das erfolgreichste Jahr der Leverkusener Vereinsgeschichte.Nachdem viele seiner Kollegen und Freunde in Ruhestand gingen, setzte Reiner Calmund sich den Schlussstrich. Im Jahre 2004, dem 100-Jährigem Jubiläum von Bayer Leverkusen, wurde Reiner Calmund unter Jubel und einer tollen Choreographie von den Fans verabschiedet. Nach seiner Karriere engagierte sich Calmund noch als WM-Botschafter und Restaurant-Kritiker in einigen Fernsehshows. Das war die sportliche Geschichte von Reiner Calmund im Schnelldurchlauf. Doch Fußball war für ihn nur zweitrangig im Leben. Die Hälfte des Buches handelt von seiner Familie, seinem Geburtsort, seinen Freunden und seinem verstorbenen Vater, welcher im Vietnam als Soldat ums Leben kam. Er betont immer und immer wieder wie sehr im seine Familie, für welche er nur wenig Zeit hatte, am Herzen liegt. Jahrzehnte nach dem Tod seines Vaters, suchte er sein Grab im Vietnam auf, um mit seiner Trauer abzuschließen. Calli erzählt viele witzige, aber auch traurige Anekdoten, welche dem Leser sofort ans Herz gehen. Den traurigen Geschichten zum Trotz, hat man beim Lesen dieses Buches immer ein gutes Gefühl, da alles durch Calmunds „kölschen“ Akzent verharmlost wird. Ebenfalls sind viele Beiträge von ehemaligen Spielern, Kollegen und auch Gegnern vorhanden, welche das Buch sehr interessant gestalten. Letztlich berichtet er noch von seinen Auftritten im TV, Wetten mit Stefan Raab und seinem Einsatz für die Kinderwelt. Alle Sponsoren-und Fernsehgelder die Calli erhält, investiert er in die Unterstützung von armen, elternlosen Kindern in Deutschland, Brasilien und auf der ganzen Welt, da ihn „nichts glücklicher macht als strahlende Kinderaugen“. Wie es schon im Buch steht: An Calli ist alles groß. Sein Selbstbewusstsein, sein Körperumfang, seine Sprüche, seine Fußball-Leidenschaft und sein Herz.

Fazit: Das Buch ist sehr schön zu lesen und ein Muss für jeden Fußballfan.

Lennart Bargel

Autor:

Lennart Bargel aus Herne

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