Fällungen auf der Teilfläche A sind abgeschlossen
Bürgerinitiative: Weiterhin Sorge um den Baerler Busch

Gernot Fischer, Kai Jacobi und Birgit Reichert von der Bürgerinitiative bei der Waldbegehung.
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  • Gernot Fischer, Kai Jacobi und Birgit Reichert von der Bürgerinitiative bei der Waldbegehung.
  • Foto: Heike Cervellera
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Längere Zeit war es still im Baerler Busch, doch vor einigen Tagen war es mit der Ruhe vorbei. Der RVR Ruhr Grün begann mit den angekündigten Baumfällarbeiten im mittleren Teil (Teilfläche A) des Waldes. Diese sind seit dem gestrigen Montag abgeschlossen.

Nach wie vor ist die Bürgerinitiative „Baerler Busch ist bedroht“ am Ball und sucht den Dialog mit dem RVR. „Wir dachten, dass nach den gelaufenen Gesprächen keine Harvester und Rückemaschinen eingesetzt würden. Dem ist leider nicht so. Überall im vier Hektar großen Teilgebiet A ist die Forstmaschine zum Einsatz gekommen“, bedauert Kai Jacobi von der Initiative und zeigt auf die im Boden deutlich erkennbaren Spuren der Einsätze hin.
„Der Boden leidet stark unter dem Druck der Maschinen“, wie Baumexperte Gernot Fischer weiß. „Die Bodenverdichtung ist so enorm, dass auf diesen Flächen für rund 20 Jahre kein Baum mehr wächst.“ Die beladenen schweren Rückemaschinen würden eine zu große Last für den Boden bedeuten.
Die Rückegassen im Teilgebiet A seien zwar in einem Abstand von rund 20 Metern, wie üblich, entstanden, teilweise aber nur knapp zehn Meter von einem Waldweg entfernt. „Das ist absolut nicht notwendig und eine Sache der Planung. Sowas macht uns sauer“, so Kai Jacobi. Gernot Fischer fügt hinzu: „Das ist zwar extrem wirtschaftlich, aber auch extrem schädigend für den Wald.“ Mithilfe einer Sondierspitze demonstriert der Baumexperte, wie hart und dicht der Boden in dem Bereich ist, wo die Maschinen bereits zum Einsatz kamen. An anderer, nicht befahrener Stelle, gleitet die Sondierspitze leicht in den butterweichen Boden. Der Unterschied sei deutlich zu erkennen. Als Alternative für den Abtransport der Bäume schlagen die sachkundigen Bürger der Initiative Schlepper mit Forstseilwinden vor, mit denen die Bäume leicht an die Waldwege transportiert werden könnten.

30 Prozent weniger Holzeinschlag vollzogen

Froh ist die BI, dass laut RVR, rund 30 Prozent weniger Holzeinschlag vollzogen würde als ursprünglich geplant. Hieße aber im Umkehrschluss auch: 70 Prozent der geplanten Fällungen würden dennoch umgesetzt. Seit langem fordert die BI außerdem ein Aussetzen der Fällarbeiten für fünf Jahre. Der Wald sei vor allem durch die anhaltende Trockenheit in den tieferen Bodenschichten stark gestresst und sollte erstmal in Ruhe gelassen werden. Vor allem ein geschlossenes Kronendach zur Verdunstungsbegrenzung und möglichst geringe Wachstumsanreize würden die Überlebensfähigkeit der Bäume bei den gegenwärtigen Rahmenbedingungen sichern. Zudem hält die BI die überkommene Form der traditionellen Waldpflege für dringend reformbedürftig. Die Mitglieder protestieren daher weiter vor Ort gegen die Fällungen.
Positiv sei zu bemerken: Die am Samstag durchgeführte Baumzählung der BI ergab, dass der RVR tatsächlich 30 Prozent weniger Bäume gefällt hat als ursprünglich geplant. Weiterhin wichtig ist der BI die Fortsetzung des Dialogs mit dem RVR und dem Arbeitskreis Baerler Busch.
Dr. Dirk Bieker vom RVR Ruhr Grün äußerst sich zu den Sorgen der BI wie folgt: „Die aktuell durchgeführten Maßnahmen haben die Zustimmung der Naturschutzverbände, der Politik und vieler Forstsachverständiger. Die Durchführung ist mit eigenem Personal erfolgt, dass ich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für die gute Arbeit loben möchte. Die Sorgen der BI sind insgesamt vollkommen unbegründet. Durch die aktuellen Maßnahmen sind keine zusätzlichen Bodenverdichtungen entstanden. Es wurden nur bereits bestehende Rückegassen, die teilweise schon seit Jahrzehnten vorhanden sind, genutzt. Dabei sind keine Schäden entstanden.

Dr. Dirk Bieker: "Es wurden nur bereits bestehende Rückegassen genutzt"

Die Maßnahmen wurden auf unter zwei Prozent der Fläche des Baerler Busches durchgeführt und dabei nur ein Bruchteil der Bäume entfernt, um den umliegenden Bäumen mehr Sonne, Wasser und Nährstoffe zur Verfügung zu stellen. Im Baerler Busch wächst deutlich mehr Holz zu, als von uns entnommen wird. So entwickeln wir einen klimastabilen Wald und stellen der Bevölkerung gleichzeitig einen nachwachsenden Rohstoff zur Verfügung. Gleichzeitig haben wir innerhalb der Fläche A die erste Wildnisfläche ausgewiesen, die sich jetzt ohne menschliche Eingriffe und auf Dauer entwickeln darf. Innerhalb des Arbeitskreises wurden gute Kompromisse für die Entwicklung des Baerler Busches gefunden, die jetzt von RVR Ruhr Grün umgesetzt wurden. Die Panikmache der BI ist weder angebracht noch angemessen. RVR Ruhr Grün wird die Maßnahmen daher gerne der interessierten Öffentlichkeit präsentieren, um zu zeigen, dass hier vorbildlich und im Einklang mit der Natur gearbeitet wird.“ Gernot Fischers Aussage „Die Maßnahmen der zusätzlichen Rückegassen sei zwar extrem wirtschaftlich, aber auch extrem schädigend für den Wald“, weist Dr. Dirk Bieker zurück. Mit diesen Pflegemaßnahmen würde bei Vollkostenrechnung kein Geld verdient, so der Experte des RVR Ruhr Grün.
Die laufenden Maßnahmen richten sich nach dem 15-Punkte-Plan zur „Klimagerechten und ökologischen Entwicklung des Baerler Busches“, der vom Arbeitskreis Baerler Busch erarbeitet wurde.

Autor:

Nadine Scholtheis aus Moers

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