Zeitreise nach Litauen

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Der Letmather Unternehmer Willi Lienenkamp weilte kürzlich in Litauen, um dort die Grabstelle seines am 16. Oktober 1944 gestorbenen Vaters zu suchen.
Für den STADTSPIEGEL hat Lienenkamp folgende Zeilen niedergeschrieben.
„Nach dem Tod meiner Mutter und meines Stiefvaters fand ich einen handgeschriebenen, vierseitigen Brief, der vom 16. Oktober 1944 datiert ist. Geschrieben hat ihn der Kompaniechef meines Vaters, der meiner Mutter in dem Brief sehr bewegend den Tod meines Vaters mitteilte.
Ich konnte den Brief nur schwer lesen, da er in der damals üblichen Sütterlin-Schrift geschrieben war. Mit Hilfe älterer Menschen konnte ich aber Passagen verstehen und auch schließlich ausmachen, wo mein Vater gefallen war.
Die ganze Geschichte hat mich so beschäftigt, dass ich den Entschluss fasste, den Ort, an dem mein Vater gefallen war, ausfindig zu machen. Mehr noch: Ich wollte auch dorthin fahren.
Hilfreich war ein Bericht im STADTSPIEGEL, in dem über das Iserlohner Ehepaar Sedeit in Litauen berichtet worden war. Ich nahm Kontakt auf und erkundigte mich nach der aktuellen Lage in Litauen. Die Angaben bestärkten mich in meinem Vorhaben, den Ort oder zumindest die Gegend in Litauen auszumachen, wo sich das Grab meines Vaters befindet.
Mit Hilfe von Google Earth konnte ich ziemlich genau die Stelle ausfindig machen, wo mein Vater am 14. August 1944 gestorben und begraben oder in den damaligen Wirren verscharrt wurde. Da musste ich dann unbedingt hin - und so geschah das vor ein paar Tagen. Ich flog mit meinem Sohn Jürgen, ausgestattet mit verschiedenen Ortungsgeräten, von Düsseldorf-Weeze aus nach Kaunas in Litauen.
Dort suchten wir einen gebürtigen Letmather, den dort wohnhaften Helmut Gassner, auf, und begaben uns sofort auf die Suche nach dem im Beileidsbrief beschriebenen Ort.
Nur mit Hilfe des der litauischen Sprache mächtigen Helmut Gassners fanden wir schließlich den sehr kleinen, dort auch fast völlig unbekannten Ort Bardauskai, in der Nähe der im Krieg sehr umkämpften Stadt Wilkowischken.
Über Google Earth hatte ich schon vorher die Kreuzung ausgemacht, in deren Nähe mein Vater gefallen war. Dort sprachen wir einen Bauern an - und siehe da, dieser glaubte die Stelle zu kennen, an der mein Vater gefallen war und begraben wurde. Er ging mit uns zu einem kleinen verwilderten Friedhof, den er persönlich, so gut er konnte, pflegte - in Ehrfurcht vor den dort begrabenen deutschen, aber auch russischen Soldaten und litauischen Partisanen.
Ein total verrostetes Eisentor und zwei Torpfeiler mit eisernen Kreuzen darauf, aber
auch die Anordnung von Bäumen und Büschen und die erklärenden und ergreifenden Worte des litauischen Bauern gaben mir die Gewissheit, dass dort mein Vater, den ich - mit damals sieben Jahren - für immer verloren hatte, dort begraben liegt.
Ich war sehr traurig und ergriffen, aber auch die, die mich begleitet und mir geholfen haben - und so verabschiedeten wir uns von der Stelle, die mein weiteres Leben sehr geprägt hat.

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