Wer mangert am besten?

Fritz Eckenga
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Es war 1961, als Jürgen von Manger seine Figur des Tegtmeier so weit entwickelt hatte, dass sie reif war für eine größere Öffentlichkeit. In der Silves-ternacht 1961/62 strahlte bezeichnenderweise nicht der Westdeutsche, sondern der Norddeutsche Rundfunk erstmalig mit dem „Schwiegermuttermörder“
eine Episode aus. Der WDR war noch auf seinen kölschen Millowitsch fixiert.

Die Reaktionen der Hörer waren so positiv, dass sich der NDR entschloss, eine spezielle Manger-Sendung zu produzieren. Sie wurde im März 1962 ausgestrahlt und von diesem Zeitpunkt an war der Siegeszug der Figur des mangernden Adolf Tegtmeier nicht mehr zu stoppen. Rundfunk- und Fernsehanstalten, Tourneeveranstalter und Schallplattenproduzenten rissen sich um die sozial- und gesellschaftskritischen Stegreifgeschichten des Kleinbürgers aus dem Ruhrpott.

Ein halbes Jahrhundert später wetteifern zum 8. Male seit 1997 mit Anka Zink, David Werker, Gunzi Heil, Matthias Reuter, René Steinberg und Sebastian Pufpaff sechs gestandene Comedians um die Erbschaft eines der größten und bekanntesten Humoristen der deutschen Nachkriegszeit sowie um den mit jeweils 4000 Euro dotierten Jury- und Publikumspreis „Tegtmeiers Erben 2011“.
Zum Jubiläum verlässt das Finale allerdings seine Geburts- und Heimatstätte, die Herner Flottmann-Hallen, und zieht erstmalig um ins Kulturzentrum am Willi Pohlmann-Platz, das doppelt so vielen Zuschauern Platz bietet.
Denn ein Abend kündigt sich an, der zumindest in der Besetzung die vorherigen Ausgaben in den Schatten stellt. So jagt ein Höhepunkt den anderen. Im Anschluss an den Wettbewerb werden gleich zwei der bedeutendsten aktiven deutschen Kabarettisten ehrenvoll mit der Tegtmeier-Kappe aus Bronze dekoriert: Urban Priol, der quicklebendige „Einstein“, und Jochen Busse, das putzmuntere Urgestein der deutschen Satirelandschaft.

Jochen Malmsheimer und die Mütze

Doch damit nicht genug: bevor die beiden sich die etwa 7,5 Kilo schwere Mütze aufsetzen dürfen, müssen sie noch eine Tirade aus Lobpreisungen und -hudeleien über sich ergehen lassen, in den Saal gerufen von zwei nicht minder bekannten Propheten und Marktschreiern:
Da ist zunächst Jochen Malmsheimer, wort- und stimmgewaltiger Kabarettist und Literat aus Bochum sowie dreimaliger Moderator des Tegtmeier-Finales, der zu Recht als ehemaliger „Vatermörder“-Sänger nur noch den Job als Hausmeister in einer „Anstalt“ bekleiden darf. Er wird in seiner Laudatio für Urban Priol den Beweis antreten, dass auch der Leiter einer solch problematischen Einrichtung unbedingt und vor allem ehrenhaft mit einer schweren Kappe belastet werden muss.

Rocktheater N8achtschicht: Fritz Eckenga

Und dann wäre da noch Eckengas Fritze! Der Dortmunder Autor und Kabarettist gelangte ebenfalls als Mitarbeiter einer „Anstalt“ zu großer Popularität. Als „Bademeister“ sorgte er viele Jahre lang dafür, dass sich die Besucher nass machten – allerdings vor Lachen. Mittlerweile strahlt er wöchentlich als Fußballfachmann seine Gott-und-die-Welt-Gedanken über den WDR-Hörfunk bis in die letzten Winkel unseres Bundeslandes.
Seine Laudatio für Jochen Busse wird mit großer Wahrscheinlichkeit so tiefgreifend, dass am Ende für den Preisträger und die amüsierten Zuhörer die Erkenntnis bleibt: „Da kannst Du in der nächsten Halbzeitpause mal ’ne Viertelstunde drüber nachdenken! Viertelstunde nachdenken? Das schaffst Du schon! Glück auf!“

Helmut Sanftenschneider moderiert

Die Moderation des Finales übernimmt in gewohnt humoristisch-souveräner Manier der Entertainer Helmut Sanftenschneider. Für den Finalabend am Samstag, 19. November, 19 Uhr, gibt es noch Restkarten in der preiswerteren Kategorie, erhältlich im Vorverkauf zum Preis von 18 Euro (zzgl. Gebühren).

Fritz Eckenga
Jochen Malmsheimer

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