Wer macht jetzt freiwillig Dienst?

Am 1. Juli trat der Bundesfreiwilligendienst in Kraft. Dieser ist nötig, da mit der Wehrpflichtaussetzung auch der Zivildienst ausgesetzt wird, den in der Vergangenheit über 90.000 junge Menschen pro Jahr ausübten. Diese werden nun nicht gänzlich wegfallen. Doch hat die Regierung nach wie vor große Probleme, die benötigte Anzahl an Freiwilligen zu erreichen. Bürgerreporter Daniel Bohle hat nachgehakt:

Statt 90.000 sollen nun zwar nur noch 35.000 Bürger ihren Dienst im Bereich der Pflege und Betreuung, aber auch im Umwelt- und Naturschutz und in der Landschaftspflege, freiwillig absolvieren, allerdings war die Zahl hier bereits stark rückläufig: im März diesen Jahres leisteten nur noch 45.000 junge Männer ihren Dienst, im März 2010 waren es noch 77.000.

Woher sollen jetzt die angestrebten 35.000 Bürger kommen? Besonders Schüler wissen nach dem Ende der Schule noch nicht genau, was sie machen möchten und könnten mit einem freiwilligen Dienst diese Zeit überbrücken. Eine Umfrage am Gymnasium An der Stenner zum Thema „Freiwilliger Wehr- und Zivildienst“ hat erstaunliche Ergebnisse zu Tage gebracht:
Insgesamt 160 Schüler der Stufe 13 und 12 wurden befragt. Davon 71 männlich und 89 weiblich im Alter von 17 bis 21 Jahren. Die Frage, ob sie für die Bundeswehrreform von Ex-Bundesverteidigungsminister von und zu Guttenberg im Allgemeinen waren, beantworteten 104 mit „ja“ und nur 55 mit „nein“.

Interessant wird es nun, wenn es um die Frage der Möglichkeiten nach dem Abitur vor der Reform geht. Dort wollten von den 160 Schülern noch 27 den Wehrdienst (5 Frauen und 22 Männer) leisten und 37 Schüler den Zivildienst (15 Frauen und 17 Männer). Ganze 50 Schüler sind ausgemustert worden, wobei auch die Frauen „ausgemustert“ ankreuzen mussten, da diese weder Wehr- noch Zivildienst leisten mussten. Von den noch 37 Zivildienstleistenden macht nach der Reform nur noch einer freiwillig den Zivildienst, nur zwei machen freiwillig den Wehrdienst, sodass sich 31 Schüler von Zivildienst auf andere Formen, wie Ausbildung, Studium und FSJ, entschieden haben. Ganze 8 Männer sind bei ihrer Entscheidung, Zivildienst oder FSJ zu machen, obwohl die Reform durchgesetzt wurde, geblieben.

Weiterhin bietet sich das Bild, dass zwar nahezu alle für die Reform waren, aber alle gegen die gänzliche Abschaffung der Armee sind. Ganze 131 Schüler sind dagegen und sehen die Bundeswehr für nötig an, während nur 25 Schüler die Abschaffung der Armee für sinnvoll erachten. Dabei liegt die Zahl der Frauen mit 15 eindeutig höher als die Zahl der Männer mit 10, die keine Armee mehr wollen. Die Gründe für und gegen eine Abschaffung sind vielfältig. Zum einen brauche das Land eine Armee, falls es zu einem Zwischenfall kommt und man sich wehren muss. Das Thema Sicherheit hat also eine hohe Priorität bei den Jugendlichen. Ebenso biete die Armee verschiedene Berufsmöglichkeiten an, die somit wegfallen würden.
Außerdem unterstützten Deutschlands Soldaten andere Länder, bilden dort zum Beispiel Polizisten aus.

Auf der Contra-Seite gibt es neben Pazifisten auch Schüler, denen die Kosten für diese Armee einfach zu hoch erscheinen und man diese in einem hochverschuldeten Staat damit senken kann. Ein weiteres Konfliktfeld: Wenn nun kaum ein Schüler mehr freiwillig Dienste leisten möchte, wird die Anzahl der Studierenden hingegen enorm steigen. Von den 160 befragten Schülern möchten ganze 123 nach dem Abitur in diversen Universitäten studieren, während nur 27 eine Ausbildung in Betrieben vorziehen. Das könnte ein noch größeres Platz- und Angebotsproblem an den Universitäten nach sich ziehen.

Autor:

Melanie Giese aus Recklinghausen

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