AusbildungsPaten helfen Schülern und Azubis

Seit 2003 setzt sich Gudrun Gabriel, die in Dorsten lebt, für das Projekt "AusbildungsPaten für den Kreis RE" ein. Foto: ST
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Über Bildung und Ausbildung wird aktuell so kontrovers wie selten diskutiert. In Plenarsälen und am grünen Tisch kann man sich beispielsweise vortrefflich - und recht abgehoben - über die Zukunft der Hauptschule die Köpfe heißreden. Aber was ist denn mit den jungen Menschen im Vest, die gerade jetzt in der - oft schwierigen - Phase zwischen Schule und Beruf stecken, Probleme und Ängste haben? Ihnen kann geholfen werden, sofern sie die Hilfe annehmen möchten und selbst aktiv werden.

Die ehrenamtlich engagierten „AusbildungsPaten“ im Kreis Recklinghausen hören zu, fragen nach, gehen auf Schüler ein oder kümmern sich um Azubis, die mit den Eltern, Berufsschullehrern oder dem Meister im Clinch liegen. Über diese etwas andere Art des „Coachings“ hat sich der Stadtspiegel mit der Vereinsvorsitzenden Gudrun Gabriel unterhalten.

Frau Gabriel, was ist das schönstes Erfolgserlebnis für einen AusbildungsPaten oder eine AusbildungPatin?
Gudrun Gabriel: „Wenn man einen jungen Menschen so gut begleitet hat, dass er oder sie auf eigenen Füßen steht und uns nicht mehr braucht.“

Warum kümmern sich die Paten ausschließlich um Schüler von Haupt- und Gesamtschulen und Azubis mit Problemen?
„Weil darunter Jugendliche sind, die es schwer haben, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden oder bei der Stange zu bleiben, und welche, die das Schreiben von Bewerbungen und den Umgang mit Behörden als Hürde empfinden. Oft wissen sie noch nicht, was sie überhaupt möchten oder was für sie wie erreichbar ist. Es geht um eine individuelle Förderung, einen regen Austausch. Den Jugendlichen wird nicht alles auf dem silbernen Tablett serviert, sie müssen selbst aktiv mitarbeiten.“

Und diese Patenschaften sind auf beiden Seiten völlig freiwillig und kostenlos?
„Ja, denn die Ausbildungspaten sind reine Ehrenamtler. Es gibt auch reine BewerbungsPaten und so genannte AlarmPaten in Krisensituationen. Die Paten geben keine Nachhilfe, und sie schreiben auch den Mädchen und Jungen keineswegs die Bewerbungen. Aber sie helfen ihnen dabei, geben Tipps, auch bei der Informationsbeschaffung. Wir haben als Verein gute Drähte zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit, BIZ (das Bildungszentrum des Handels), zur IHK und zur Kreishandwerkerschaft, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wir arbeiten mit Haupt- und Gesamtschulen in Castrop-Rauxel, Datteln, Dorsten, Gladbeck, Haltern, Herten, Marl, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen und Waltrop zusammen.“

Wie wird das alles finanziert?
„Durch Mitgliedsbeträge privater Personen und von Institutionen, durch Spenden und Sponsoren. Die Paten erhalten kein Geld, aber wir haben ein Büro zu unterhalten und die Kosten für eine Bürokraft zu tragen. Uns hilft beispielsweise die Christoph-Metzelder-Stiftung und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung. Dem Verein gehören Institutionen wie die Recklinghäuser Beschäftigungsintiative RE.init an, und es sind auch schon einige Städte darunter: Herten, Oer-Erkenschwick und Gladbeck. Und der Kreis Recklinghausen gehört dazu.“

Wer sind die AusbildungPaten - und was motiviert sie?
„Es sind Menschen zwischen 35 und etwa 70 Jahren, aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommend, die Zeit haben, Geduld und Hartnäckigkeit mitbringen, und das Gefühl haben, dass ihnen Gutes widerfahren ist, was sie jungen Menschen weitergeben können. Wir haben zur Zeit 50 aktive Familienpaten aus dem ganzen Kreis, ungefähr zehn ,in Reserve‘, und in allen Städten des Kreises werden aktuell 80 junge Menschen von uns betreut. Wir machen am kommenden Samstag den Info-Stand in der Recklinghäuser Altstadt auch deshalb, weil wir besonders in Recklinghausen weitere Paten gut brauchen können.“

Wie ist der Verein entstanden?
„Ursprünglich was das ein Projekt des Bistums Münster und wurde 2003 vom Referat Kirche und Arbeitswelt gestartet. Aber als das Bistum dann das Projekt nicht mehr fortsetzen wollte und wir Familienpaten das schade fanden, haben wir 2008 den Verein gegründet.“

Wie waren Ihre persönlichen Erfahrungen mit Schützlingen?
„Ich hatte bisher drei. Ein Mädchen hat erfolgreich eine Ausbildung zur Friseurin absolviert, das zweite Mädchen macht gerade eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau, und ein Junge, der seine Fachoberschulreife machen wollte und dann aber absprang, hat eine Stelle gefunden und arbeitet als LKW-Fahrer.“

Tipp:
Am kommenden Samstag (9. Juli) sind AusbildungsPaten in der Zeit von 11 bis 15 Uhr auf dem Altstadtmarkt in Recklinghausen im Einsatz und informieren über die Arbeit des als gemeinnützig anerkannten Vereins, dem interessierte Neueinsteiger und Sponsoren herzlich willkommen sind - und natürlich Jugendliche, die Rat und Hilfe suchen.

Kontakt:
AusbildungsPaten im Kreis Recklinghausen e.V., Kemnastraße 7, 45657 Recklinghausen (im Erich-Klausener-Haus)
Telefon: 02361/ 3060576
E-Mail: info@ausbildungspaten.de
Internet: www.ausbildungspaten.de

Seit 2003 setzt sich Gudrun Gabriel, die in Dorsten lebt, für das Projekt "AusbildungsPaten für den Kreis RE" ein. Foto: ST
Wer Kontakt zu dem Verein aufnehmen möchte, kann sich an das Büro "AusildungsPaten im Kreis RE" im Erich-Klausener-Haus in Recklinghausen wenden. Foto: ST

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