Spitze seiner Klasse: Bei Haarstrang-Klassik krabbelt Kult-Käfer auf Platz 1

Der Käfer und sein Team (Angelika Dartmann/ Stefan Reimet) holten den Siegerpokal in der Kategorie bis Baujahr 1969.
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  • Der Käfer und sein Team (Angelika Dartmann/ Stefan Reimet) holten den Siegerpokal in der Kategorie bis Baujahr 1969.
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Käfer aus der Emschergemeinde krabbelt in die Herzen der Jury - Bekannter Alltags-Ur-Volkswagen holt 1. Platz bei der Haarstrang-Klassik und Oldie-Ausfahrt am 13. Juli 2014.

Die Ausfahrt: Wie so oft - Beim ersten Mal läuft nicht alles rund. An den himmelblauen Käfer und seine Eigenarten, für die man heute ein Auge zudrückt, haben wir uns schnell gewöhnt. Vom Motor bis zum Fahrkomfort - das Konzept stammt halt aus einer Zeit, als es wichtiger war überhaupt von A nach B zu kommen, viel weniger auch noch ohne Rücken- und Ohrenschmerzen. Wir sind beide mal Käfer gefahren, damals, als junge Erwachsene. Entweder einen eigenen oder wie ich, den aufgemotzten eines Freundes. Den hatte er bis auf die allerletzte Schraube demontiert, entrostet, Brezelfenster eingenietet, gelb lackiert und mit feinen Recaro-Sitzen ausgestattet. Irgendwie nicht von dieser Welt.
Bei der Haarstrang-Klassik führen wir den VW-Standard der Familie Jansen vor und es wird eine Gaudi. Die Blicke beim Fahren sind normal geworden, der Wagen ist in der Emschergemeinde bekannt, manche winken sogar. Zur Haarstrang-Klassik haben wir uns an die 60s angepasst, Florale Muster, bunter Schal, heller Leinen-Look. Die Vase mit Nelke am Armaturenbrett fehlt nicht! "Ihr müsst mal in die Autos gucken", fordert dann auch der Moderator bei der Abfahrt auf. Fast alles original, Nur unser Baujahr ist fünf Jahre älter als das des Käfers. Glänzende Augen bei älteren Besuchern, Erinnerungen ("Genau so einen ...."). Die Kinder interessiert das Trommeln des Motors, darf ich mal gucken??? Klar, kannst auch hören. Eigentlich hat jeder irgendeine Beziehung zu ihm, aber keiner eine intensive Liebesbeziehung, denn das ging in Adenauer-Mercedes oder Opel-Diplomat natürlich bedeutend besser.
Wir stehen in der Warteschlange zur Abfahrt und denken ans Benzin. Der Boxer trommelt ordentlich Liter durch den Auspuff, die Tankuhr sackt sichtbar nach. Mit dem Road-Book geht es auf die Piste. Rund sieben Seiten Anweisungen, Aufgabe für meine Mitfahrerin. Zusätzlich zwei Mal je drei Objekte am Straßenrand finden und notieren. Navi is daher nicht. Einfach schön. Geschicklichkeitsprüfung auf Schloss Hovestadt. Rückwärts auf 20 Zentimeter an den Stapel Bierkisten. Nie geübt, nur geschätzt, aussteigen is nich, also zwei Mal hoppeln und stop. Zollstock - 17 Zentimeter, passt. Stolz verfliegt später, der Bekannte im Mercedes hat die 20 exakt getroffen (klar), ich bin für Wiederholung. Fragen zu US-Flaggen, Fließband in Deutschland, irgendwie eine Mischung aus Raten und Kombinieren. Fließband, da war doch was auf Arte neulich, Blockade, nur zwei Minuten für alles. Drei Minuten später fällts mir ein, Porsche wars. Zu spät. egal, dafür sind wir sonst gut dabei und Spaß steht im Vordergrund. Die Touranweisungen sind deutlich, und doch passiert es immer wieder mal. "Da war doch die Straße links"
Fleißig Stempel sammeln, keine Fahrt im Konvoi, sehr angenehm, keiner hat wirklich einen Kat. Die Stopps brauchst du zum Entspannen und Quatschen- Ins Gespräch kommt man immer. Die Straßen sind herrlich leer, klar, Deutschland Schläft vor fürs WM-Finale. Ein Haus ist mit Riesenflaggen zugedeckt, Foto und weiter gehts. Abschluss auf dem Marktplatz lassen wir uns nicht entgehen, einfach gucken. Und ha, so schlecht können wir bei den Aufgaben nicht gewesen sein, Porsche hat uns nicht das Genick gebrochen, der Käfer landet auf Platz 1 seiner Kategorie. Und läuft und läuft und läuft. Danke an die Organisatoren - Alles top geplant. Und gerne nächstes Jahr wieder!!!

Der Käfer

Gewaschen, poliert, kleine Schönheitsreparaturen sind gemacht - Den himmelblauen Käfer aus Holzwickede kennt fast jeder - Am 13. Juli fährt der Kult-Oldie bei der 5. Haarstrang-Klassik mit - Tanken nicht vergessen ....

Es war fast wie ein Sechser im Lotto für Wilfried und Marlene Jansen, als sie vor acht Jahren "ihren" hellblauen VW-Käfer im Internet entdeckten. „Haargenau so ausgestattet und in der gleichen Farbe wie unser erster Käfer damals“, so Wilfried Jansen. Bestens gepflegt ist das Symbol des Wirtschaftsaufschwungs. Was nicht wundert, denn einer der Vorbesitzer war Wagenpfleger, was als Beruf damals im Kfz.-Brief vermerkt wurde. Als die Jansens den strahlenden Herby in Lünen anschauten, fühlten sie sich direkt in ihre ersten gemeinsamen Jahre zurückversetzt. Denn 1966 erwarben sie, damals noch im Emsland, einen Käfer als Neufahrzeug. „An den Innenspiegel für die Dame habe ich direkt gedacht, als wir ihn kauften“, so Wilfried Jansen. Ein Radio hatten die Jansens in ihrem ersten Käfer nicht, gegen Aufpreis bestellten sie aber ein entscheidendes Ausstattungsdetail, eine Heizung. An deren eigenwillige Funktion erinnern sich Käferfahrer noch heute. Ebenso wie die einst obligatorische Blumenvase am Armaturenbrett. Stolze 8000 Mark blätterten die Jansens hin, zwei Jahre vor ihrer Hochzeit. Den Wolfsburger fuhren sie bis sich Nachwuchs einstellte. „Dann kauften wir einen Variant“, erinnert sich Marlene Jansen. In den 50er und 60er Jahren krabbelten hunderte Käfer auch durch die Emschergemeinde. Über die Alpen schaffte es ihr Erst-Käfer natürlich auch. Komfort Fehlanzeige, aber das war nicht wichtig. Die Mobilität stand im Vordergrund.
Strahlende Augen begleiten heute die Jansens oft, wenn sie in ihrem Käfer durch die Emschergemeinde rollen. "Schau mal da kommt Herbie", ist der erste Gedanke bei Kindern, die den gewitzten, unschlagbaren TV-Rennkäfer vor Augen haben. Bei Ausfahrten zum Möhnesee oder zur Familie nach Nordhorn genießen die Jansens den Ur-Fahrspaß gemütlich bei Tempo 90. Bei den Käferfreunden Lünen setzen die Jansens die Mitgliedschaft des Vorbesitzers fort, betreiben aber sonst keinen Kult um ihren Alltagsoldie. Der Motor bellt wie am ersten Tag. Der Oldie, der 1969 vom Band lief, wird regelmäßig zur Inspektion gebracht, die TÜV-Plakette war nie ein Problem. Unglaublich: Der Boxer ist in Schadstoffklasse 4 eingeordnet, darf in jede Umweltzone einfahren, was manch jüngerem Fahrzeug versagt bleibt. Beim Tanken muss Marlene Jansen immer ans Fläschchen denken. Der Boxermotor verträgt heutigen Sprit nur mit Blei-Additiv. Den Verbrauch von durchweg über 10 Litern nehmen die Jansens mit einem Schmunzeln hin. Eine Fehlpolung in der Elektrik lässt die Tankuhr rückwärts laufen; Steht die Nadel auf R, kann das Rennen für Herbie weitergehen.

Autor:

Stefan Reimet aus Holzwickede

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