Politik
Die PARKSTADT in Mülheim

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Ein geschönter Name: Wer denkt bei der Bezeichnung „Parkstadt“ nicht direkt an Gartenstadt, dem sozialen Wohnungsbau Anfang des 20. Jahrhunderts, der von wohlhabenden, verantwortungsbewussten Großindustriellen initiiert wurde, um für die Arbeiterschaft lebenswerten Wohnraum zu schaffen?
Erwähnenswert sind die Siedlungen „Margarethenhöhe“ in Essen, „Eisenheim“ in Oberhausen oder „Heimaterde“ in Mülheim, die sich durch einen dörflichen Charakter mit ein- bis zweigeschossigen Häusern und viel Grün drum herum auszeichnen. Jedermann sollte einen eigenen Garten zur Verfügung haben, zur Selbstversorgung, aber vor allem zur Erholung von der schweren Arbeit in den Fabriken. Dieser Plan ging auf, zahlreiche Beispiele stehen heute unter Denkmalschutz und sind Teil der Industriekultur im Ruhrgebiet.

Die „Parkstadt“ dagegen, es steckt im Namen, ist als „Stadt“ in einem Stadtteil mit einer überdimensionierten Bebauung geplant. Es sind u.a. zwölfgeschossige Hochhäuser angedacht, die weit über die hier übliche Bauweise herausragen werden. Neben Wohnhäusern, sollen gastronomische Betriebe und anderes Gewerbe Platz finden, eine KiTa sowie eine weiterführende Schule sind geplant – eben ein Nebeneinander von „Arbeiten, Wohnen und Leben“.

Endlich ist heraus, was auf dem ehemaligen Tengelmann Areal geplant ist.
Modelle und Zeichnungen können vor Ort nun von jedermann/ jederfrau eingesehen werden, Freitag 22. Oktober von 16 – 18:30 Uhr. Ich habe die Möglichkeit am heutigen Tag genutzt, um mir ein Bild zu machen, und ich war von dem Entwurf, der von der Stadt favorisiert wird, einfach nur entsetzt.
Ich dachte, die Zeit der Plattenbauten sei vorbei. Wer will denn so leben? Hier entsteht ein Ghetto und die Devise dabei ist: Möglichst viel auf möglichst wenig Raum unterbringen, damit es in der Kasse klingelt.
Es waren viele andere kritische Stimmen zu hören; Anwohner nutzen die Gelegenheit den anwesenden Mitarbeitern des Planungsbüros Fragen zu stellen, z.B.: „Wie viele Wohneinheiten es denn geben werde? Wieviel Menschen hier leben werden? Wie man mit dem Verkehrsaufkommen umgehen würde?
Leider gab es hierzu nur ausweichende Antworten, konkrete Zahlen könne man nicht benennen. Auch über die endgültige Höhe der Hochhäuser wurde spekuliert – vielleicht nur 10 bis 12 Etagen oder doch mehr?
Zur Parksituation nur so viel: Die Autos sollen möglichst in Tiefgaragen Platz finden.
Schön und gut, aber bevor hunderte von Kraftfahrzeugen dort abgestellt werden, bahnen sie sich ihren Weg über die vorhandenen Straßen wie Heerstraße, Wissoll- bzw. Liebigstraße, Veilchenweg und Ulmenallee. Straßen, die z.T. seit Jahren in einem bedauernswerten Zustand sind und die während der langfristigen Bauphase, man spricht von 15 Jahren, unter der Überbeanspruchung durch Baufahrzeuge, eben Schwerlastverkehr weiter zerstört werden.

Der alte Baumbestand soll erhalten bleiben, ein See als Mittelpunkt – diese Ideen sind gut, aber nicht neu. Eine Teichanlage gibt es auch heute schon hinter der ehemaligen Schokoladenfabrik, außerdem einen Springbrunnen.
Bei der geplanten Bebauung von einem „ökologisch-sozialen Musterprojekt“ zu sprechen, halte ich für arrogant, eine Anmaßung angesichts des zu berücksichtigen Umwelt- und Klimaschutzes. Dringliche Fragen, mit denen sich die Verantwortlichen auseinandersetzen müssten, bleiben bisher unbeantwortet:
Wie sieht es mit der Frischluftzufuhr für die umliegende, schon bestehende Wohnbebauung aus?
Für den lokalen Luftaustausch haben Frischluftschneisen und Flächen zur Kaltluftentstehung eine wichtige Bedeutung.
Stimmt das Verhältnis von versiegelten und unversiegelten Flächen? Zubetonierte, asphaltierte Böden haben negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Weniger Regenwasser kann versickern, der oberflächliche Abfluss wird gesteigert und die Grundwasserspende verringert.

Wie lassen sich Tiefgaragen mit einem natürlichen See vereinbaren? Wo ist überhaupt noch eine Neuanpflanzung von Bäumen möglich?

Eine überdimensionierte Bebauung wie diese dürfte auf starken Gegenwind der Mülheimer Bürger, insbesondere der Anwohner treffen. Hoffentlich haben die Verantwortlichen in unserer Stadt ein Einsehen – es ginge auch etwas kleiner und bescheidener, vor allem noch grüner, der Umwelt und den Menschen zuliebe.

Autor:

Ruth Zimmermann aus Mülheim an der Ruhr

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