Bonn
Tödlicher Schlangenbiss am Beethoven-Denkmal

So sindse, die Rheinländer! Noch ist der 250. Beethoven-Geburtstag 2020 überhaups nich angefangen, da hammse schon etliche Feste hinter sich. Ich erinner mal nur an die Kunstaktion mit die Ludwig-Figürkes neulich. Jetz is dat Denkmal selber dran.

Am 12. August um 11 Uhr auf dem Münsterplatz

lädt der Verein BÜRGER FÜR BEETHOVEN zu einer Gedenkveranstaltung ein, bei der Zeitzeugenberichte zur Denkmalsenthüllung 1845 vorgetragen werden. Für die musikalische Umrahmung sorgen die Bonner Pianistin Susanne Kessel und ihre 88-jährige Schülerin Margot Nisita, die zwei Sätze aus der Beethoven-Klaviersonate Nr. 12 op. 26 spielen wird. Also nix wie hin!

Die stehende Beethoven-Figur des Denkmals war ja für das Image, das Beethoven in Deutschland hat, sehr prägend. In Wien darf er z.B. sitzen.

Aber kaum einer achtet auf den Sockel. 

Ich habe mir die vier Sockel-Reliefs mal genauer angesehen. Bei dem vorderen und den beiden seitlichen ging’s mir wie eh und je. Aber das hintere hielt mich doch länger gefangen, weil hier Bewegung drin und einiges zu klären war. Dafür schaut man am besten bei Walther Neft nach, dem Gymnasiallehrer aus Königswinter, bei dem alle nachschauen und zustimmend nicken. Auch Wikipedia. Jawohl, es symbolisiert „Die Symphonie“ am Beispiel der „Eroica“.
Was viele für Putten halten sind Genien. Ge-ni-en! G ausgesprochen wie g, bitte nicht wie sch. Dargestellt als geflügelte Knaben mit spezifischem Merkmal. Sie waren bei den Römern als Schutzgeister des Mannes tätig, sie symbolisierten seine Stärken. Zur Zeit Beethovens müssen sie noch gewirkt haben, sind dann wohl mit der Gleichberechtigung langsam verschwunden.
Die größte Figur auf diesem Relief ist allerdings eine weibliche. Euterpe, die Muse der Tonkunst, sonst der Flöte nicht abgeneigt, spielt hier die Lyra, eine prägitarrine Wanderharfe. Interessant aber ist, was die vier genialen Knäblein veranstalten. Sie schweben nämlich als Sinnbilder der vier Sätze der „Eroica“ um die lorbeerbekränzte Euterpe herum. Links oben hält „Allegro con brio“ ein Schwert, das Macht und Menschlichkeit trennt. Links unten senkt der „Trauermarsch“- Knabe die Lebensfackel, die Schlange am Arm ist ihm tödlich. Weiter geht’s rechts oben mit dem wesentlich heitereren „Scherzo“, in der einen Hand die Kastagnetten und in der anderen Hand was Besonderes: Der heute zu Unrecht in Vergessenheit geratene Thyrosstab mit dem Pinienapfel als Symbol für Fruchtbarkeit und Freude. Rechts unten schließlich „Allegro molto“ mit der schlecht erkennbaren Triangel, die für dezente Heiterkeit und erleichterten Jubel steht. Das Ganze sehr gut als Rotation zu imaginieren.
Statuen-Hähnel liefert mit den vier Seiten-Reliefs sozusagen im Einzelnachweis die Rechtfertigung für das Genie Beethoven als öffentliche Statue und war dabei seiner Zeit weit voraus. Wird doch der riesige Beethovenmann getragen von fünf Frauen: vorne - griechische Sphinx und Muse für „Phantasie“, links - hl. Cäcilia für „geistliche Musik“, rechts – Maskenfrau für „dramatische Musik“ und hinten Euterpe. Männlich sind die wesentlich kleineren umschwirrenden vier Genien und natürlich Beethoven oben. Macht zusammen auch fünf: Gendergerechtigkeit 1845!
Dafür musste aber erstmal noch ein alter Zopf abgeschnitten werden: Statuen von Bürgern, für die üblicherweise kein Mensch sein Leben lassen musste, durften in Preußen nicht aufgestellt werden, nur Herrscher! Im Falle Beethoven machte dann Friedrich-Wilhelm IV. eine Ausnahme. Bestimmt, weil er in Bonn studiert hatte und da mal mit Queen Victoria bei einem Beethoven-Gipfel vorbeischauen wollte.

Autor:

Franz B. Firla aus Mülheim an der Ruhr

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